Heimatschutz à la USA: Bolschoi-Tänzer erhalten kein Visum

Heimatschutz à la USA: Bolschoi-Tänzer erhalten kein Visum
Die international bekannte Primaballerina des Bolschoi-Theaters, Olga Smirnowa, hier in Petpas "Don Quijote" im Royal Opera House in London.
US-Einwanderungsbehörden haben zwei Tänzern des Moskauer Bolschoi-Balletts - darunter eine Primaballerina – Visa für einen Auftritt verweigert. Die Organisatoren vermuten politische Motive. Das würde die Paranoia des Kalten Krieges noch übersteigen.

Vor einigen Wochen kündigte Youth America Grand Prix (YAGP) an, dass für eine Gala namens "Stars of Today Meet the Stars of Tomorrow" (Stars von heute treffen die Stars von morgen) im Lincoln Center in New York unter anderem die Primaballerina Olga Smirnowa und den Bolschoi-Solisten Jacopo Tissi geladen waren. Nach Medienberichten, unter anderem des Online-Magazins Page Six, wurde den beiden jedoch ein Visum für die Einreise in die USA verweigert.

Youth America Grand Prix (YAGP) wurde 1999 von den zwei ehemaligen Bolschoi-Ballett-Tänzern Larissa und Gennadi Saveliev mit dem Ziel gegründet, junge Tänzerinnen und Tänzer bis 19 Jahre ungeachtet ihres jeweiligen wirtschaftlichen, ethnischen und geographischen Hintergrundes zu unterstützen, unter anderem mit einem weltweiten Netzwerk aus renommierten Tänzern, Schulen und Tanzkompanien.

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Politische Spannungen zwischen den Supermächten als Motiv?

Die Organisatoren der Gala vermuten, dass die Entscheidung des zuständigen Innen- bzw. Heimatschutzministeriums (Department of Homeland Security) durch die "Spannungen zwischen den Supermächten motiviert sein könnte". Jedoch gehen sie davon aus, dass dies aufgrund der Verehrung der Primaballerina in Russland eine Gegenreaktion nach sich ziehen könnte.

"Ich verstehe es nicht", sagte Linda K. Morse, Vorsitzende des YAGP, der die Gala ausrichtet. "Eine Interpretation ist, dass es politisch ist. Das ist meine spontane Einschätzung, aber mir ist nicht klar, warum - abgesehen davon, dass sie Russen sind. Aber es ergibt keinen Sinn." Kimin Kim vom Mariinski-Ballett erhielt ein Visum und durfte wie geplant auftreten.

Ein Sprecher der Einwanderungsbehörde teilte mit, es habe keine politisch motivierten Änderungen bei der Beurteilung von Anträgen gegeben, welche mit dem Herkunftsland eines Antragstellers zusammenhängen.

Der angebliche Einwand der Behörde hatte damit zu tun, dass die Organisatoren ein Visum für Gruppen von Künstlern beantragt haben. Da aber geplant war, dass Smirnowa und Tissi bei der Gala als Einzelpersonen auftreten und nicht zusammen mit dem Rest des Bolschoi, sei nicht das richtige Visum beantragt worden. Zudem hatte der YAGP in der Vergangenheit dasselbe individuelle Visum für Tänzer - einschließlich Smirnowa – beantragt.

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Morse sagte, sie glaube "definitiv", dass diese Entscheidung politische Ressentiments in Russland hervorrufen könnte. "Olga gilt derzeit als die Nummer eins unter den Ballerinas der Welt", sagte Morse, "und ihr das Visum zu verweigern, ist bemerkenswert. Es ist alarmierend."

Morse fügte hinzu: "Es ist beunruhigend, wenn man mal die Geschichte des Balletts durchdenkt. Selbst im schlimmsten Fall des Kalten Krieges kamen die Mitglieder des Bolschoi und des Kirow (wie das heutige St. Petersburger Mariinski-Ballett zu der Zeit hieß)."

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