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USA: Sanders gewinnt zweite Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen – Schlappe für Biden

USA: Sanders gewinnt zweite Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen – Schlappe für Biden
Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Senator Bernie Sanders, spricht am 11.02.2020 bei einer Kundgebung in Manchester in New Hampshire, begleitet von seiner Frau Jane O'Meara Sanders und anderen Verwandten.
Bernie Sanders hat die zweite Vorwahl im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten gewonnen. Der vier Jahrzehnte jüngere Ex-Bürgermeister Buttigieg ist ihm aber dicht auf den Fersen. Der größte Verlierer ist Ex-Vizepräsident Biden.

Bernie Sanders, der 78 Jahre alte Senator aus Vermont, hat die Präsidentschaftsvorwahl der oppositionellen Demokraten im US-Bundesstaat New Hampshire gewonnen. Der "demokratische Sozialist", wie er sich selbst bezeichnet, siegte knapp vor dem vier Jahrzehnte jüngeren Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg. Die größte Überraschung der Vorwahl in New Hampshire ist Senatorin Amy Klobuchar, der größte Verlierer wohl Ex-Vizepräsident Joe Biden.

Will sich mit ihrer Wahlniederlage 2016 nicht abfinden: Die US-Demokratin Hillary Clinton.

Nach Auszählung fast aller Stimmen lag Sanders bei der Abstimmung im nordöstlichen US-Bundesstaat bei rund 26 Prozent, wie US-Medien in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) berichteten. Der gemäßigte Ex-Bürgermeister Buttigieg kam demnach auf 24 Prozent der Stimmen. Der 38-Jährige war in der vergangenen Woche bei der ersten Vorwahl in Iowa nach bisherigem Stand der Auszählungen überraschend knapp vor Sanders in Führung gegangen.

Sanders: Bessere Gesundheitsversorgung, höheren Steuern für Reiche, strengere Waffengesetze

Sanders sieht sich nach dem Sieg in New Hampshire als der beste Kandidat, um gegen den republikanischen Präsidenten Donald Trump anzutreten.

Dieser Sieg ist der Anfang vom Ende für Donald Trump", sagte Sanders vor Anhängern.

Es gehe darum, bei der Wahl im November "den gefährlichsten Präsidenten der jüngeren Geschichte" zu besiegen, sagte Sanders. Er werde sich für eine bessere Gesundheitsversorgung, höheren Steuern für Reiche, strengere Waffengesetze und den Kampf gegen den Klimawandel einsetzen, versprach der 78-Jährige.

Senator Sanders ist vor allem bei jungen Wählern beliebt. Er wirft Buttigieg mangelnde Erfahrung vor. Buttigieg, der frühere Bürgermeister der Stadt South Bend, hält im Gegenzug wiederum Sanders vor, dass dessen zahlreiche Wahlversprechen gar nicht finanzierbar wären. Buttigieg stellt sich als Kandidat der Mitte dar, der selbst die von Trump enttäuschten Republikaner für sich gewinnen will. "Wir müssen das schaffen", sagte er vor Anhängern. Das Land könne sich keine weiteren vier Trump-Jahre mehr leisten, so Buttigieg.

Überraschend stark schloss auch die moderate und weniger bekannte Senatorin Amy Klobuchar (59) ab. Sie kam mit knapp 20 Prozent auf den dritten Platz.

Hallo Amerika! Ich bin Amy Klobuchar und ich werde Donald Trump schlagen", sagte sie vor jubelnden Unterstützern.

CNN moderierte die Präsidentschaftsdebatte der Demokraten und hatte offenbar vor allem US-Senator Bernie Sanders im Visier.

Das Land brauche dringend einen Wechsel, forderte sie. Auf Rang vier und fünf folgten die linke Senatorin Elizabeth Warren (gut 9 Prozent der Stimmen) und noch dahinter der gemäßigte frühere Vizepräsident Joe Biden mit einem Stimmanteil von gut 8 Prozent. Eine sichtlich enttäuschte Warren (70) erklärte vor Unterstützern, sowohl Sanders als auch Buttigieg seien "großartige Menschen und jeder von ihnen wäre ein wesentlich besserer Präsident als Donald Trump". Sie bleibe aber weiter im Rennen.

Schlappe für Biden – Er hofft auf große Unterstützung bei schwarzen Amerikanern und Latinos 

Biden (77) hatte in landesweiten Umfragen lange in Führung gelegen, hat es aber bereits zuvor in Iowa nur auf den enttäuschenden Platz vier geschafft. Daraufhin hatte Biden bereits gewarnt, dass er auch in New Hampshire schlecht abschneiden könnte. Der fünfte Platz dort dürfte seine Kampagne jedoch ernsthaft beschädigen: Sein Nimbus als angeblich aussichtsreichster Bewerber scheint gebrochen. Auch die für den Wahlkampf erforderlichen Parteispenden dürften für ihn nun schwieriger einzuwerben sein. Biden gab sich dennoch kämpferisch. Bislang hätten erst zwei relativ homogene Bundesstaaten abgestimmt, sagte er. Biden hofft auf große Unterstützung bei schwarzen Amerikanern und Latinos.

Der Kampf, um Donald Trumps Präsidentschaft zu beenden, hat gerade erst begonnen", sagte er vor Unterstützern in South Carolina, wo am 29. Februar abgestimmt wird.

Die Kandidaten Andrew Yang und Michael Bennet gaben nach enttäuschenden Ergebnissen im unteren einstelligen Prozentbereich das Ende ihrer Wahlkampagnen bekannt. Damit bemühen sich immer noch neun Bewerber in den USA um die Präsidentschaftskandidatur für die Demokratische Partei, ursprünglich waren es mal etwa 30 Bewerber. In der Republikanischen Partei gelten dagegen diese Vorwahlen nur als Formsache: Präsident Donald Trump hat keine ernstzunehmende parteiinterne Konkurrenz.

"Super Tuesday" am 3. März – Vorwahlen ziehen sich noch bis Juni hin

Bei den Vorwahlen in New Hampshire werden nur 24 Delegiertenstimmen vergeben, die beim entscheidenden Nominierungsparteitag im Sommer zum Tragen kommen. Den Hochrechnungen zufolge sollten Sanders und Buttigieg jeweils neun Delegierte und Klobuchar sechs bekommen. Um sich die Präsidentschaftskandidatur der Partei zu sichern, muss ein Bewerber aber fast 2.000 Stimmen der Delegierten seiner Partei gewinnen.

Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden, hier bei einer Veranstaltung am 15. September 2018 in Washington, steigt in den Präsidentschaftswahlkampf ein.

Die Bedeutung der Abstimmung liegt daher vor allem in ihrer Signalwirkung zu Beginn des langen Vorwahlkampfs: Ein gutes Abschneiden kann Kandidaten wichtigen Rückenwind geben, eine Niederlage kann dazu führen, dass Bewerber aufgeben müssen. Die erste große Entscheidung, bei der es um Hunderte Delegiertenstimmen gehen wird, steht am 3. März an. Am sogenannten "Super Tuesday" wird in mehr als einem Dutzend der US-Bundesstaaten abgestimmt werden.

Die Vorwahlen ziehen sich dann noch bis Juni hin. Anschließend küren die beiden großen Parteien offiziell ihren Präsidentschaftskandidaten in den USA. Die Präsidentenwahl ist für den 3. November angesetzt.

Eine Überraschung im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur könnte noch der frühere New Yorker Bürgermeister Mike Bloomberg werden. Der Multimilliardär kandidierte in den relativ kleinen Staaten Iowa und New Hampshire nicht, sondern setzt erst auf seinen Erfolg in den großen Staaten am "Super Tuesday". Dort werden Hunderte Delegiertenstimmen vergeben. Bloomberg hat dort auch bereits zig Millionen US-Dollar für seine Fernsehwerbung ausgegeben. Er nimmt keine Spenden an, sondern finanziert seinen Wahlkampf selbst. In zwei landesweiten Umfragen war er jüngst auf Platz drei bzw. vier gekommen.

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(rt/dpa)

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