Steve Bannon - Die Geburt eines neuen Helden der "Liberalen"

Steve Bannon - Die Geburt eines neuen Helden der "Liberalen"
Steve Bannon, Alabama, USA, 11.Dezember 2017.
Ausgerechnet der Ex-Chefstratege und Wahlkampfleiter Donald Trumps, Steve Bannon, avancierte über Nacht zum Helden liberaler US-Medien. Bannon ist Teil eines neuen Buches über das "Trump-Chaos" im Weißen Haus und legt endlich auch eine Fährte nach Russland.

Das Buch, welches am 9. Januar in den Verkauf gehen soll, trägt den Titel "Fire and Fury: Inside the Trump White House" (Feuer und Zorn: Im Inneren von Trumps Weißem Haus). Der Guardian durfte bereits ein Exemplar davon in Empfang nehmen. Im Buch enthalten sind auch Anschuldigungen bezüglich geheimer Absprachen mit Russland - alles in allem also ein Inhalt mit Bestseller-Garantie. Der Autor des Buchs ist Journalist Michael Wolff. 

Wenn man dem Buchinhalt Glauben schenken möchte, so wollte Trump die Präsidentenwahlen nie wirklich gewinnen. Immerhin heißt es darin: 

Sobald er verloren hätte, wäre Trump immens bekannt geworden und ein Märtyrer im Vergleich zur falschen Hillary. Seine Tochter Ivanka und sein Schwiegersohn Jared wären internationale Stars. Steve Bannon würde zum faktischen Anführer einer Tea-Party-Bewegung. Kellyanne Conway wäre ein Star des Kabelfernsehens. Melania Trump, der von ihrem Mann versichert worden war, dass er nicht Präsident werden würde, hätte nach einer Wahlniederlage wieder unerkannt in der Öffentlichkeit dinieren können. Verlieren hätte für jeden funktioniert. Verlieren bedeutete Gewinnen. 

Paul Manafort in Washington, USA, 30. Oktober 2017.

McDonald's als Vergiftungsprophylaxe

Seinem eigenen Team traute Trump nichts zu, so der Enthüllungsroman. Melania habe geweint, als deutlich wurde, dass Trump als Sieger aus den Wahlen hervorgehen würde. Die Feierlichkeiten zum Amtsantritt sollen ihm missfallen haben. Er war sauer, dass viele Stars der Veranstaltung fern blieben. Tochter Ivanka mache sich immer wieder über Trumps äußeres Erscheinungsbild lustig und insbesondere über die Art, wie er kahle Stellen durch Herüberkämmen der Haare verberge. 

Das Weiße Haus empfand Trump von Beginn an als "unheimlich". Er ließ zum Ärger des Sicherheitsdiensts zusätzliche Schlösser an seinen Räumlichkeiten anbringen, während dieser uneingeschränkten Zutritt forderte. Eine von Trumps Sorgen ist es, vergiftet zu werden, deshalb äße er oft bei McDonalds: 

Trump isst bei McDonalds, weil er denkt, das Essen ist sicher. Seit langer Zeit hat er Angst, vergiftet zu werden, ein Grund, weshalb er gerne bei McDonalds isst - niemand weiß, dass er dort auftaucht und das Essen wird zuvor auf sichere Art zubereitet. 

Jared Kushner und Ivanka Trump seien trotz Ratschlägen aus ihrem Umfeld, dies nicht zu tun, ins Weiße Haus gezogen. Zwischen ihnen gäbe es eine Abmachung, dass, sollte sich in Zukunft die Möglichkeit ergeben, Ivanka die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden solle. 

Mutmaßlich noch immer ziemlich beste Freunde. US-Präsident Donald Trump (L) und Breitbart-Chef Steve Bannon

Spuren ins feindliche Russland

Autor Wolff beschäftigt sich auch mit dem im Juli 2016 abgehaltenen Treffen zwischen Donald Trump jr. und einer russischen Anwältin im Trump Tower, das noch zu Zeiten des Wahlkampfs stattfand. Ziel sei es gewesen, an diskreditierende Informationen über Hillary Clinton zu gelangen. Mit von der Partei bei diesem Treffen sollen auch Jared Kushner und Paul Manafort gewesen sein. Über das Treffen soll Bannon gesagt haben, dieses sei "verräterisch, unpatriotisch und Sch***dreck" gewesen. Bannon hierzu:

Die drei ranghohen Herren hielten es für eine gute Idee, in einem Konferenzraum im 25. Stock des Trump Towers eine Vertreterin einer ausländischen Regierung zu treffen - ohne Anwälte. [...] Jemand hätte sofort das FBI rufen sollen.

Dies widerspricht indes seinen eigenen Aussagen in einem Interview vom September 2017. In der Sendung "60 Minutes" (60 Minuten) nannte er die Nachforschungen zu Russlandverbindungen noch eine "Posse" und empfand sie als "Zeitverschwendung". Bereits im Vorfeld hatte Bannon angeblich gewarnt, dass Robert Muellers Nachforschungen zu Russland in einer Sackgasse enden werden und es am Ende nur um Geldwäsche gehen würde. 

In den sozialen Medien schlagen die Aussagen Bannons aus dem noch nicht veröffentlichten Buch bereits hohe Wellen und viele hoffen darauf, beweisen zu können, dass Trump in betrügerischer Absprache mit Russland handelte. 

Anwälte im Dauereinsatz

Für Trump hat Bannon hingegen den Verstand verloren. Am Mittwoch kam es zum öffentlichen Bruch zwischen Trump und Bannon. Der US-Präsident drohte Bannon mit einer Unterlassungsklage. Am Donnerstagmorgen sprach Bannon im Breitbart Radio und nannte Trump einen "großartigen Mann". Trumps Aussage kommentierte er nicht. Wolff gab an, über den Zeitraum von 18 Monaten hinweg über 200 Interviews geführt zu haben, die dem Buch zugrunde liegen.