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Gesichtserkennung und Identitätsmanagement: US-Sicherheitssektor boomt dank Schulmassakern

Gesichtserkennung und Identitätsmanagement: US-Sicherheitssektor boomt dank Schulmassakern
Kreuze vor der Santa Fe High School erinnern an die Opfer des Amoklaufs vom 21. Mai. Beinahe wöchentlich kommt es in den USA zu Amokläufen mit Schusswaffen.
Amokläufe an Schulen sind in den USA trauriger Alltag. Für Sicherheitsfirmen ergibt sich daraus ein lukratives Geschäftsfeld. Mit neuester Technologie sollen die Mordtaten verhindert werden. Doch die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen waren bislang nicht von Erfolg gekrönt.

Zählungen des US-Senders CNN zufolge gab es in den Vereinigten Staaten seit dem Jahr 2009 mindestens 288 Amokläufe mit Schusswaffen an Schulen. Im Vergleich zu anderen G-7-Staaten sind das 57-mal so viele. Auch in anderen Staaten kam es im gleichen Zeitraum zu wesentlich weniger Vorfällen mit Schusswaffen an Bildungseinrichtungen: Beispielsweise sechs mal in Südafrika, drei mal in Afghanistan, nur jeweils einmal in Russland und der Türkei. Auch in Deutschland gab es nur einen solchen Vorfall.

Im Durchschnitt kamen die Vereinigten Staaten bis Ende Mai auf einen Amoklauf pro Woche. Zeit also, etwas zu unternehmen. Sicherheitsfirmen sind bereits sehr aktiv.

Für die einen Tragik, für die anderen Geschäft

Laut einem Bericht in Defense One kamen Ende Juni im Kapitol, dem Sitz des Kongress, Abgeordnete und Vertreter von Sicherheitsfirmen zusammen, um Maßnahmen gegen Schusswaffeneinsätze an Schulen zu besprechen. Die Sicherheitsfirmen plädierten für eine Aufrüstung des Campus, wofür sie bereits eine Reihe von Produkten bereithalten.

Zurückgebrachte Waffen in einem Waffengeschäft, Los Angeles, USA, 26. Dezember 2012.

So präsentierten Unternehmen auf der Jahreskonferenz der entsprechenden Handelsvereinigung, der Security Industry Association, die von Sicherheitsunternehmen, Lobbyisten sowie Abgeordneten beider Parteien besucht wurde, ihre neuesten Produkte - darunter Überwachungskameras mit Gesichtserkennung, automatische Türschlösser oder Schussdetektionssensoren. Mit diesen und anderen Systemen, so die Logik, könnten Amokläufe verhindert oder das Blutvergießen abgemildert werden.

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Vor den Amokläufen konzentrierte sich die Schulsicherheit auf Schüler mit Spraydosen statt mit Waffen, doch seit Columbine konnte die Industrie beeindruckenden Zuwachs verzeichnen. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten Sicherheitsausrüster und -dienstleister für Schulen laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens IHS Markit einen Umsatz von 2,7 Milliarden US-Dollar.

Mit einer Reihe neuer Technologien, neben denen Ausstattungen einiger internationaler Flughäfen veraltet erscheinen, rechnet der Sektor auch weiterhin mit starkem Wachstum: Dazu zählen beispielsweise Gesichtserkennung, Identitätsmanagement (um ehemaligen Schülern und Mitarbeitern den Zugang zu verwehren) und Metalldetektoren oder Röntgengeräten an Schuleingängen, Hochsicherheits-Klassenzimmertüren und anderen Maßnahmen.

Der Präsident des National School Safety and Security Service, Kenneth Trump (nicht verwandt mit dem Präsidenten), der die Distrikte bei der Planung der Schulsicherheit berät, sieht darin eine mögliche Ausbeutung der Situation durch die Firmen:

Es ist nicht so, dass sie Schurken sind und es ihnen egal ist und sie keine sicheren Schulen wollen - ich versuche nicht, eine solche Botschaft zu verbreiten. Aber sie sind sicherlich opportunistisch. Am Ende des Tages suchen sie nach neuen Einnahmequellen.

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Seiner Ansicht nach beherrscht damit die Sicherheitsindustrie die Debatte über mögliche Antworten auf die ungelöste Problematik der Amokläufe, während Fragen nach der geistigen Gesundheit der Schüler und nach Waffengesetzen marginalisiert werden. Zudem verweist Kenneth Trump auf die gefährliche Nähe zwischen Gesetzgebern auf verschiedenen Ebenen und Vertretern dieser Industrie. 

Nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary im Jahr 2012 sagte Connecticut dem Schulbezirk Newtown 50 Millionen US-Dollar für die Ausstattung mit hochmoderner Sicherheitstechnologie zu. Der ehemalige Schulleiter erhielt umgehend eine Vielzahl von Angeboten der Sicherheitsfirmen, wobei einige scheinbar kaum davor zurückschreckten, den Anlass zu Marketing-Zwecken zu missbrauchen.

Massenmorde trotz Hochsicherheitsausrüstung

Laut IHS Markit ist der Anteil der Schulen, die Videoüberwachungssysteme einsetzen, von 20 Prozent im Jahr 1999 auf über 70 Prozent im Jahr 2013 gestiegen. Der Anteil der Schulen, die die Eingänge zu ihren Gebäuden aktiv kontrollieren, sei von 75 Prozent auf über 90 Prozent gestiegen.

Die Marktanalysten verweisen jedoch darauf, dass bei zunehmendem Einsatz der teuren Technologien gleichzeitig die Sicherheit nachgelassen habe:

Trotz der Fortschritte bei der Sicherheit auf dem Schulgelände ist die Zahl der Massenmorde ["mas shootings"] an US-Schulen in den letzten 30 Jahren relativ konstant geblieben. Betrachtet man speziell die weiterführenden Schulen, so hat die Zahl der Massenmorde in den letzten fünf Jahren einen beispiellosen Höchststand erreicht.

Die Angst vor weiteren Schulmassakern in den Vereinigten Staaten ist groß. Rund ein Drittel der Eltern fürchten, ihr Kind könnte einem Amoklauf zum Opfer fallen - trotz der gestiegenen Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen an den Schulen.

Und sollte der boomende Sicherheitssektor seine Wirkung verfehlen, bleiben den Schülern möglicherweise Kenntnisse aus Erste-Hilfe-Kursen. Die US-Heimatschutzbehörde stellt 1,8 Millionen US-Dollar für ein "School-Age Trauma Training"-Programm bereit, in dem Schüler lernen sollen, Blutungen zu stoppen.

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