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Militärforschung in den USA: Ambitioniert - aber auch erfolgreich?

Militärforschung in den USA: Ambitioniert - aber auch erfolgreich?
Technogene Alpträume im Dienste der besten Besatzungsarmee der Welt – Militärforschung der USA (Symbolbild: US-Militärangehöriger mit Aufklärungsdrohne. Nach Plänen des ARL sollen die unbemannten Mechanismen kleiner und selbständiger werden.)
Das Pentagon investiert in zahlreiche Forschungsprojekte, um den technologischen Vorsprung des US-Militärs aufrecht zu erhalten. Darunter Minidrohnen, die den Gegner dank KI autonom bekämpfen sollen. Die Umsetzbarkeit der ambitionierten Projekte steht jedoch in Zweifel.

In den USA sucht das ARL (Army Research Laboratory, Armee-Forschunglaboratorium) Unternehmen, die an militärischen Kleinstdrohnen forschen sollen. Diese sollen von einer Künstlichen Intelligenz (KI) gesteuert werden und sich in Schwärmen fortbewegen - kriechend, fahrend oder fliegend. Auch die Drohnenkonzepte der Forschungseinrichtung DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) des US-Verteidigungsministeriums sehen einen hohen Grad an Autonomie vor.

Ferner gehört die Forschung an Technologien elektronischer und kybernetischer Kriegsführung und an komplett neuen Arten von Sensoren zu den Plänen des Pentagon, ebenso wie die Forschung an unkonventionellen Mitteln der Energie- und Materialversorgung auf dem Schlachtfeld für die US-Landstreitkräfte.

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Experten haben die US-Konzepte – soweit sie öffentlich gemacht wurden – einer Bewertung unterzogen und gefolgert, dass das US-Militär anscheinend mit dem jetzigen Stand der Technik im Militärwesen alles andere als zufrieden ist. Vor allem die Umsetzbarkeit der Doktrin der absoluten technischen Überlegenheit auf dem Schlachtfeld "unter allen Bedingungen und in allen Lagen" und des Erstschlags aus großer Entfernung sei demnach momentan nicht gegeben.

Es gebe eine "Notwendigkeit von entscheidender Bedeutung" zur Modernisierung der Streitkräfte, um diese Überlegenheit herzustellen, so der russische Militärexperte Alexei Leonkow. Weil man sich nicht mehr zutraue, diese Doktrin auf dem herkömmlichen Weg des technisch-materiellen Wettlaufs konventioneller Bewaffnung umsetzen zu können, sehe man sich gezwungen, auch derart ausgefallene Konzepte unter extremem finanziellen Aufwand auszuloten.

Doch selbst das gigantische Budget des US-Verteidigungsministeriums in Höhe von 716 Milliarden US-Dollar könnte noch zu gering sein, wenn man die Forschungsprojekte, die damit finanziert werden sollen, kritisch betrachtet.

Ein Quantensprung dank dickem Militärbudget

Das ausgefallenste der vorgestellten Konzepte ist der Quantensensor auf der Basis von Rydberg-Atomen, an dem im Rahmen des Discovery Essential Research Program geforscht wird. Rydberg-Atome sind wasserstoffartige Atome (mit nur einem Elektron), oder auch Atome von Alkalimetallen, die die Forscher des ARL mithilfe von Laserbestrahlung anregen und in den sogenannten Rydberg-Zustand versetzen. In diesem Zustand reagieren die Atome auf jegliche elektrischen Felder extrem empfindlich.

Ebenso wird mit Lasern der Zustand eines solchen Atoms abgetastet – weil sie, je nach Intensität und Schwingungsbereich des Feldes, Laserbestrahlung anders modulieren. Antennen, die so aufgebaut sind, sollen gegenüber herkömmlichen nicht nur deutlich empfindlicher sein, sondern auch auf ein extrem breites Spektrum elektrischer Schwingungen reagieren können: Vom Kilohertz- (103 Hz) bis zum Terahertzbereich (1012 Hz). Solche Antennen sollen zur Aufklärung ebenso wie zur Kommunikation eingesetzt werden.

Von einer praktischen Anwendung ist man jedoch noch extrem weit entfernt, nicht zuletzt, weil auch den Forschern eine Vorstellung davon fehlt, wie eine solche praktische Anwendung ausfallen könnte. Diese Antennen "unterscheiden sich so sehr von althergebrachter Empfängertechnologie, dass wir erst einmal einen Schritt zurück machen müssen, um über neue Anwendungsbereiche und Möglichkeiten nachzudenken", erklärte einer der beteiligten Forscher, Dr. Paul Kunz.

Dass militärische Einrichtungen auch Grundlagenforschung betreiben, ist keine Neuigkeit. Letztendlich lässt sich fast jede Forschung auch militärischen Zwecken dienstbar machen. Doch das spektakuläre US-Militärbudget sowie die schiere Anzahl der daraus finanzierten Projekte, die sehr weit davon entfernt sind, praktische Ergebnisse zu liefern, deuten darauf, dass die USA um jeden Preis in naher Zukunft einen Quantensprung in der Rüstungstechnik erzwingen wollen.

Ein Schwarm aus KI-Drohnen

Auch die eingangs schon erwähnten, KI-gesteuerten Mikrodrohnen, zählen zu den exotischen Forschungsprojekten. "Die kleinsten Teileinheiten" der US-Streitkräfte wie Platoons und Squads, sollen mit derartigen Geräten ausgerüstet werden, schreibt der ARL-Mitarbeiter Alexander Kott in einem Bericht. Dabei sollen sie über weite Strecken autonom vorgehen, mit nur minimaler menschlicher Einwirkung. Sie sollen nur von einer KI gesteuert werden, die auch die Aufgabe der Freund-Feind-Erkennung übernehmen soll – und somit die Entscheidung über Leben und Tod treffen kann.

Militärforschung in den USA: Ambitioniert - aber auch erfolgreich?
Miteinander vernetzt: KI-gesteuerte Drohnenschwärme (Quelle: U.S. Army Research Laboratory)

Den möglichen Einsatzzweck solcher Drohnen hat der russische Militärexperte Dmitri Drosdenko skizziert:

Solche Geräte können nicht nur zu Spähzwecken, sondern auch zum Angriff genutzt werden. Rüstet man zum Beispiel eine fliegende Mikrodrohne mit ein paar Gramm Sprengstoff aus, wird sie feindliche Soldaten angreifen können, sobald sie diese über ein 'Freund-Feind'-System zugeordnet hat. Es gibt ja eine ganze Reihe autonomer Maschinen, die sowohl der Aufklärung als auch dem Angriff dienen. Diese Maschinen fliegen, krabbeln und schwimmen. Die Welt bewegt sich auf die Existenz autonomer, automatisierter Systeme zu, mit der Möglichkeit ausgestattet, alles Lebende auszulöschen.

Neben Kampfdrohnen sollen auch einfache Sensoren und komplexere, nicht immer nur auf den Kampf ausgerichtete kybernetische Einheiten zu einem "Internet of Battle Things" (IoBT, Internet der Kampf-Dinge) gehören.

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Was sich nach einem Horrorszenario aus einem "Terminator"-Film anhört, ist allerdings ebenso weit von einer Verwirklichung entfernt wie der neue Quantensensor. Einige der Probleme, für die eine Lösung noch aussteht, werden von Kott selbst angesprochen: Vor allem fehlt den heutigen Geräten für eine echte KI, die im Kampf das Kommando übernehmen soll, schlicht die Rechen- und Speicherkapazität.

Bedenkt man ferner, dass diese Kapazitäten daher zwingend in einer Art Schwarmintelligenz zur gemeinsamen Nutzung zwischen den einzelnen Geräten aufgeteilt werden müssen, wird sofort der nächste Schwachpunkt offensichtlich: Der Gegner kann die Kommunikation mithilfe radioelektronischer Gegenmaßnahmen stören oder ganz unterbrechen, oder mithilfe von Hackern oder maßgeschneiderten Computerviren die Geräte komplett lahmlegen oder die Kontrolle über sie übernehmen. Und schließlich, so Kott in einem Interview mit The Register, muss auch die Selbstlernfähigkeit der KI noch eine große Entwicklung durchmachen.

An der Machbarkeit einer Künstlichen Intelligenz für ein derart autonomes Internet of Battle Things zweifelt man auch bei der IT-Onlinezeitschrift thenextweb. Hierbei geht es vor allem um die Analyse visueller Information:

Die besten KIs von heute, etwa DeepMind von Google oder Watson von IBM, sind gerade einmal zur komplexen Analyse von Bildmaterial fähig. Die US-Armee erwartet technischen Fortschritt, der aus heutiger Sicht sehr weit entfernt scheint.

Dass bereits heute kampferprobte Mittel – sogar im Handwaffenformat – existieren, mit denen der Einsatz von Drohnen wirksam unterbunden werden kann, lässt die Erfolgsaussichten dieser Forschungen noch zweifelhafter erscheinen.

Logistische Leichtfüßigkeit bei Besatzungsoperationen

Weniger spektakulär mutet im Vergleich dazu das nächste Forschungsfeld des ARL an – etwas realistischer sind auch die dabei gesetzten Ziele. Es geht darum, den sogenannten "logistischen Fußabdruck" der Landstreitkräfte drastisch zu verkleinern – der Bedarf an Transportkapazität für die Versorgung der Soldaten und Maschinen soll drastisch gesenkt werden. Dafür ist nicht nur die Erschließung alternativer Energiequellen geplant – beispielsweise Photovoltaik – sondern zum Beispiel auch die Anfertigung von Maschinen und Mechanismen, etwa der erwähnten Aufklärungs- und Kampfdrohnen, mittels portabler 3D-Drucker. So können weniger Materialien ins Einsatzgebiet mitgeführt werden, aus denen dann schnell und flexibel vor Ort das jeweils notwendige Rüstungsgut nach Bedarf gefertigt wird.

Ob diese Forschungsziele erreicht werden können, oder ob diese Technik durch andere Entwicklungen bald überholt wird, lässt sich kaum prognostizieren. Die Zielsetzung der Militärforscher sagt allerdings viel über die Art von Kriegen aus, die die USA auch in der Zukunft führen wollen: Kolonialkriege beziehungsweise Anti-Guerilla-Operationen auf besetzten Gebieten gegnerischer Staaten, deren konventionellen Streitkräfte man zuvor mit Übermacht aus der Luft zunichte gemacht hat – gerade in langwierigen Guerilla-Kriegen sind logistische Ketten meist der wunde Punkt beider Seiten.

Experte: US-Raketenabwehrprogramm gewährt keine Sicherheit

Dass also Schläge aus der Luft weiterhin das wichtigste Mittel der US-Streitkräfte bleiben werden, scheint besiegelt: Gegen die Landstreitkräfte eines Gegners, dessen Luftwaffe, Luftabwehr und Mittel der elektronischen Kampfführung wenigstens teilweise noch intakt sind, bringen allenfalls die empfindlicheren Quanten-Antennen einen Vorteil. Den Vorteil bei der Aufklärung, den die Drohnen den Landstreitkräften bringen sollen, und den logistischen Vorteil durch effizientere Energie- und Materialversorgung werden die Landstreitkräfte jedoch nicht ausspielen können, solange die gegnerische Luftwaffe noch aktiv ist.

Der den Feind entwaffnende Erstschlag aus der Luft, dieses Steckenpferd der US-Amerikaner ist jedoch nicht mehr in allen Fällen die überwältigende Macht, die es einmal war. Dies zeigt der Kommentar des US-Präsidenten Donald Trump vom 22. Oktober anlässlich des Austritts der USA aus dem INF-Vertrag: Die USA würden solange ihr Nuklearwaffen-Arsenal ausbauen, "bis die Anderen wieder zur Besinnung kommen".

Was die Kriegsführung zu Luft betrifft, so hat das Mehrzweck-Kampfflugzeug der fünften Generation F-35 viel Kritik auf sich gezogen. Die USA seien nicht in der Lage, die F-35 "in einen vernünftigen Zustand zu bringen", so der Militärexperte Alexei Leonkow. Zu bedenken sei in dieser Hinsicht auch die zunehmende Verbreitung moderner Luftabwehrsysteme.

Auch das Raketenabwehrprogramm der USA benötige dringend eine qualitative Aufbesserung, so Wadim Kosjulin, Professor an der Akademie für Militärwissenschaften der Russischen Föderation:

Dies ist ein sehr kostspieliges Programm, das sich als völlig ineffektiv entpuppt hat. Heute verstehen die Spezialisten, dass es alle Erwartungen enttäuscht hat und die Sicherheit der Vereinigten Staaten keineswegs gewährleistet. Da muss sich qualitativ etwas ändern.

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