CIA-Dokument: USA wollten mit Fake-Angriff Vorwand für Krieg gegen Sowjetunion schaffen

CIA-Dokument: USA wollten mit Fake-Angriff Vorwand für Krieg gegen Sowjetunion schaffen
In der US-Regierung gab es in den 1960er Jahren Pläne, sowjetische Kampflugzeugen wie die MiG-17 für Angriffe unter falscher Flagge zu missbrauchen.
Freigegebenen Dokumenten zufolge erwog die US-Regierung Anfang der 1960er Jahre, mittels akquirierter sowjetischer Kampfflugzeuge einen Angriff unter falscher Flagge durchzuführen. Dies sollte einen Vorwand für einen Krieg gegen die Sowjetunion schaffen.

Vor einem Monat veröffentlichte die US-Regierung tausende Dokumente im Zusammenhang mit der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy ("JFK") im November 1963. Darunter befindet sich ein auch dreiseitiges Memo einer so genannten "Special Group-Augmented" (erweiterte Sondergruppe) der CIA. In dem Gremium saßen der damalige CIA-Direktor John McCone, der Nationale Sicherheitsberater McGeorge Bundy und der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs, Lyman Lemnitzer.

Auch der Bruder des Präsidenten, Robert Kennedy, gehörte diesem in seiner Funktion als Justizminister an. John F. Kennedy war zwar nicht selbst Mitglied der elitären Gruppe, der US-Präsident nahm aber an deren Treffen teil. Das nun freigegebene Memo beschreibt eine Sitzung vom 22. März 1962, auf der "die vom Justizminister aufgeworfene Frage über die Möglichkeit der Herstellung oder des Erwerbs sowjetischer Flugzeuge" diskutiert wurde.

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Die Bemalung eigener Kampfflugzeuge in russischen Tarnfarben seitens der US-Streitkräfte dürfte dazu dienen, realitätsnahe Manöverübungen durchzuführen. In der Netzgemeinde haben jüngst veröffentlichte Aufnahmen jedoch Argwohn hervorgerufen.

Abwerbeversuch galt als zu riskant

Darin loteten die Sitzungsteilnehmer verschiedene mögliche Wege aus, um in den Besitz einer sowjetischen Maschine zu gelangen. Angedacht wurde etwa, einem blockfreien Staat, der sowjetische Flugzeuge in seinem Arsenal hat, ein solches abzukaufen. Oder aber einen Piloten eines solchen Landes dazu zu bewegen, mitsamt Flugzeug überzulaufen. Doch die CIA befand diese Pläne als zu riskant im Sinne der Geheimhaltung. So heißt es in dem Memo:

Die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten aktiv an Versuchen beteiligt waren, Piloten vermeintlich befreundeter Länder zum Überlaufen zu bewegen, könnte aufgedeckt werden.

Deshalb wurde auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, ein sowjetisches Kampfflugzeug wie die MiG-17 im eigenen Land nachzubauen. Dafür hätte aber eine "Hochsicherheitszone" eingerichtet werden müssen, da es ansonsten "äußerst schwer wäre, die Existenz solcher Flugzeuge vor den neugierigen Blicken der amerikanischen Presse und der Öffentlichkeit zu verbergen".

Motiv: Inszenierter Kriegsgrund 

In dem Memo werden drei Gründe für das Interesse der USA an den sowjetischen Maschinen genannt. Sie könnten demnach "in einer Täuschungsoperation eingesetzt werden, die darauf abzielt, feindliche Flugzeuge in der Luft zu verwirren". Eine weitere Variante spricht von der Möglichkeit, die Fake-Maschinen für "einen Überraschungsangriff auf feindliche Einrichtungen" zu nutzen. Und zu guter Letzt wurde in Erwägung gezogen, die Flugzeuge im Rahmen einer "Provokations-Operation" einzusetzen. Dabei sollten Einrichtungen der USA oder befreundeter Nationen angegriffen werden, "um eine Rechtfertigung für eine US-Intervention" zu erhalten.

Innerhalb der US-Führung gab es zu jener Zeit auch noch weitere Pläne für Angriffe unter falscher Flagge. So wurde bereits zur Jahrtausendwende die "Operation Northwoods" bekannt, im Zuge derer Terroranschläge auf US-amerikanischem Boden inszeniert werden sollten, für die man anschließend Kuba verantwortlich machen wollte. Neue Details zu dieser Operation, die einen Vorwand zur Invasion des Inselstaats liefern hätte können, wurden ebenfalls im Rahmen der Freigabe der JFK-Dokumente bekannt.

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