Nach angeblichem Schallangriff auf US-Botschaftsmitarbeiter: Auffälligkeiten im Gehirn festgestellt

Nach angeblichem Schallangriff auf US-Botschaftsmitarbeiter: Auffälligkeiten im Gehirn festgestellt
US-Botschaft auf Kuba, 19. September 2017.
Im Vorjahr erlitten 24 amerikanische Botschaftsmitarbeiter und Angehörige der Vertretung in Havanna Hörschäden. Erste Vermutungen gingen von einem Schallangriff aus. Jetzt wurden Auffälligkeiten an Bahnen des Gehirnmarks der betroffenen Personen festgestellt.

Die Regierung Kubas dementierte, in einen möglichen Schallangriff involviert gewesen zu sein. Der behauptete Angriff hatte zu Spekulationen in der Presse geführt. Die Rede war von einer akustischen Superwaffe, die womöglich zum Einsatz gekommen sei. Die Betroffenen klagten im Vorjahr über Störungen des Gleichgewichts und Kopfschmerzen. Bei einigen Personen stellten Mediziner auch bleibende Hörschäden fest. Ein Teil der Betroffenen hatte berichtet, einen lauten Ton vernommen zu haben, bevor die Symptome sich einstellten. 

Patienten im Warteraum eines Krankenhauses in Havanna, Kuba, 19. Oktober 2012

Die weiße Hirnmasse, das Gegenstück zu den grauen Zellen, besteht aus Millionen von Verbindungskabeln. Sie macht fast die Hälfte des Gehirns aus. Ähnlich einem Telefonnetz sind die Kabel gebündelt oder in Strängen zusammengefasst. Im Gehirn werden sie von der grauen Substanz umgeben. 

Aufgrund der nun entdeckten Hirnschäden gehen Wissenschaftler jedoch nun von der Vermutung ab, es habe sich um eine akustische Wunderwaffe gehandelt, die gegen das Botschaftspersonal eingesetzt wurde. Elisa Konofagou, biomedizinische Wissenschaftlerin an der Columbia University, meint: 

Ich wäre sehr überrascht, denn wir sehen [nach Schallangriffen] nie Probleme der weißen Hirnmasse. 

Die Steppengrille als Übeltäterin?

Wer hinter einem möglichen Angriff stehen könnte, bleibt ungeklärt. Das FBI, Ärzte und Wissenschaftler sind weiterhin damit befasst, die Quelle der Erkrankungen zu finden. Kuba hält die Behauptungen eines Angriffs für eine "vorsätzliche Lüge". Die betroffenen Botschaftsmitarbeiter sind mittlerweile wieder im Einsatz und haben sich erholt. Kuba hat seine eigenen Nachforschungen betrieben und Experten dafür eingesetzt. Diese kamen zu dem Schluss, dass die amerikanischen Anschuldigungen wissenschaftlich unhaltbar sind. Sie fordern nun die Regierung Washingtons auf, sie die Details der Ergebnisse einsehen zu lassen.  

Die Kubaner haben ihrerseits zwei mögliche Erklärungen für die Erkrankungen. Die Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung standen demnach entweder unter Dauerstress und es folgte eine kollektive Psychose, oder das Zirpen der kubanischen Steppengrillen sei für die Schäden verantwortlich. Die Steppengrille schafft dabei 74,6 Dezibel. Hörschäden entstehen aber erst ab 130 Dezibel.