Bannon wirft hin: Trump gewinnt Machtkampf bei Breitbart

Bannon wirft hin: Trump gewinnt Machtkampf bei Breitbart
Nach mehr als fünf Jahren tritt der ehemalige Berater des US-Präsidenten Donald Trump, Steve Bannon, auch als Chef des Nachrichtenportals Breitbart News zurück. Damit hat Trump seine Führungsposition im populistischen Lager der USA gefestigt.

Am Dienstag ging im Bereich der US-amerikanischen Alternativmedien-Szene eine Ära zu Ende: Das rechtskonservative Nachrichtenportal Breitbart News hat an diesem Tag gemeldet, dass sein seit 2012 amtierender Chefredakteur Steve Bannon von seinem Amt zurückgetreten ist. Bannon war parallel zu seiner publizistischen Tätigkeit über mehrere Monate hinweg auch als Berater des US-Präsidenten Donald Trump im Einsatz.

Bannon selbst hat seinen Schritt nicht näher begründet, sondern lediglich die Errungenschaften des Portals gewürdigt, das der berühmte Pionier der konservativen US-Alternativmedienlandschaft Andrew Breitbart 2005 ins Leben gerufen hatte.

In einer Erklärung äußerte Bannon:

Ich bin stolz auf das, was das Breitbart-Team beim Aufbau einer Weltklasse-Nachrichtenplattform in so kurzer Zeit erreicht hat.

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Auch der CEO von Breitbart, Larry Solow, fand wohlwollende Worte über Bannon, der ein Jahr nach dem Tod des Gründers die mittlerweile auch in London und Jerusalem mit eigenen Redaktionen vertretene Plattform übernommen hatte:

Steve ist ein wertgeschätzter Teil unseres Erbes, und wir werden ihm immer für alles dankbar sein, was er beigesteuert hat.

Weiter sagte er:

Bannon und Breitbart werden gemeinsam an einem geschmeidigen und ordentlichen Übergang arbeiten.

In Gesprächen mit Michael Wolff den Narrativ der Demokraten gestützt

Politische Beobachter haben das Ende Bannons, der im August des Vorjahres als Berater aus dem Weißen Haus ausgeschieden war, auch bei Breitbart vorausgeahnt. Insbesondere seine Rolle im Zusammenhang mit dem jüngst erschienenen Anti-Trump-Enthüllungsbuch Fire and Fury: Inside the Trump White House hat nicht nur zum endgültigen Bruch mit dem US-Präsidenten geführt, auch für die US-amerikanischen Rechte ist Bannon zunehmend in Ungnade gefallen.

Das Buch des sonst für Society-Berichterstattung bekannten Journalisten Michael Wolff, das seit einigen Tagen auf dem Markt ist und in Auszügen auch im Guardian veröffentlicht wurde, hat den Trump-Gegnern nicht die erhofften brisanten Informationen liefern können, um den Präsidenten unwiederbringlich zu diskreditieren. Es hat jedoch ausgereicht, um das Band zwischen Trump und Bannon dauerhaft zu zerschneiden.

So soll sich Bannon dem Klatschreporter als eine Art Kronzeuge gegen den Präsidenten zur Verfügung gestellt und dabei sogar den von Trump-Gegnern im US-Establishment aufgebrachten Narrativ von der angeblichen "geheimen Verständigung" zwischen Trump und der Russischen Föderation gestützt haben.

Nutzen selbst eigene Medien, die auf Expansionskurs sind: Die Anhänger von Donald Trump informieren sich am liebsten bei Breitbart

Im Zusammenhang mit dem Treffen von Trump-Sohn Donald Jr. und mehreren Teammitgliedern mit der russischen Anwältin Natalia Veselnitskaja, die dieses unter dem Vorwand, belastendes Material gegen die Clintons zu haben, erwirkt haben soll, habe Bannon Begriffe wie "verräterisch" benutzt und geäußert, man hätte "augenblicklich das FBI anrufen sollen".

"Sloppy Steve" verliert Rückhalt auf der Rechten

Donald Trump hat sich daraufhin in einem Statement nachdrücklich von Bannon distanziert und Bannon, den er später den "Schlampigen Steve" ("Sloppy Steve") nennen sollte, vorgeworfen, dieser habe "nicht nur seinen Job, sondern auch seinen Verstand verloren". Trump machte Bannon auch für den Verlust eines seit 30 Jahren republikanischen Stimmkreises für das Repräsentantenhaus verantwortlich und erklärte, der langjährige Breitbart-Chefredakteur repräsentiere nicht Trumps Basis.

Bannon, so Trump, stelle sich nur so dar, als würde er einen Krieg gegen die Medien führen, aber

er hat seine Zeit im Weißen Haus dazu genutzt, um Falschinformationen an die Medien durchzustecken, um sich als wichtiger darzustellen als er je war. Das ist das Einzige, worin er wirklich gut ist.

Bald war absehbar, dass der Präsident die eskalierende Kontroverse zwischen ihm und Bannon für sich entscheiden würde. Die überwältigende Mehrheit sowohl der Wählerbasis als auch der heterogenen "Trump-Koalition" im vorpolitischen Raum brach mit dem selbsternannten "Leninisten".  

Der paläokonservative Talkradio-Moderator Alex Jones warf Bannon in einem wütenden Beitrag vor, lediglich von eigenem Ehrgeiz getrieben zu sein. Er prophezeite bereits am letzten Wochenende, Bannons Tage bei Breitbart würden ebenfalls gezählt sein.

Die gleiche Meinung über Bannon vertrat auch Jim Geraghty vom Trump-kritischen, neokonservativen National Review. Dieser berichtet, der ehemalige Breitbart-Chef sei Kongressmitgliedern gegenüber im so genannten Freedom Caucus in einer Weise aufgetreten, als könne er diesen ihr Abstimmungsverhalten diktieren – mit gegenteiligem Ergebnis.

"Wähler haben Trump gewählt, nicht Bannon"

Zudem machte er Bannon und dessen Verbündeten Stephen Miller unter anderem für die Startschwierigkeiten der Regierung Trump im Zusammenhang mit dem Einreiseverbot aus terrorbelasteten islamischen Ländern verantwortlich. Diese hätten die erste Fassung des so genannten Muslim Bans entworfen, ohne mit der Homeland Security oder anderen Behördenleitern Rücksprache zu halten.

Wäre Bannon gewillt gewesen, mit anderen gemeinsam an der Anordnung zu arbeiten, wäre diese vor verfassungsrechtlichen Anfechtungen sicher gewesen.

Nicht nur die New York Timesgeht davon aus, dass am Ende die frühere Sponsorin Bannons, Rebekah Mercer, Tochter des Hedgefonds-Magnaten Robert Mercer und Anteilseignerin bei Breitbart, die Reißleine gezogen und die finanzielle Unterstützung eingestellt habe. Auch der Casino-Tycoon aus Las Vegas und Förderer konservativer Kampagnen, Sheldon Adelson, hatte mit Blick auf die Midterm-Wahlen im November des Jahres erklärt, er sei nicht bereit, eine Bannon-Agenda zu unterstützen.

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Die populistische Bewegung in und um die Republikanische Partei sieht weiterhin in Donald Trump ihren Hoffnungsträger. Steve Bannon gilt ihnen als ein Akteur, der im Wahlkampf Nützliches zum Erfolg gegen die Vorwahlrivalen und die Gegenkandidatin Hillary Clinton beigetragen hat. Aber Trump zu ersetzen, das trauen Bannon die wenigsten zu. Die Bürger, so die überwiegende Überzeugung, haben Trump gewählt und nicht dessen Berater.

Politisch dürfte Steve Bannon bis auf Weiteres keine nennenswerten Optionen mehr haben. Er könnte im Vorfeld einzelner Kongresswahlkämpfe Kandidaten in der Hoffnung unterstützen, diese setzten sich gegen die offiziellen Parteifavoriten durch. Die Chancen auf Erfolg sind jedoch begrenzt, zumal selbst die radikale Rechte rund um "Alt-Right"-Akteure wie Richard Spencer es bevorzugt, weiter als Trittbrettfahrer im Umfeld der breiten Anti-Establishment-Bewegung präsent zu bleiben, die sich um Donald Trump schart.

Einen neuen Auftraggeber scheint Bannon jedoch gefunden zu haben. Er soll ab sofort mit dem exil-chinesischen Milliardär Guo Wengui, auch bekannt als Miles Kwok, zusammenarbeiten, der sich in den USA um politisches Asyl bewirbt.

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