US-Firma verkauft für Wissenschaft gespendete Leichenteile und verdient Millionen

US-Firma verkauft für Wissenschaft gespendete Leichenteile und verdient Millionen
Die Nachrichtenagentur Reuters hat in einer einjährigen Untersuchung die Machenschaften eines US-Unternehmens aufgedeckt, das Organe und andere Körperteile verkauft, die der Wissenschaft gespendet wurden – oft ohne das Wissen der Verwandten.

Das Unternehmen Science Care Inc. hatte im Jahre 2008 einen 55-seitigen Plan zum nationalen Ausbau seiner Geschäftstätigkeit präsentiert. Das Ziel war die Maximierung seiner Gewinne aus dem Verkauf menschlicher Organe aus Leichnamen, die zuvor der Wissenschaft gespendet worden waren. Zum Vorbild des Unternehmens hinsichtlich der Sicherstellung der Qualitätsstandards wurde - die Schnellrestaurantkette McDonald's.

Science Care hatte es sich zum Ziel gesetzt, allen Kunden die gleichen Leichenteile zu liefern, unabhängig davon, welche Art von Wissenschaft sie betreiben. Der Firmengründer James Rogers zitierte in diesem Zusammenhang die Produktionsmethoden, die einst Ray Kroc ausgearbeitet hatte, der Visionär, der einst einen einzelnen Burgerstand in ein Fastfood-Imperium verwandelte, berichtete ein enger Mitarbeiter Rogers.

Er hat sich der McDonald's-Analogie bedient: Unabhängig davon, wohin Sie hingehen, bekommen Sie genau das Gleiche", gab der Exekutivdirektor John Cover in einer eidesstattlichen Erklärung von 2009 an.

"Es ging um die Qualität", sagte Cover auch vor kurzem in einem Interview. "Wenn Sie einen Big Mac bekommen, wird er wie ein Big Mac schmecken, egal ob Sie in Louisiana oder San Francisco sind."

Akquise mit Versprechen kostenloser Einäscherung

Nur: Statt Hamburger zu verkaufen, haben Science Care und Rogers Millionen mit der Ausschlachtung von Leichen dem Verkauf menschlicher Körperteile verdient.

Laut der Website der Firma Science Care Inc. aus Arizona gilt diese zusammen mit ihren Niederlassungen als ein Bindeglied zwischen einzelnen Spendern und medizinischen Forschern sowie Pädagogen. Das Unternehmen verspricht auch eine Einäscherung ohne Kosten für die Spender oder für deren Familien.

Die Körperspende unterscheidet sich in vielfacher Hinsicht von der Organspende. Letztgenannte ist eng mit möglicherweise sogar kurzfristig erforderlichen, lebensrettenden Maßnahmen verbunden, wenn zum Beispiel ein Patient ein Herz oder eine Niere von einem kürzlich Verstorbenen erhält. Die Organspende wird in den USA streng kontrolliert und der Verkauf von Organen und anderen Körperteilen für Transplantationen ist gesetzwidrig.

Ganz anders ist es, wenn es um Spenden toter Körper geht. Eine zweckgebundene Verwendung ist hier nicht garantiert, und mit Lebensrettung hat diese auch nichts zu tun. Es wird nur Angehörigen, nicht selten ärmeren, die sich kein angemessenes Begräbnis leisten können, diese Last abgenommen und das Unternehmen kann den Leichnam selbst in weiterer Folge nach Belieben gewinnbringend verwerten.

Science Care verstößt aber nicht gegen das Gesetz, weil die US-Vorschriften es nicht verbieten, mit Leichen, die Wissenschaftlern übergeben werden, alles zu tun, was man will. Science Care darf deshalb frei Körper und deren Teile wie Torsos, Köpfe oder Gliedmaßen verkaufen oder verleasen.

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"Körperbroker" erzielt Millionengewinne

Das Unternehmen bekommt viele seiner Körper aus Hospizen und von bedürftigen Familien, die sich eine Beerdigung nicht leisten können. Durch die Körperspende sparen die Familien viel Geld. Eine Beerdigung, einschließlich der Kosten für einen Sarg, die Trauerfeier und die Bestattung, kann eine Familie durchaus 7.000 Dollar kosten, während der Preis für eine einfache Verbrennung, die immer beliebter wird, bei 1.000 Dollar liegt.

Science Care übernimmt alle Bestattungskosten, aber vor der Feuerbestattung filetieren die Mitarbeiter des Unternehmens die Leiche, um die für sie brauchbaren Teile an die Forschungszentren und medizinischen Schulen zu verkaufen. Für ein Gehirn verdient die Firma Berichten zufolge etwa 750 US-Dollar. Angehörige bekommen alle verbliebenen, nicht verkauften Teile, die ihnen dann verbrannt in einer Bestattungsurne übergeben werden.

Nach Angaben der von Reuters analysierten Quellen verdiente der "Körperbroker" alleine schon von 2012 bis 2014 auf diese Weise rund 12,5 Millionen US-Dollar.