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Zu dick, kriminell und ungebildet: US-Armee will wachsen, aber es fehlen geeignete Rekruten

Zu dick, kriminell und ungebildet: US-Armee will wachsen, aber es fehlen geeignete Rekruten
Rekruten der US-Armee während der Grundausbildung
Die Armee soll wachsen. Das ist nicht nur US-Präsident Trump ein Herzensanliegen. Das Wachstum ist aber auch eine Notwendigkeit, um weiterhin global die Freiheit verteidigen zu können. Einziges Problem: Es gibt nicht genügend qualifizierte Rekruten.

Die neuen Pläne des US-Präsidenten und des Pentagon sehen vor, nicht nur das Verteidigungsbudget in bislang ungekannte Höhen zu treiben, sondern auch die Zahl der US-Soldaten zu erhöhen.

Mit über 1,3 Millionen aktiven Männern und Frauen und 742.000 zivilen Mitarbeitern sind wir der größte Arbeitgeber des Landes. Weitere 826.000 dienen der Nationalgarde und den Reservekräften", klärt das US-Verteidigungsministerium auf.

Stabilität nur mit mehr Personal zu gewährleisten

Das US-Militär setzt sich dabei aus der Armee, der Nationalgarde, der Navy, der Luftwaffe und dem Marinekorps zusammen. Für das Jahr 2018 soll die Navy demnach um aktive 7.500 Seeleute und 100 Reservisten anwachsem, die Luftwaffe um 4.000 aktive Piloten und 500 Reservisten bzw. 200 Nationalgardisten. Dem Marinekorps sollen wiederum 1.100 aktive Elitesoldaten beitreten.

Doch auch US-Stabschef Mark Milley will mehr, viel mehr. Um ihren Pflichten gerecht zu werden, soll die US-Armee bis zum Jahr 2022 demnach auf 540.000 aktive Soldaten ausgebaut werden.

Basierend auf den erforderlichen Aufgaben glaube ich, dass wir eine größere Armee brauchen. Das ist nicht irgendeine willkürliche Zahl. Wir haben die notwendige Analyse durchgeführt. Wir müssen größer, stärker und fähiger sein", ließ Milley die Zuhörer des nationalen Presseklubs in Washington, D.C. wissen.

Milley ließ die Zuhörer auch wissen, worin seiner Ansicht nach die primäre Aufgabe des US-Militärs bestehe:

Eine der wichtigsten Aufgaben des US-Militärs besteht seit sieben Jahrzehnten darin, die Weltordnung durchzusetzen, sie aufrechtzuerhalten und ihre Stabilität zu erhalten.

Milleys Ziel würde bedeuten, dass allein die US-Armee nicht nur jedes Jahr 17.500 neue Soldaten einberufen, sondern auch Ersatz für diejenigen finden müsste, die in den Ruhestand gehen oder den Dienst jedes Jahr aus anderen Gründen verlassen. Das entspricht etwa 20 Prozent der Streitkräfte. Daher legte die US-Armee ihr Rekrutierungsziel für 2018 auf 80.000 Soldaten fest. Zumindest anfangs schien dieses Ziel als moderat und daher erreichbar.

Rekrutierungsbemühungen blieben hinter Zielvorstellungen zurück

Doch die Realität machte dem Ansinnen einen dicken Strich durch die Rechnung, denn bereits im April mussten die Zahlen nach unten korrigiert werden. Anstatt 80.000 Soldaten wollte man fortan nur noch 76.500 Soldaten rekrutieren. Aber auch diese Zahl hat sich als zu hoch erwiesen, denn in den ersten sechs Monaten schrieben sich lediglich 28.000 neue Rekruten für den Dienst an der Waffe ein.

Das Problem ist offenbar nicht, dass junge Leute nicht zur Armee gehen wollen - oder zu einem der anderen Dienst – sondern darin, dass sie es nicht können", heißt es dazu bei The American Conservative.

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Das Problem ist demnach hausgemacht und bestehe unter anderem darin, dass jeder dritte mögliche Rekrut für den Armeedienst zu dick sei, jeder vierte nicht über grundlegendste Bildung verfüge, also einen Schulabschluss, und jeder zehnte potenzielle Rekrut eine kriminelle Vergangenheit aufweise.

Im Klartext: Etwa 71 Prozent der 18- bis 24-Jährigen - das ist die Zielgruppe des Militärs für potenzielle Rekruten - sind von dem Moment an disqualifiziert, in dem sie eine Rekrutierungsstation betreten. "Das sind 24 Millionen von 34 Millionen Amerikanern", lautet die ernüchternde Bilanz.

Doch damit nicht genug der Steine, die dem Militär von der US-Gesellschaft selbst in den Weg gelegt werden. Immer weniger junge Amerikaner wollen demnach überhaupt in die Armee eintreten. Von den in Frage kommenden potenziellen Rekruten ist demnach nur jeder Achte gewillt, die Sicherheit der Vereinigten Staaten notfalls auch außerhalb der eigenen Grenzen zu verteidigen und zum globalen Kampf für die Freiheit, wie er dem Selbstverständnis der USA entspricht, beizutragen. Von den potenziell Verfügbaren wiederum rasseln ganze 30 Prozent durch den sogenannten Armed Forces Qualification Test (AFQT) – trotz Schulabschluss oder einer vergleichbaren Qualifikation, dem General Equivalency Diploma (GED).

Bestehendes Personal soll mithilfe finanzieller Anreize zum Bleiben bewegt werden

Der Qualifikationstest dient dazu, grundlegende mathematische und Lesekenntnisse abzufragen. Zur Vorbereitung existieren sogenannte "AFQT for Dummies". Eine exemplarische Frage lautet demnach:

Fünf Arbeiter verdienen am Tag 135 US-Dollar. Wieviel verdienen die fünf Arbeiter zusammen?

Das Ziel des AFQT ist es demzufolge nicht etwa, die am höchsten qualifizierten Rekruten zu identifizieren, sondern vielmehr die etwa 30 Prozent Analphabeten auszusortieren, die trotz eines Schulabschlusses nicht lesen, schreiben oder zählen können.

Symbolbild

Um dem strukturellen Rekrutierungsproblem zu begegnen, schnürt die US-Armee nun finanzielle Angebotspakete für diejenigen aktiven Soldaten, die sich dem Ende ihrer Dienstzeit nähern, um sie dadurch vom Verbleib in den Reihen der Armee zu überzeugen.

Um das zu tun, bietet die Armee Soldaten, deren Dienstzeit in diesem Fiskaljahr abläuft, 10.000 US-Dollar an, um ihre Verträge für mindestens 12, aber bis zu 23 Monate zu verlängern", informierte die Army Times bereits im November 2017.

US-Armee stößt an Kapazitätsgrenzen

Die strukturellen Engpässe bei der Rekrutierung qualifizierter und williger Soldaten verweisen auf ein sich anbahnendes Problem, welches ein Armeeoffizier gegenüber dem auf Militär, Nachrichtendienste und Außenpolitik spezialisierten Autor Mark Perry als "force structure design issue" bezeichnete. Im Klartext bedeutet dies, dass das US-Militär an seine Kapazitätsgrenzen stößt oder diese vielmehr bereits überschritten hat.

Während die vorgeschlagenen Truppenerhöhungen ein Schritt in die richtige Richtung sind, bleibt das US-Militär zu klein, um zwei Kriege gleichzeitig zu führen, sagte der pensionierte Marineleutnant Oberst Dakota Wood von der Heritage Foundation in Washington", heißt es beim Business Insider zum Thema.

Das US-Militär brauche demnach mehr Rekruten, um die anhaltenden globalen Militäreinsätze, die den sogenannten Krieg gegen den Terrorismus geprägt haben, zumindest annähernd weiterführen zu können. Eine Armee von 540.000 Soldaten könne demnach "sowohl in Afghanistan, Irak und Syrien aktiv sein - eine Armee von 450.000 Soldaten nicht".

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