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Quarantäne in Russland: Experten warnen vor Zunahme häuslicher Gewalt und anderer Verbrechen

Quarantäne in Russland: Experten warnen vor Zunahme häuslicher Gewalt und anderer Verbrechen
Quarantäne in Russland: Eine junge Frau sieht sich die Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin an
Nachteile der Selbstisolation sind Einsamkeit, stornierte Reisen und finanzielle Unsicherheit. Experten warnen aber auch vor weiteren gefährlichen Begleiterscheinungen: Häusliche Gewalt und andere Straftaten könnten in Zeiten der Quarantäne zunehmen.

In seiner Ansprache an die Nation empfahl der russische Präsident Wladimir Putin seiner Bevölkerung, zu Hause zu bleiben. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind seit etwa einer Woche öffentliche Einrichtungen geschlossen, Veranstaltungen wurden abgesagt. Ab Samstag werden auch Cafés, Restaurants, Parks, Friseurläden und Schönheitssalons geschlossen sein. Doch während es in Theatern, Kinos und der U-Bahn ruhig wird, könnte es in manchen Familien lauter werden. Russische Experten befürchten, dass die Zahl häuslicher Gewalt mangels Beschäftigung und Überschuss an Zeit in den eigenen vier Wänden zunehmen könnte.

Symbolbild

Menschenrechtsaktivisten in Russland machen seit Jahren darauf aufmerksam, dass die Nationalfeiertage – wie etwa die langen Neujahrsfeiertage – einen dramatischen Anstieg von Gewalt verzeichnen. Laut der Rechtsanwältin Marie Dawtjan, Leiterin des Zentrums zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt, stellt das Leben in Isolation eine ähnliche Bedrohung dar. Gegenüber der Tageszeitung Iswestija sagte sie:

Es ist das erste Mal, dass wir unter Quarantäne gestellt werden, aber natürlich wird sich die Lage in Bezug auf häusliche Gewalt meiner Meinung nach verschlechtern. Eine Person, die zu Gewalt neigt, ist jetzt ständig neben ihrem potenziellen Opfer. Der Angreifer kann nicht durch andere Probleme und Angelegenheiten abgelenkt werden. Er konzentriert sich ständig auf das Objekt der Gewalt. Und das Opfer hat keine Möglichkeit, seinem Peiniger zu entkommen. Laut unserer Beobachtungen verlässt eine Frau, die Aggressionen ausgesetzt ist, meistens das Haus, während ihr Mann auf der Arbeit oder auf Geschäftsreise ist. So hat sie die Möglichkeit, sicher zu fliehen.

Laut Dawtjan seien potenzielle Opfer in Zeiten der Quarantäne in einer Zwickmühle: Sie müssten mit potentiellen Angreifern zusammenleben und hätten jetzt noch mehr Angst, das Haus zu verlassen. Die Anwältin warnte, dass die aktuelle Lage, einschließlich Einkommensverlust, Arbeitslosigkeit und stornierter Urlaubspläne, potenzielle Angreifer zu echten Verbrechern machen könnte. Dawtjan empfiehlt denjenigen, die sich mit einem potentiellen Angreifer in Quarantäne befinden, in ständiger Kommunikation mit Freunden und der Familie zu bleiben. Ein weiterer Nachteil der Isolation sei laut Dawtjan der potentielle Alkoholmissbrauch:

Alkohol ist natürlich ein Faktor, der das Problem verschärft. Wenn der Aggressor betrunken ist, kann er die Kontrolle verlieren, noch weitergehen und zum Messer greifen.

Isolation in der Corona-Krise: Welche Ausländer dürfen noch nach Russland?
Symbolbild: Kraftfahrstraße М1 (Minsk-Moskau) an der russisch-weißrussischen Grenze. Russland hat seine Grenzen wegen der Corona-Pandemie für Ausländer gesperrt. Ausgenommen sind Fahrer einfahrender Lkw.

Russische Kriminologen behaupten, dass COVID-19 nicht nur häusliche Gewalt, sondern eine ganze Reihe von Verbrechen mit sich bringen wird. Vor allem, wenn sich die Quarantäne hinzieht. "Es ist sehr wichtig zu sehen, wie sich die Quarantänesituation auf den Stellenabbau auswirken wird", sagte Alexander Teocharow, Professor an der Polizeiakademie in Omsk:

Wir können mehr kriminelle Aktivitäten von Menschen erwarten, die ihre Einkommensquelle durch die Quarantäne verlieren. Insbesondere, wenn dies gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Migranten betrifft.

Sollte es zu einer längeren Quarantäne kommen, geht Teocharow davon aus, dass auch die Zahl der Raubüberfälle ansteigt: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Zahl der geringfügigen Diebstähle in Supermärkten zunehmen wird".

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