US-Marine versenkt 500 Millionen US-Dollar: Der Untergang einer vermeintlichen Super-Waffe

US-Marine versenkt 500 Millionen US-Dollar: Der Untergang einer vermeintlichen Super-Waffe
Die US Navy nimmt Abstand von ihrem so genannten Railgun-Projekt. Die elektromagnetisch betriebene "Schienenkanone" brach alle Rekorde bei der Beschleunigung von Geschossen. Doch der Einsatz der Zukunftswaffe stellt die Marine vor unüberwindbare Hürden.

Vergangene Woche gab der Forschungsdienst des US-Kongresses einen Bericht heraus, laut dem das Pentagon die Entwicklung der so genannten Elektromagnetischen Railgun (EMRG) einstellt. Diese auf Schienen betriebene Kanone nutzt elektrische Ströme, um ein Projektil auf bis zu 9.000 Stundenkilometer zu beschleunigen – mehr als die siebenfache Schallgeschwindigkeit. Der Pferdefuß an der revolutionären Entwicklung: Die Geschosse der Railgun sollten weiter in traditionell mit Schießpulver betriebenen Artilleriesystemen zum Einsatz kommen.

US-Laserkanone. (Archivbild)

In Zusammenarbeit mit den Rüstungsunternehmen General Atomics und BAE Systems hat die Navy seit dem Jahr 2005 an dem Projekt gearbeitet. Die Tests der futuristischen Waffe haben laut Schätzungen von Popular Mechanics 500 Millionen US-Dollar verschlungen. Das Navy-Forschungsbüro (ONR), das sich der Entwicklung neuer Technologien für die Marine widmet, hat im Jahr 2010 mit einem EMRG-Prototypen den Weltrekord für Mündungsenergie gebrochen. Die Forscher feuerten ein über zehn Kilogramm schweres Geschoss mit einer Energie von 32 Megajoule ab. Das reichte aus, um das Projektil fast 200 Kilometer weit zu treiben.

Railgun sollte die Flugabwehr revolutionieren

Im Juli veröffentlichte die Marine ein Video, das zeigt, dass die Railgun in der Lage war, pro Minute 4,8 Granaten abzufeuern. Im Jahr 2013 hatte die Marineführung das ONR angewiesen, eine Railgun zu entwickeln, die minütlich zehn Granaten abschießen kann und über eine Vorratskapazität von 650 Geschossen verfügt. Die Railguns sollten dort zum Einsatz kommen, wo eine hohe Reichweite und Feuerrate von Bedeutung sind, wie im Fall der Flugabwehr. Im Jahr 2015 schätzte die Marine, dass EMRG-Waffen auf einem Zerstörer der Zumwalt-Klasse bis spätestens Mitte der 2020er Jahre zum Einsatz kommen könnten.

Der Bericht stellt jedoch fest, dass mit der Waffe auch "eine Reihe bedeutender Entwicklungsherausforderungen" verbunden sind, die "Jahre zusätzlicher Entwicklungsarbeit erfordern". In dem Dokument heißt es zudem, dass "der endgültige Erfolg bei der Überwindung dieser Herausforderungen nicht garantiert ist". Abgesehen von den hohen Kosten benötigen die elektromagnetischen Felder, die für den Betrieb der Waffe notwendig sind, eine beträchtliche Menge an Energie – viel mehr, als die meisten Marineschiffe derzeit erzeugen können.

Das Verteidigungsministerium zeigt daher ein "besonderes Interesse" an einem Programm zur Entwicklung von Hochgeschwindigkeitsgeschossen (Hypervelocity-Projectile, HVP), so der Bericht. Die US Navy begann, ein HVP-Programm zu betreiben, nachdem sie erkannt hatte, dass die für die EMRG entwickelten kostengünstigen und lenkbaren Geschosse auch aus ihren vorhandenen Schießpulver-Kanonen abgefeuert werden können.

Kriegsschiffe der indischen Marine vor der Küste Mumbais im Jahr 2015.

Alternatives HVP-Projekt der Navy lief EMRG den Rang ab

Die Geschosse sind demnach kompatibel mit den derzeit auf Kreuzern installierten Geschützen, was der Marine die "Möglichkeit der schnellen Verbreitung von Hochgeschwindigkeitsgeschossen auf Kreuzern und Zerstörern" biete. Wenn sie aus 5-Zoll-Kanonen abgefeuert werden, können HVP-Geschosse eine Geschwindigkeit von Mach 3 erreichen. Das entspricht zwar nur der halben Geschwindigkeit des elektromagnetisch betriebenen Railgun, ist aber immer noch doppelt so schnell wie jene konventionellen Geschosse, die aus 5-Zoll-Geschützen abgefeuert werden. Die lenkfähigen Geschosse können auch zum Abfangen von Anti-Schiffs-Raketen eingesetzt werden.

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Ihre Einschlagkraft entspricht einem "Zug, der mit 160 Stundenkilometern auf eine Wand trifft", zitiert der Bericht aus der Washington Post.

Die Hochgeschwindigkeits-Geschosse, die nur 25.000 US-Dollar kosten, können die Fähigkeiten zum Schutz der Flotte radikal verbessern: Als Sperrfeuer können sie den teureren Schiffsabwehrraketen eines Feindes entgegenwirken.

Kurzfristig kosteneffektive Raketenabwehrlösungen

Das dem Pentagon unterstellte und mit der Entwicklung neuer Technologien betraute Strategic Capabilities Office (SCO) hat Berichten zufolge bereits Mittel aus dem EMRG-Projekt in das HVP-Programm umgeleitet. Mit dieser Maßnahme werde die Railgun bis zum Jahr 2019 praktisch beerdigt sein, so ein für das Pentagon arbeitendes Unternehmen gegenüber Task & Purpose.

SCO-Sprecher Chris Sherwood sagte, seine Abteilung habe das EMRG-Programm nicht aufgegeben, sondern konzentriere sich auf die "Entwicklung des HVP für den Einsatz in bestehenden Schießpulver-Kanonensystemen, um der Marine und der Armee kurzfristig kosteneffektive Raketenabwehrlösungen zu bieten sowie eine weitreichende Feuerkraft zu gewährleisten". Gegenüber Task & Purpose sagte Sherwood: 

Das SCO verlagerte den Fokus des Projekts auf konventionelle Kanonen und ermöglichte so einen schnelleren Einsatz der HVP-Technologie in den Streitkräften.

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