Falsche Pentagon-Angaben: USA geben viermal so viel Geld für Kriege in Asien aus wie behauptet

Falsche Pentagon-Angaben: USA geben viermal so viel Geld für Kriege in Asien aus wie behauptet
US-Soldaten in Afghanistan bereiten sich auf einen Einsatz vor.
Die USA haben für Kriege in Asien deutlich mehr Geld ausgegeben als die Statistiken des Pentagon öffentlich darlegen. Eine neue Studie der US-amerikanischen Brown Universität schätzt die Kosten für Kriege in dieser Region seit 2001 auf 5,6 Billionen US-Dollar.

Das Pentagon spricht offiziell lediglich von 1,5 Billionen. Politikwissenschaftler der Brown Universität sind im Rahmen einer Studie jedoch zu der Erkenntnis gekommen, dass das US-Außenministerium wichtige Kostenfaktoren bei der Errechnung der Kriegsausgaben unberücksichtigt ließ. Das Ministerium habe nur direkte eigene Ausgaben einkalkuliert. Andere relevante Kosten wie die erforderliche medizinische Langzeitversorgung von Veteranen fanden hingegen keine Berücksichtigung.

Nach Angaben der US-Universität gaben US-amerikanische Steuerzahler nicht weniger als 5,6 Billionen US-Dollar für Kriege in Afghanistan, im Irak, in Syrien und in Pakistan aus, fasste das Nachrichtenportal Wall Street Journal zusammen.

Anti-IS-Unterstützung auf den Philippinen nicht berücksichtigt

Für ihre Berechnung hat die Autorin der Forschungsarbeit, Neta Crawford, auch wiederkehrende Ausgaben wie die medizinische Langzeitversorgung von Veteranen und Kriegskosten des Außenministeriums einkalkuliert. Relevant waren aus ihrer Sicht auch Ausgaben des Kriegsveteranenministeriums und des Ministeriums für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Stragetischer US-Langstreckenbomber B1-B

Das Pentagon klammerte aus seinen Berechnungen zudem Militäroperationen wie die Unterstützung der Philippinen im Kampf gegen den "Islamischen Staat" oder Aktivitäten in Europa und Afrika aus. Die Forschungsarbeit berücksichtigte auch Kredite, die zum Zwecke der Finanzierung von Kriegsausgaben gewährt wurden.

Kriegskosten sind größer als das, was wir jedes Jahr für die so genannte Speerspitze ausgeben. Hinter dem Speer verstecken sich alle diese Kosten, die wir einschließen müssen", sagte Autorin Neta Crawford.

Jeder Steuerzahler finanzierte bislang mit 24.000 US-Dollar die US-Kriege

Der demokratische Senator Jack Reed meint, dass die Studie zur rechten Zeit kommt. Er wies darauf hin, dass im Kongress die Debatte über den Haushalt, Steuersenkungen und Kriegsausgaben begonnen hat. Die Forschung berücksichtigt auch Kredite für den Krieg. Der Senator der Partei, die allerdings auch selbst regelmäßig alle bedeutenden US-Militäreinsätze mitgetragen hat, fügte kritisch hinzu:

Auch wenn wir den Krieg heute stoppen würden, müssten wir unseren Staatsschulden 7,9 Billionen US-Dollar hinzurechnen.

Den Berechnungen der Brown Universität zufolge hat, bricht man den Gesamtbetrag auf den einzelnen Bürger herunter, jeder US-Steuerzahler fast 24.000 US-Dollar für Kriege der U.S. Army im Ausland beigesteuert. Das Pentagon beziffert diese Zahl hingegen auf nur 7.740 US-Dollar.

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