Freigegebene CIA-Akten: USA schützten 1976 Attentäter auf kubanisches Flugzeug mit 73 Toten

Freigegebene CIA-Akten: USA schützten 1976 Attentäter auf kubanisches Flugzeug mit 73 Toten
Symbolbild
Die freigegebenen Dokumente im Zusammenhang mit der Ermordung von Präsident John F. Kennedy enthalten auch brisante Informationen über CIA-Aktivitäten gegen Kuba. Darunter befinden sich Belege einer engen CIA-Verbindungen zum tödlichsten Flugzeug-Attentat auf dem amerikanischen Kontinent.

Am 7. Oktober 1976 hob das vierstrahlige Düsenpassagierflugzeug vom Typ Douglas DC-8 der staatlichen kubanischen Luftfahrtgesellschaft Cubana de Aviación S.A  vom internationalen Flughafen Seawell in Barbados ab. Fünf Minuten nach dem Start explodierten zwei an Bord detonierte Zeitbomben und die Maschine stürzte brennend ins Meer. Alle 73 Passagiere und Besatzungsmitglieder starben bei dem Attentat.

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Bei den Passagieren handelte es sich um 57 Kubaner, elf Guyaner und fünf Nordkoreaner, darunter 24 Mitglieder der kubanischen Jugend-Fechtnationalmannschaft, die gerade in Caracas die Goldmedaille bei den Spielen Mittelamerikas und der Karibik gewonnen hatten sowie Jugendliche aus ärmlichen Verhältnissen in Guayana, die mit einem Stipendium Medizin auf Kuba studieren wollten.

Angehörige von Opfern des Flugzeug-Attentats 1976 während einer Trauer-Zeremonie im Oktober 2005 auf dem Kolumbus-Friedhof in Havanna.

Aus dem nun deklassifiziertem CIA-Material geht hervor, dass es für die US-Behörden als erwiesen galt, dass der Exilkubaner und ehemalige CIA-Mitarbeiter Luis Posada Carriles den Anschlag auf das kubanische Flugzeug geplant hatte.

Der verstorbene kubanische Staatschef Fidel Castro

Die Unterlagen belegen zudem, dass Carriles von den USA dafür bezahlt worden war, die Castro-Regierung zu stürzen. In einem weiteren Dokument wird von einem CIA-Mitarbeiter 1977 festgehalten, dass Exilkubaner unter Leitung von Carriles "terroristische Anschläge auf Kuba planten". Unter anderem sollten Sprengsätze an Bord kubanischer Flugzeuge, vor kubanischen Botschaften sowie auf Schiffe entzündet werden sowie der damalige kubanische Vizepräsidenten Carlos Rafael Rodríguez bei einer anstehenden Portugal-Reise ermordet werden. Zwar trennte sich die CIA 1974 wegen Vorwürfen des Kokain-Schmuggels offiziell von Posada Carriles, doch agierte er nach 1974 weiterhin als CIA-Informant.

Zwar wurden Posada Carriles und seine Komplizen in Venezuela im Anschluss an das Attentat festgenommen und wegen des Terroranschlags vor Gericht gestellt. Doch gelang es ihm mit Hilfe des CIA-Agenten Felix Rodríguez, der dessen Wärter mit 25.000 US-Dollar bestach, vor der Hauptverhandlung aus dem Gefängnis zu flüchten und sich in die USA abzusetzen.

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Strafrechtliche Konsequenzen wegen des Attentats mit 73 Todesopfern musste Posada Carriles in den USA nicht fürchten. Bis zum heutigen Tag lebt er unbehelligt in einem Heim für US-Veteranen in Miami-Dade.

Der ehemalige CIA-Mitarbeiter und Exilkubaner Luis Posada Carriles lebt unbehelligt in den USA

Peter Kornbluh, Direktor des Cuba Documentation Project an der George Washington University fasst die Implikationen der freigegebenen CIA-Dokumente wie vom Onlineportal Amerika21 zitiert mit den Worten zusammen:

Diese CIA-Akten bieten eine detaillierte Darstellung über Posadas lange, aktive und komplizierten Beziehungen zur CIA. Dabei diente er als Soldat im verdeckten Krieg gegen Castro und als Informant über die Aktivitäten anderer prominenter Exilkubaner wie Jorge Mas Canosa und Orlando Bosch. Mit dieser Freigabe der Kennedy-Dokumente haben wir nun die volle Geschichte von Posadas geheimen Beziehungen mit der US-Regierung im Verlauf seiner gewalttätigen Karriere.

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Der 6. Oktober wurde im Jahr 2010 in Kuba zum "Tag der Opfer des Staatsterrorismus" ausgerufen. An dem Gedenktag wird seitdem die Nationalflagge Kubas im In- und Ausland auf Halbmast gesetzt. Kubas Regierung deutet das Attentat auf das Flugzeug als "Staatsterror" und beschuldigt seit 1976 US-Geheimdienste der Beteiligung an dem Terrorakt. Die nun freigegebenen Dokumente bestätigen die Einschätzung Kubas.