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Nach Autopsie an Epstein: Experte schließt Mord nicht aus

Nach Autopsie an Epstein: Experte schließt Mord nicht aus
(Symbolbild). Das Zungenbein (schematische Darstellung, rechts) ist ein kleiner gebogener Knochen am Mundboden unterhalb der Zunge. Es ist nicht mit dem restlichen Skelett verbunden, sondern nur an Muskeln und Bändern aufgehängt.
Die mit Spannung erwarteten Resultate der Autopsie von US-Milliardär Jeffrey Epstein werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Der verurteilte Sexualstraftäter soll Verletzungen erlitten haben, die laut einem Experten eher für Mord als für Selbstmord sprechen.

Der Bericht von der Autopsie am Leichnam Jeffrey Epsteins ergab, dass mehrere Knochen im Hals gebrochen sind. Dies berichtete zuerst die Washington Post, die sich auf zwei namentlich nicht genannte Quellen bezieht, über die Autopsie am Leichnam des US-Milliardärs mit besten Verbindungen zu internationalen Größen im Showbusiness und in der Politik.

Einer der gebrochenen Knochen in Epsteins Hals soll der Zungenbeinknochen sein. Diese Art von Fraktur kann sowohl mit Selbstmord durch Hängen als auch mit Mord durch Strangulierung in Verbindung gebracht werden, ist aber häufiger mit letzterer Todesursache verbunden, sagte Jonathan Arden, Präsident der National Association of Medical Examiners, gegenüber der Washington Post. "Wenn hypothetisch das Zungenbein gebrochen ist, würde das im Allgemeinen Fragen zur Strangulierung aufwerfen, aber es ist nicht definitiv und schließt selbstmörderisches Hängen nicht aus", sagte Arden.

Die Metropolitan Correctional Facility, in der Jeffrey Epstein am 10. August 2019 tot in seiner Gefängniszelle gefunden wurde, New York City, USA.

Laut dem Experten seien weitere Untersuchungen erforderlich, um spezifische Details zu klären. Laut dem Bericht der Washington Post müsse auch das Alter des Verstorbenen berücksichtigt werden. Das Zungenbein kann im mittleren Alter von drei Knochen zu einer U-Form verknöchern. Das Büro von Barbara Sampson, der leitenden Gerichtsmedizinerin in New York City, führte am Sonntag die Autopsie von Epsteins Körper durch, hat aber noch nicht offiziell die Ursache seines Todes bekannt gegeben.

"Die Bestimmung der Todesursache ist bis auf weitere Informationen zu diesem Zeitpunkt ausstehend", sagte Sampson in einer Erklärung. "Auf Wunsch der Vertreter des Verstorbenen und in Kenntnis der Bundesanwaltschaft habe ich einem privaten Pathologen (Dr. Michael Baden) erlaubt, die Autopsieuntersuchung zu beobachten. Das ist Routine", so Sampson weiter.

Auch die Begleitumstände von Epsteins Tod bleiben indes weiter unklar. Am Mittwoch berichteten mehrere US-Medien darüber, dass die beiden Wärter, die Epstein in seiner Gefängniszelle beaufsichtigen sollten, in seiner Todesnacht im Dienst geschlafen haben sollen. Statt wie vorgeschrieben alle 30 Minuten nach dem Inhaftierten zu schauen, sollen die beiden Beamten in Epsteins Gefängnistrakt eingeschlafen sein und die obligatorischen Kontrollgänge nicht durchgeführt haben.

Die Wärter stünden zudem auch unter Verdacht, ihren Arbeitsbericht gefälscht zu haben, um ihr fatales Versäumnis zu verschleiern, berichtete der US-Sender CBS. Laut der New York Times machten beide Wärter, ein Mann und eine Frau, in dieser Zeit wegen Personalknappheit im Gefängnis Überstunden. Beide sind nach Angaben des US-Justizministeriums mittlerweile beurlaubt. Bei einem der Wächter soll es sich zudem nicht um einen ausgebildeten Strafvollzugsbeamten handeln.

Auch der Direktor der Haftanstalt wurde auf Veranlassung vom zuständigen Justizminister William Barr versetzt. Der Justizminister hatte "schwere Unregelmäßigkeiten" in der Haftanstalt beklagt und eine gründliche Untersuchung des Falles angekündigt. Zu den Ungereimtheiten im Umgang mit dem inhaftierten Epstein gehört, dass für den schwerreichen Ex-Investmentbanker nur kurz eine besondere Beobachtung angeordnet wurde – obwohl er offenbar schon im Juli nach der Ablehnung seines Antrags auf Kautionsfreilassung einen Suizidversuch unternommen hatte und Wiederholungsgefahr bestand.

Der in elitären Kreisen bestens vernetzte Epstein saß in einer Haftanstalt in Manhattan ein, wo er bis zum Beginn seines Prozesses bleiben sollte. Den Prozessauftakt hatte das Gericht vorläufig auf Anfang Juni 2020 festgelegt. Der Geschäftsmann wurde beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Laut Anklageschrift baute Epstein zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring auf.

Epstein zeigte sich gern öffentlich mit Politikern und Prominenten. Er hatte unter anderem – zumindest zeitweise – Kontakte zum heutigen Präsidenten Donald Trump, zum Ex-Präsidenten Bill Clinton und zu Prinz Andrew aus Großbritannien. US-Medien spekulieren, dass ein Prozess weitere Prominente schwer belastet hätte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt eigenen Angaben zufolge trotz Epsteins Tod weiter in dem Fall, der sich künftig auf mögliche Komplizen des Unternehmers konzentrieren dürfte. Der TV-Sender NBC berichtete über eine am Mittwoch angestrengte Zivilklage eines mutmaßlichen Opfers gegen die langjährige Partnerin Epsteins und drei weitere ehemalige Angestellte des Milliardärs. Im Zuge der Vorwürfe gegen Epstein laufen mehrere Klagen mutmaßlicher Opfer.

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