Billionen-Grab: "Anti-Terror-Krieg" kostet USA täglich mehr als 250 Millionen US-Dollar

Billionen-Grab: "Anti-Terror-Krieg" kostet USA täglich mehr als 250 Millionen US-Dollar
Stragetischer US-Langstreckenbomber B1-B
Einem Gutachten des US-Verteidigungsministeriums zufolge gaben die US-Steuerzahler bislang 1,46 Billionen US-Dollar für den so genannten Anti-Terror-Krieg aus - nur für die Basis-Ausgaben. Dem US-Repräsentantenhaus reicht dies jedoch immer noch nicht.

Wie die Federation Of American Scientists (FAS) mit Verweis auf ein jüngst erschienenes Pentagon-Gutachten berichtete, investierten die Vereinigten Staaten vom 11. September 2011 bis zum Juni 2017 insgesamt 1,46 Billionen US-Dollar in den so genannten Krieg gegen den Terror. Dies entspricht Kriegsausgaben für den US-Steuerzahler in Höhe von 250 Millionen täglich in den vergangenen 16 Jahren.

Demnach belaufen sich allein die Kriege im Irak und in Afghanistan auf gigantische Gesamtkosten von etwa 1,3 Billionen US-Dollar. Hinzu kommen 120 Milliarden US-Dollar an Kriegskosten für die aktuellen Luftwaffen-Kampagnen im Irak und Syrien. Die im Bericht aufgeführten Kosten umfassen dabei Ausgaben für operative militärische Maßnahmen, die Versorgung von Truppen in Übersee sowie den Transport von Militärpersonal und militärischer Ausstattung. Auch wenn die genannten Zahlen das durchschnittliche Vorstellungsvermögen wohl bereits überfordern, sind das jedoch bei weitem noch nicht alle Kosten, die die Vereinigten Staaten in ihrem vermeintlichen Streben nach Freiheit und Frieden investiert hatten.

Versorgung von Kriegsveteranen und Stabilisierungsprogramme sind nicht umfasst

Denn, wie die FAS festhält, sind in den genannten Zahlen etwa die Ausgaben für Programme des US-Nachrichtendienstes CIA im Anti-Terror-Krieg nicht aufgeführt. Auch Kosten für die Versorgung von Kriegsveteranen, anfallende Gesundheitskosten für kriegsversehrte Militärs, so genannte Wiederaufbau-Maßnahmen und vermeintliche Stabilisierungs-Programme sind demnach nicht Teil der Kosten-Kalkulation. Linda Bilmes, Professorin an der Harvard Kennedy School, gab denn auch im Juni 2011 zu bedenken, dass alleine die Kosten für die Versorgung von Kriegsveteranen mit etwa 600 Milliarden bis zu einer Billion US-Dollar zu Buche schlagen würden.

Eine Aufschlüsselung der US-Kriegsausgaben (September 2011 bis Juni 2017)

Wie das Nachrichtenportal Telesur anmerkt, sind seit dem Zeitpunkt, an dem Bilmes ihre Kalkulation veröffentlicht hatte, die Veteranen-Zahlen noch einmal exorbitant angestiegen. Demnach würden aktuellen Schätzungen zufolge sogar 640 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2040 anfallen.

Steigende Zahl von Veteranen bedroht direkte Militärausgaben

Im Jahr 2015 lebten in den USA mit 18.931.395 fast 19 Millionen Veteranen. Bei der Versorgung der mental und körperlich versehrten Kriegsopfer handelt es sich um eine tickende Zeitbombe für das US-Militär-Budget. So lebten im Jahr 2015 noch 5.6 Millionen Veteranen des Vietnamkriegs, 930.000 Veteranen des Zweiten Weltkriegs, 1,8 Millionen des Koreakriegs und 5,6 Millionen Veteranen der US-Golfkriege.

2,5 Millionen USA-Soldaten leisteten Dienst in Afghanistan und im Irak. Demnach haben dabei etwa die Hälfte eine wie auch immer geartete, oft geringe Invalidität davon getragen. Die Überlebensrate von Verletzten in den jüngsten US-Kriegen hat sich dabei ebenso kontinuierlich erhöht, wie die Kosten für Entschädigungen und medizinische Versorgung. Für die Vereinigen Staaten bedeutet dies in den nächsten Jahrzehnten eine zusätzliche Explosion der Militär-Ausgaben. Im Hinblick auf die Versorgung der Veteranen werden daher noch Generationen zur Kasse gebeten werden.

Dies wiederum bedroht jedoch die direkten staatlichen Investitionen in den industriell-militärischen Komplex. Daher sind nun auch die Ausgaben für Veteranen in Gefahr. Doch deren Situation ist bereits oftmals prekär. Der Juraprofessor Gary Blasi von der University of California in Los Angeles spricht von einem Skandal:

Wir können Veteranen gar nicht so schnell mit Wohnraum versorgen, wie neue Veteranen obdachlos werden. Das Ergebnis ist vorhersehbar, tragisch und - angesichts des Wohlstands und der Militärausgaben dieses Landes - skandalös.

Kriegsausgaben betragen bis zu fünf Billionen US-Dollar

Trotz der horrenden Summen sind die Pentagon-Berechnungen aufgrund der nicht miteinbezogenen Ausgaben eher als konservativ bis lückenhaft zu bezeichnen. Eine unabhängige Analyse des Congressional Research Service vom Dezember 2014 wartet daher auch mit noch weit höheren Ausgaben auf. Demnach investierte die US-Regierung seit Ausbruch des Kriegs gegen den Terror 1,6 Billionen US-Dollar. Dies entspräche 337 Millionen US-Dollar täglich über einen Zeitraum von 13 Jahren.

Gegen Ende des vergangenen Jahres erschien auch ein Gutachten von Dr. Neta Crawford, Professorin für Politikwissenschaft an der Brown University. Ihren Berechnungen zufolge summierten sich die kriegsbedingten Ausgaben für Verteidigung, Außenministerium, Homeland Security und Veteranen-Versorgung seit September 2011 auf nahezu fünf Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2017 - Tendenz steigend.

Geheimdienstapparat verschlingt jährlich 52,6 Milliarden US-Dollar

Keine Berücksichtigung in der Pentagon-Kalkulation findet ebenso die florierende militärische US-Dienstleistungs-Ökonomie, die seit der Ausrufung des vermeintlichen Kriegs gegen den Terror nunmehr einen Gegenwert von etwa 650 Milliarden US-Dollar aufweist.

Allein der US-Geheimdienstapparat wiederum kostet den US-Steuerzahler jährlich 52,6 Milliarden US-Dollar, wovon alleine die Central Intelligence Agency (CIA) den Löwenanteil von 14,7 Milliarden US-Dollar verschlingt. Eine Milliarde des CIA-Budgets floss dabei zuletzt jährlich alleine in das Training und die Bewaffnung der militärischen Opposition in Syrien. Die New York Times bezeichnete das syrische CIA-Programm als

eine der teuersten Bemühungen, Rebellen zu bewaffnen und zu trainieren, seit dem Programm der Agentur, die Mudschaheddin in den 1980er Jahren in Afghanistan zu bewaffnen.

Das bis dahin als Verschwörungstheorie gehandelte geheime CIA-Programm zur Ausbildung und Bewaffnung so genannter moderater Rebellen in Syrien wurde offiziell von US-Präsident Donald Trump im Juli 2017 nach vier Jahren eingestellt.

Trotz der enormen Ausgaben, die der so genannte Anti-Terror-Krieg bis dato verschlungen hat, sprach US-Präsident Donald Trump von der Notwendigkeit, dem US-Militär wieder auf die Beine zu helfen ("rebuild") und selbst dafür Sorge zu tragen, dass die US-Streitkräfte "schön finanziert" sind. Um dem Militär diesen Dienst zu erweisen, schlug die Trump-Regierung eine Erhöhung des entsprechenden Budgets von 549 auf 603 Milliarden US-Dollar vor.

Kongress überschritt Trumps Vorgaben sogar noch

Das US-Repräsentantenhaus schritt jedoch nicht etwa gegen die Pläne der Trump-Regierung ein, die alleine für sich bereits erhebliche Ausgaben-Kürzungen in gesellschaftspolitischen Bereichen nach sich gezogen hätten. Im Gegenteil: Das US-Repräsentantenhaus legte im Juli noch eine Schippe drauf und segnete ein Budget von sagenhaften 621,5 Milliarden US-Dollar für so genannte Verteidigungsausgaben ab. Hinzu kommen 75 Milliarden US-Dollar für so genannte Overseas Contigency Operations, die allgemein auch unter dem ebenso schlichten wie banalen Namen "Kriegsgelder" firmieren.

Die weltweite Ausbreitung des US-Militärs

Der US-Senat wiederum verabschiedete ein Sockel-Budget für Verteidigungsausgaben von 640 Milliarden US-Dollar und segnete 60 Milliarden US-Dollar für "Kriegsgelder" ab. Beide Versionen des vermeintlichen Verteidigungs-Budgets übersteigen die Vorschläge der Trump-Regierung bei weitem und summieren sich zum kostspieligsten US-Militär-Budget aller Zeiten. Dagegen fällt nicht nur der russische Verteidigungsetat mit umgerechnet 66 Milliarden US-Dollar geradezu lächerlich bescheiden aus.

Seitdem sich die Bedrohung durch den so genannten Islamischen Staat (IS) vor allem infolge der militärische Unterstützung Russlands und des Irans für die legitime syrische Regierung nun womöglich dem Ende nähert, müssen sowohl die exzessive Berichterstattung über die vermeintliche "russische Aggression" als auch die nach wie vor bedrohlich instabile Lage in Ländern wie Libyen, Afghanistan und dem Irak ihr Übriges tun, um die jede Fantasie übersteigend hohen Militär-Ausgaben der Vereinigten Staaten auch in Zukunft zu rechtfertigen.