Nach Trump-Tweet: Ehemalige CIA-Chefs gerieren sich als Hüter der Pressefreiheit

Nach Trump-Tweet: Ehemalige CIA-Chefs gerieren sich als Hüter der Pressefreiheit
Der US-Präsident befindet sich schon seit langem auf Kriegsfuß mit der CNN. Mit einem gegen den Sender gerichteten Tweet löste Donald Trump am Wochenende heftige Reaktionen aus.
Ehemalige CIA- und FBI-Chefs sehen die Pressefreiheit in den USA in Gefahr. Aber nicht etwa, weil sich die Mitarbeiter von RT America nun als "ausländische Agenten" registrieren lassen müssen. Anlass ist vielmehr ein Tweet von Präsident Trump, der doch nur Altbekanntes enthielt.

Der ehemalige CIA-Chef Michael Hayden hat in einem am Sonntag veröffentlichten Tweet ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die weitere Einschränkung der Pressefreiheit in den USA gehalten. Darin heißt es:

Wenn es das ist, was aus uns geworden ist oder was aus uns wird, dann habe ich 40 Jahre meines Lebens vergeudet. Bisher war es mir unmöglich, mir einen amerikanischen Präsidenten vorzustellen, der in der Lage ist, einen solch unverschämten Angriff auf die Wahrheit, auf eine freie Presse oder den ersten Verfassungszusatz zu führen."

Anlass für Haydens Empörung war nicht etwa die präzedenzlose Entscheidung der US-Regierung, die Journalisten von RT America zu zwingen, sich als „ausländische Agenten“ registrieren zu müssen, sondern ein für Donald Trumps Verhältnisse doch eher harmlos erscheinender Tweet. Der US-Präsident hatte am Vortag getwittert:

FoxNews ist innerhalb der Vereinigten Staaten viel wichtiger als CNN, aber im Ausland ist CNN nach wie vor eine Hauptquelle für (Fake) News, und sie repräsentieren unsere Nation in der Welt sehr schlecht. Das Ausland erfährt von ihnen nicht die Wahrheit."

Alter Wein in neuen Schläuchen

Trump hatte bereits zuvor bei verschiedenen Gelegenheiten keinen Hehl aus seiner Vorliebe für den konservativen Sender FoxNews gemacht. Auch seine Abneigung gegenüber CNN hatte er wiederholt artikuliert und dem Sender vorgeworfen, Fake News zu verbreiten. Da CNN im Präsidentschaftswahlkampf Trumps demokratische Rivalin Hillary Clinton favorisiert hatte, bezeichnete der ehemalige Immobilienhändler den Sender auch als „Clintons News Network“.

Umso überraschender, dass der Präsident nun solch heftige Reaktionen auslöste. Neben Hayden hatte mit John McLaughlin ein weiterer ehemaliger CIA-Chef die Worte des Präsidenten verurteilt. Er bezeichnete es als „furchterregend, wenn das unsere neue Normalität ist“. Auch der im Mai dieses Jahres von Trump abgesetzte FBI-Chef James Comey schaltete sich in die Debatte mit einem Zitat von Thomas Jefferson ein, einer der Gründungsväter der Vereinigten Staaten:

Unsere Freiheit hängt von der Pressefreiheit ab, und diese kann nicht eingeschränkt werden, ohne verloren zu gehen."

Es gleicht einem Treppenwitz der Geschichte, wenn sich (ehemalige) CIA-Chefs zu den Hütern der Pressefreiheit aufspielen. Schließlich hat der US-Auslandsgeheimdienst eine lange Historie der Unterdrückung unliebsamer Medienberichte, wie vor Monaten freigegebene Dokumente erneut belegten

Mehr zum Thema: RT America: Stillschweigende Zustimmung im Westen zum Angriff auf Pressefreiheit [Video]