Indien: Dicke Luft durch schmutzige Kraftstoffimporte aus den USA

Indien: Dicke Luft durch schmutzige Kraftstoffimporte aus den USA
Stau und Smog in Neu Delhi, Indien, 8. November 2017.
Indien leidet unter Smog. Schmutziger Kraftstoff aus den USA, der sich dort nicht verkaufen lässt, wird zu Spottpreisen nach Indien geliefert und trägt so zu Umwelt- und Gesundheitsproblemen bei. Jährlich sterben in Indien über eine Millionen Menschen infolge der Luftverschmutzung.

Petrolkoks, ein Bodensatz in der Raffination unverarbeitetem Teersands und anderer Schweröle, ist günstiger und brennt heißer als Kohle. Doch durch die Umwelt- und Gesundheitsschädlichkeit kommt der Petrolkoks in amerikanischen Firmen kaum zum Einsatz. Traditionell wurde Petrolkoks in den USA zur Herstellung von Aluminium und Stahl genutzt. Aber mit der Schließung von Fabriken sank der Bedarf. Auch enthält dieser zu viel Kohlenstoff und Schwefel.

Im vergangenen Jahr exportierten die USA ein Viertel dieses schmutzigen Kraftstoffs nach Indien, in Zahlen: acht Millionen metrische Tonnen. In 30 Länder exportieren die USA den schädlichen Kraftstoff. Für die Amerikaner ist es ein Abfallprodukt, welches sie loswerden müssen. Sie vertreiben den Kraftstoff zum Billigpreis. Besonders Entwicklungsländer sind günstige Abnehmer. Die größten Exportfirmen sind Oxbow Energy Solutions und Koch Carbon. 

Ein illegaler Recycling-Betrieb in Nanchang, China

Gesundheitsexperten sprechen vom Export eines Umweltproblems. Weltweit sind die USA die größten Exporteure von Petrolkoks. Sunita Narain, Mitglied der Behörde für Umweltverschmutzung und Leiterin des Delhi-Zentrums für Forschung und Umwelt: 

Wir sollten nicht zum Abfalleimer des Rests der Welt werden. Wir können uns dies nicht leisten. Schon jetzt ersticken wir."

Luftverschmutzung in Indien: 

Über 1,1 Millionen Inder sterben jedes Jahr frühzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung. Dr. Sai Kiran Chaudhuri, Leiterin der Lungenabteilung des Delhi Herz- und Lungeninstituts: 

Fünfzig Prozent der Kinder in Delhi weisen Abnormitäten in ihrer Lungenfunktion auf - Asthma, Bronchitis und wiederkehrende krampfhafte Hustenanfälle."

Die Ursache liegt in dem Ausstoß der Fabriken. Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid bilden mikroskopisch kleine Partikel, die in Lunge und Blutkreislauf gelangen. Herz- und Lungenprobleme sind die Folgen. 

Im Oktober und November war die Luftverschmutzung in der Millionenstadt Neu Delhi so hoch, dass die Messgeräte keine Messung mehr leisten konnten. Indische Zeitungen schrieben von einer "Airpovalypse". In welchem Umfang die US-Exporte zur Umweltverschmutzung in Indien beitragen, ist nicht bekannt. Die Nachrichtenagentur AP versuchte nachzuforschen, fand aber bei den Fabriken keine offenen Türen. Auch die US-Firmen, die nach Indien exportieren, waren nicht zu einem Kommentar bereit. Wie viele Fabriken auf schmutzige Kraftstoffe zurückgreifen, ist nicht bekannt. Das höchste Gericht Indiens hat den Einsatz des Petrolkoks in drei Staaten ab dem 1. November verboten und strengere Standards zur Luftverschmutzung eingeführt. 

Mehr zum Thema:  Behörden wollten Hubschrauber gegen Smog in Delhi einsetzen – doch Smog hindert sie am Fliegen