Weil sie es sich nicht leisten kann: Verletzte Frau will keinen Krankenwagen

Weil sie es sich nicht leisten kann: Verletzte Frau will keinen Krankenwagen
(Symbolbild)
Eine Frau, die in Boston zwischen einem Zug und einem Bahnsteig eingeklemmt wurde, bat die Anwesenden, keinen Krankenwagen zu rufen. Ihre Begründung dafür drückte sie mit der Frage aus: "Wissen Sie, was ein Krankenwagen kostet?"

Ein Reporterin des Boston Globe, die am Unfallort war, beschrieb den Unfall, der sich am Freitag ereignete, in einem Tweet:

Schreckliche Szene an der orangenen Linie. Das Bein einer Frau ist in der Lücke zwischen Zug und Bahnsteig eingeklemmt worden. Es war verdreht und blutig. Die Haut hat sich abgelöst. Sie leidet und weint. Genauso verärgert bettelte sie darum, dass niemand einen Krankenwagen ruft. 'Es kostet 3.000 Dollar', jammerte sie. 'Das kann ich mir nicht leisten.'

In einer Reihe nachfolgender Tweets erklärte die Reporterin am Dienstag, dass die Frau schließlich aus der schmalen Lücke befreit worden sei und keine Knochenbrüche erlitten habe. Auf der Plattform sitzend, weinte sie Berichten zufolge und machte sich Sorgen, welche finanziellen Auswirkungen der Unfall auf sie haben würde.

Notfallpersonal verband die Wunde der nicht identifizierten Frau am Unfallort und schickte sie ins Krankenhaus. Obwohl sie keine gebrochenen Knochen hatte, erklärten sie ihr dennoch, dass ihre Verletzungen eine Operation erforderten.

Nach Angaben der Reporterin Maria Cramer kostete die Krankenwagenfahrt die Frau rund 1.200 Dollar, was für so gut wie jeden einen hohen Preis darstellt. Dieser beinhaltet nicht die Kosten für die tatsächliche medizinische Versorgung, Unterkunft und Verpflegung im Krankenhaus, Medikamente, Verbände oder die unzähligen anderen Kosten, die das amerikanische Gesundheitswesen zu den teuersten der Welt machen.

Cramers Tweet verbreitete sich wie ein Lauffeuer und wird als eine vernichtende Anklage gegen das amerikanische Gesundheitssystem aufgefasst.

Die Menschen in den USA geben mehr für das Gesundheitswesen aus als in anderen Ländern der "Ersten Welt". Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sind die Krankenhauskosten in den USA um 60 Prozent höher als in zwölf anderen entwickelten Ländern.

Wer im Rahmen von Obamacare versichert ist, ist nicht besser dran. Die preisgünstigsten "Bronze"-Tarife sahen im im vergangenen Jahr eine Selbstbeteiligung von über 6.000 Dollar vor. Das ist der dritte Anstieg in Folge zulasten der Bürger, die diese staatliche Versicherung in Anspruch nehmen.

Mehr zum Thema - USA: Ungleiche Staaten von Amerika: Statistik ergibt erschreckendes Bild

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen