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US-Army will Mini-Atomreaktoren und Mini-Atombomben

US-Army will Mini-Atomreaktoren und Mini-Atombomben
Damit die Abhängigkeit von Diesellieferungen für den Energiebedarf von US-Soldaten irgendwo auf der Welt reduziert wird, sollen bald mobile Mini-Atomreaktoren das Problem lösen.
Der längste Krieg in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika hat nicht nur hunderte Milliarden verschlungen, sondern das Pentagon auch vor ein logistisches Problem gestellt. Der Energiebedarf der Truppen in Afghanistan konnte nur mühsam gedeckt werden.

Seit Oktober 2001 befinden sich die USA im Krieg in Afghanistan. Trotz High-Tech beim US-Militär offenbarte dieser seit über 17 Jahren andauernde Krieg auch die Achillesferse der vermeintlichen Supermacht: die Energieabhängigkeit an entlegenen Kriegsschauplätzen.

Afghanistan, ein Land in Zentralasien ohne eigenen Meerzugang, dafür aber mit einigen der höchsten Berge der Welt gesegnet, hat in seiner langen Geschichte allen Besatzern immer wieder die gleiche Lektion erteilt, so auch Washington samt modernem Militär. Ohne gesicherte Nachschubwege lässt sich kein Krieg führen. Und wenn dann noch die Geografie und Topografie als Faktor wirken, die der Logistik den Weg verstellen, wird es erst so richtig kompliziert für eine Besatzungsmacht. Diese Erfahrung mussten auch die Strategen im Pentagon machen, die so manche bittere Pille schlucken mussten, so gar nicht nach ihrem Geschmack.

US-Truppen brauchten und brauchen nach wie vor Energie, sehr viel Energie. LKWs, Panzer, Truppentransporter, Helikopter, einfach alles was sich bewegt, braucht Energie. Genauso wie die US-Stützpunkte Energie brauchen, um die Kommunikationsanlagen, Küchen, Heizungen, Klimaanlagen oder Steckdosen mit Strom zu versorgen. Das allermeiste dieses Energiebedarfs wurde durch Dieselöl gedeckt, das durch Pakistan oder aus Russland nach Afghanistan geliefert wurde. Während der Amtszeit von Barack Obama als Präsident wollte der US-Kongress die Kosten für Diesellieferungen wissen: Pro US-Gallone (3,79 Liter) zahlte Washington am Ende durchschnittlich 400 US-Dollar, bis der dringend benötigte Kraftstoff am Zielort ankam. Ein stolzer Preis, im Pentagon sprach man dabei von "fully burdened cost of fuel", also "voll belastete Kraftstoffkosten". Bei einem Verbrauch von durchschnittlich 22 Gallonen pro Soldat und Tag kommt eine ansehnliche Summe zusammen.

In den vergangenen Jahren wurde viel darüber diskutiert, was man diesem Dilemma  entgegensetzen könnte. Erneuerbare Energien, sparsamere Maschinen oder alternative Antriebe sollten die Kosten senken. Eine relativ simple Möglichkeit zur Kostenreduktion wäre ein Abzug der Truppen oder der gänzliche Verzicht auf Kriege, aber darauf hat man keinen Gedanken verschwendet. Stattdessen finanzierte Washington eine Tankstelle in Afghanistan für knapp 43 Millionen US-Dollar, ohne sich ansatzweise erklären zu können, wieso die 140 Mal teurer wurde als ursprünglich angedacht.

Eine Lösung für dieses Problem wurde mit "Project Dilithium" gefunden: Mini-Atomreaktoren mit einer Leistung zwischen 1 bis 10 Megawatt sollen Strom für drei Jahre produzieren können, ohne nachgefüllt werden zu müssen. Die Masse des Reaktors beträgt am Ende weniger als 40 Tonnen und soll per LKW, C-17 Transportflugzeug und per Schiff überallhin transportiert werden können, wo künftige Einsätze und Invasionen des US-Militärs stattfinden werden. Spezialisten der Army sollen dann den Reaktor in weniger als 72 Stunden in Betriebsbereitschaft bringen können sowie am Ende des Einsatzes innerhalb einer Woche wieder abgebaut haben.

US-Army will Mini-Atomreaktoren und Mini-Atombomben
Ein Diagramm aus einem Bericht der US-Army zeigt ein potentielles Konzept zur Beförderung eines mobilen Mini-Atomreaktors zum Einsatzgebiet.

Seit die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) im Jahre 2011 ein 150 Millionen US-Dollar-Programm zur Erforschung von Mini-Atomreaktoren ausschrieb, hat sich viel getan. In einem Bericht der "Task Force on Energy Systems for Forward/Remote Operating Bases" des Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 2016 heißt es, dass gerade die entlegenen Operationsbasen des US-Militärs auf die "Nutzung von Kernenergieanwendungen" angewiesen sind. Weitere zwei Jahre später schreibt der stellvertretende Generalstabschef in der "Studie für mobile nukleare Kraftwerke bei Bodenoperationen":

Die Rückkehr der Atomkraft zur Army und zum DOD (Verteidigungsministerium/Anm.) wird eine erhebliche Auswirkung auf die Army, unsere Alliierten, die internationale Gemeinschaft, die kommerzielle Energieindustrie und die Nation haben. Die US-Nuklearindustrie betrifft die Nation wirtschaftlich und geopolitisch. Mit einem Wachstum in der Nuklearindustrie gibt es ein erhebliches Potenzial zur Schaffung von Tausenden von Jobs, während man eine einsetzbare, zuverlässige und nachhaltige Option zur Verringerung der Erdölnachfrage anbietet und sich auf die Lieferung von Kraftstoff für die Prioritäten der Combatant Commander und Manöver in Multidomain-Operationen fokussiert.

Wenn es nach den Entwicklern der Mini-Atomreaktoren geht, dann könnten diese "in weniger als fünf Jahren" bereits auf künftigen Schlachtfeldern stehen. Doch die Studie der US-Armee gibt zu verstehen, was dieser Entwicklung entgegensteht, nämlich dass das "existierende Nuklearregime und deren unterstützende Abkommen und weitere internationale Abkommen so aufgebaut sind, dass sie große, stationäre Atomanlagen unterstützen, nicht kleine, mobile (Atomreaktoren/Anm.). Die Regeln haben nicht mit dem Fortschritt Schritt gehalten."

Während also internationale Abkommen und Normen zum Bau und zur Nutzung von Atomanlagen offensichtlich als Hindernis wahrgenommen werden, bleibt die Frage der Sicherheit der mobilen Mini-Reaktoren vollkommen unbeantwortet. Zwar belegen die Befürworter dieser Entwicklung mit den Ergebnissen von Studien, dass danach Atomkraft für die Umwelt sicherer als Kohle und Gas sei, was aber nicht unbesehen übertragen werden kann auf mobile Anlagen, die in Kriegsgebieten unter Beschuss kommen könnten. Ungeachtet dessen verfolgt das "Strategic Capabilities Office" im Pentagon weiter dieses Projekt und veröffentlichte erst Mitte Januar 2019 dafür eine weitere, neue Ausschreibung.  

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Zudem arbeiten die USa auch an sogenannten "Mini-Atombomben". Die W76-2 ist eine neue Atomwaffe mit geringer Sprengkraft. Alle negativen Effekte, die die Atommächte seit dem Zweiten Weltkrieg vom Einsatz solcher Waffen abgehalten haben, wurden bei der W76-2 reduziert. Die Waffe wird somit "nutzbar".

Die Entwicklung entspricht genau den Plänen von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte angekündigt, mittels des großen US-Militärbudgets alle strategischen Gegner der Vereinigten Staaten in Grund und Boden zu rüsten. Eine gefährliche Entwicklung. Ein neues Wettrüsten scheint unausweichlich.

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