Paul Manafort und Rick Gates im Verhör - Nur die Presse sieht Spuren nach Russland

Paul Manafort und Rick Gates im Verhör - Nur die Presse sieht Spuren nach Russland
Paul Manafort und Rick Gates erscheinen vor Gericht in Washington, D.C., USA, 30. Oktober 2017.
Der ehemalige Wahlkampfmanager Donald Trumps, Paul Manafort, und sein Geschäftspartner Rick Gates stehen im Visier der "Russland-Affäre". Ihnen werden Geldwäsche, Falschaussage, Steuerhinterziehung und Agieren im Sinne eines ausländischen Staates vorgeworfen.

Schon am Montag begann sich abzuzeichnen, dass sich die so genannte Russland-Affäre vielmehr in eine Ukraine-Affäre entwickeln würde. Es geht bei den in Rede stehenden Tatvorwürfen in erster Linie um finanzielle Vergehen und Geschäfte in der Ukraine. Insgesamt 12 Punkte umfasst die Anklage.

Ein Verhör am Dienstag ergab: Manafort ist im Besitz von drei amerikanischen Pässen, jeder davon hat eine andere Nummer. Allein in diesem Jahr reiste Manafort nach Mexiko, China und Ecuador. Sein Mobiltelefon und sein Emailaccount waren unter falschen Namen registriert. Teil seiner umfassenden Reisetätigkeit waren auch häufige Besuche Zyperns. Über seine Vermögensverhältnisse machte Manafort unterschiedliche Angaben. Gates wiederum wechselte häufig die Banken und eröffnete bei insgesamt 13 Finanzinstituten 55 Konten. Zwischen 2010 und 2013 lagerten als zehn Millionen Dollar auf seinen Konten in Großbritannien und Zypern. 

Paul Manafort versteckt sich hinter einem Sichtschutz beim Verlassen seines Hauses in Alexandria, Virginia, USA, 30. Oktober 2017.

Die Legende von der Einmischung in die US-Wahlen bleibt 

Nach derzeitigem Stand deutet bezüglich des Motivs hinter den Taten alles auf finanzielle Interessen von Gates und Manafort hin, die sich durch ihre Auslandsgeschäfte persönlich bereichern wollten, um sich selbst ein luxuriöses Leben zu ermöglichen. 

Die Legende von der russischen Einmischung in die US-amerikanischen Wahlen hält sich dennoch hartnäckig und so wird weiterhin nach Verbindungen zwischen Manafort, Gates und der russischen Regierung gesucht. Der amerikanischen Mainstreampresse dient die Zusammenarbeit Manaforts mit dem Oligarchen Oleg Deripaska in der Ukraine als ein Indiz für russische Interessen. Dieser könnte im Sinne des Kreml gehandelt und Manafort beeinflusst haben. Nach Bekanntgabe der drohenden Anklagen gegen früheren Weggefährten im Wahlkampf wetterte US-Präsident Donald Trump auf Twitter gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton und die Demokraten. 

Entschuldigt, aber dies ist Jahre her, bevor Paul Manafort Teil der Trump-Kampagne war. Aber warum rücken sie die betrügerische Hillary und die Demokraten nicht in den Fokus?

Sergej Lawrow äußerte sich am Dienstag auf einer Pressekonferenz der Association of European Business (AEB) in Moskau zu den Anschuldigungen einer angeblichen russischen Einmischung in die amerikanischen Präsidentschaftswahlen: 

Ohne einen einzigen Beweis werden wir beschuldigt, in die Wahlen nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in europäischen Staaten eingegriffen zu haben. Vor kurzem haben sie uns vorgeworfen, dass in Moskau Entscheidungen darüber getroffen werden, welchen Minister sie in Südafrika ernennen. Der Fantasie sind offenbar keine Grenzen gesetzt. 

Die deutsche Presse und die "Russland-Affäre"

Vor dem Bekanntwerden der Anklage gegen Manafort und Gates titelte die deutsche Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Erste Festnahmen in Russland-Affäre?" Die FAZ verabschiedete sich nach Kenntnisnahme der Details der Verdächtigungen jedoch von dem Namen "Russland-Affäre" und schrieb: "Diese Punkte haben zwar nichts direkt mit den russischen Eingriffen in die Präsidentenwahl zu tun, doch sind sie sowohl für Trump – als auch für alle, die ins Visier von Mueller geraten könnten – ein Grund, sich Sorgen zu machen."

Der russische Außenminister Sergej Lawrow beim Treffen der Association of European Businesses in Moskau.

Die Bild-Zeitung fand wiederum Gefallen an der Verbindung zwischen Janukowytsch und Manafort: "Es geht unter anderem um Manaforts Berater-Tätigkeit für den 2014 gestürzten ukrainischen Ex-Präsidenten Wiktor Janukowytsch (67) – einer Marionette von Kremlchef Wladimir Putin." Die Welt-Zeitung sieht in den Ermittlungen einen "Zusammenhang zwischen russischen Machthabern und seiner (Trumps) Kampagne".

Die Süddeutsche Zeitung meint: "Im Mittelpunkt steht der Vorwurf, die Lobbyarbeit für ausländische Interessen vor US-Behörden verschwiegen zu haben. Der untersuchte Zeitraum umfasst die Jahre zwischen 2005 und 2016. Um die zentrale Frage, ob Trump-Mitarbeiter sich illegal mit der russischen Regierung abgesprochen haben, geht es dabei nicht."

George Papadopulous, ein ehemaliger Wahlkampfberater, geriet ebenfalls ins Visier der Ermittlungen und machte sich offenbar einer Falschaussage gegenüber dem FBI schuldig. Er erklärte sich nun zur Kooperation im Rahmen der Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller bereit. In der ausländischen Presse wird Papadopoulos jetzt als Beweis für eine Nähe zu Russland eine Aussage gegenüber der russischen Nachrichtenagentur "Interfax" angelastet, welche er 2016 getätigt hatte. Damals sagte er: "Russland glaubt nicht an amerikanische Versprechungen und die Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens ist verloren gegangen. Trump wird, sobald er als Präsident gewählt worden ist, das Vertrauen wiederherstellen." 

Manafort und Gates geben beide an, in allen Punkten unschuldig zu sein. Die nächste Anhörung ist für Donnerstag geplant. Die Strafverfolgungsbehörden und das Gericht einigten sich am Montag darauf, dass Paul Manafort und Rick Gates unter Hausarrest gestellt werden.

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