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Waldbrand in Kalifornien: Freisetzung "hoch gefährlicher" radioaktiver Partikel auf Atomtestgelände

Waldbrand in Kalifornien: Freisetzung "hoch gefährlicher" radioaktiver Partikel auf Atomtestgelände
Brennender Weinberg in Thousand Oaks am vergangenen Freitag
Seit Monaten wüten in Kalifornien Waldbrände. Zusätzlich zu den bereits beträchtlichen Personen- und Sachschäden gerät nun eine weitere Bedrohung in den Blick: Die Freisetzung radioaktiver Partikel aus dem durch Militärtests verseuchten Boden.

Die seit Monaten im US-Bundesstaat Kalifornien wütenden Waldbrände haben bisher 50 Menschen das Leben gekostet und enormen Schaden verursacht. Seit das sogenannte "Woolsey"-Feuer das Waffentestgelände der Armee in den Simi Hills erreicht hat, geht eine neue Angst um: die Freisetzung von radioaktiven Partikeln aus dem verseuchten Boden.

Nach offiziellen Angaben hat das "Woolsey"-Feuer bisher von 57.000 bedrohten Gebäuden 504 zerstört. 52 Prozent des Feuers konnten durch die unermüdliche und gefährliche Arbeit der Feuerwehrmänner eingedämmt werden. Allerdings konnten sie nicht verhindern, dass das Feuer sich den Weg zum Waffentestgelände der US-Armee in den Simi Hills außerhalb der Millionenstadt Los Angeles bahnen konnte.

Seit 1947 testete das Santa Susana Field Laboratory (SSFL) hier experimentelle Raketenantriebe und betrieb dafür eigene Nuklearreaktoren. Die TV-Dokumentation "LA's Nuclear Secret" aus dem Jahr 2017 zeigt auf, wie es im SSFL im Laufe der Jahre zu zahlreichen Unfällen, Missmanagement und illegaler Entsorgung von radioaktivem Abfall kam. Der schlimmste Vorfall aus dem Jahr 1959 soll Untersuchungen zufolge eine "459-mal größere Verstrahlung" gehabt haben als der als offiziell schlimmster eingestufter Vorfall nach dem Reaktorunfall im Three-Mile-Island-Kernkraftwerk am 28. März 1979. 

Damals war das Gebiet um die Simi Hills dünn bis gar nicht besiedelt, aber heute lebt über eine halbe Million Menschen in einem Radius von zehn Kilometern um das ehemalige Testgelände. Das "Department of Toxic Substances Control" der kalifornischen Regierung versuchte in einer Pressemitteilung vom 9. November, die Bevölkerung zu beruhigen, konnte jedoch nicht bestätigen, dass keine giftige Partikel durch das Feuer aus dem Boden freigesetzt wurden. Die Beamten "glauben nicht, dass das Feuer irgendwelche gefährlichen Materialien freigelassen hat". Feststellen ließe sich das aber erst, sobald man Zugang zu dem fraglichen Gebiet bekomme. 

Melissa Bumstead, eine Anwohnerin der Gegend um die Simi Hills, sieht das ganz anders. "Wir können nichts glauben, was das DTSC sagt", meinte sie. Dass ihre Tochter bereits zweimal an Leukämie erkrankte (die Krankheit jedoch jeweils besiegen konnte), führt sie auf die radioaktiv verseuchte Umgebung des ehemaligen Testgeländes zurück. Laut ihren Angaben gibt es noch weitere fünfzig Fälle von seltenem pädiatrischem Krebs bei Neugeborenen rund um die Simi Hills. Deswegen hat die Mutter eine Petition ins Leben gerufen, die bisher fast 471.000 Menschen unterschrieben haben und die die Regierung auffordert, endlich den verseuchten Boden zu säubern und von den radioaktiven Abfällen zu befreien. 

Auch Dr. Robert Dodge, Präsident der Physicians for Social Responsibility-Los Angeles, sieht es wie Melissa Bumstead und Tausende andere Menschen in der Umgebung: 

Wir wissen, was für Substanzen auf dem Areal sind und wie gefährlich sie sind. Wir sprechen von unglaublich gefährlichen Radionukliden und toxischen Chemikalien, wie Trichlorethen, Perchloraten, Dioxin und Schwermetallen. Diese toxischen Materialien sind im Boden und der Vegetation von SSFL, und wenn es brennt und in Form von Rauch und Asche in die Luft gelangt, gibt es eine reale Möglichkeit, dass die Bewohner des Gebiets dem in erhöhtem Maße ausgesetzt sind. 

Wie gefährlich kontaminiert dieses Gelände tatsächlich ist, zeigt auch ein Bericht des Los Angeles Magazine aus dem Jahr 1998: 

Garner, 44 Jahre alt, lebt im Simi Valley. Als Metallarbeiter hat er über die Jahre immer wieder für das Laboratorium (das SSFL/Anm.) gearbeitet. Im Oktober 1996 wurde bei ihm Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Bei seiner Frau Leslie musste die Gebärmutter aufgrund von Gebärmutterhalskrebs entfernt werden. Sein Vater, der wie Garner als Gelegenheitsmetallarbeiter beim Laboratorium tätig war, hat Hautkrebs und Herzprobleme und steht dem Tod sehr nahe. Seine Schwester Vickie, 46, hat Herz- und Schilddrüsenprobleme. Nur auf einer Seite eines einzigen Blocks der Ramara Avenue in den Woodland Hills, fünf Meilen von der Anlage entfernt, wurde in neun von zehn Häusern Krebs diagnostiziert. 

Dass es zu einer Freisetzung der "unglaublich gefährlichen" Stoffe aus dem verseuchten Boden rund um das ehemalige Waffentestgelände der Armee und Regierung kam, erscheint angesichts des dort wütenden Feuers nicht abwegig. Zumal auch ein Bericht der US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) aus dem Jahr 2012 bestätigte, dass der Boden des Geländes mit radioaktiven Materialen verseucht ist. Doch auch das Umweltbehörde bestritt die Freisetzung von toxischen Stoffen in die Atmosphäre, nachdem "Mitarbeiter" des Amtes die Anlage besucht hatten und "keine wahrnehmbare Strahlung im untersuchen Bereich" feststellen konnten.

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