Umfrage unter US-Soldaten: Rechtsextremismus größere Gefahr für nationale Sicherheit als Kriege

Umfrage unter US-Soldaten: Rechtsextremismus größere Gefahr für nationale Sicherheit als Kriege
Halten sich für Vertreter einer Herrenrasse: Mitglieder des Ku-Klux-Klans während einer Kundgebung in Columbia, South Carolina.
Fast jeder vierte Teilnehmer einer Befragung unter aktiven US-Soldaten gibt an, dass er persönlich Vorfälle von „weißem Nationalismus“ unter seinen Kollegen erlebt hat. Die Soldaten halten dieses Phänomen für eine größere Bedrohung der nationalen Sicherheit als die Konflikte in Syrien, Irak und Afghanistan.

Im August waren in Charlottesville im US-Bundestaat Virginia weiße Rassisten und Antifaschisten gewaltsam aneinander geraten. Ein Rechtsextremist war mit einem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten gerast und tötete dabei eine Frau. Daraufhin erklärten hochrangige Militärs, dass die Diskriminierung von Minderheiten gegen die Richtlinien der US-Armee verstoße. So gab der Generalleutnant Jay Silveria mit deutlichen Worten etwaigen Rassisten innerhalb des Militärs die Empfehlung auf den Weg, die Armee schleunigst zu verlassen.

Der amerikanische Präsident Donald Trump steigt in einen Hubschrauber auf dem Weg ins Weiße Haus, Springfield, Missouri, 30. August 2017.

Das Webportal Military Times wollte genauer wissen, welchen Widerhall der eskalierende Streit zwischen dem linken und rechten politischen Lager in den USA innerhalb der Truppen findet. Im vergangenen Monat führte es eine Umfrage auf freiwilliger Basis unter den aktiven Militärangehörigen durch, an der insgesamt 1.131 Soldaten teilnahmen.

Davon waren 86 Prozent männlich, 76 Prozent der Teilnehmer identifizierten sich als Weiße. Als Afroamerikaner bezeichneten sich 9 Prozent, als Hispanics 8 Prozent der Soldaten. Weitere 2 Prozent gaben an, asiatische Wurzeln zu haben, der Rest ordnete sich anderen Ethnien zu. Zum Vergleich: Insgesamt beträgt der Anteil nicht-weißer Militärangehöriger ungefähr 40 Prozent. Das Durchschnittsalter der Umfrage-Teilnehmer lag bei 30 Jahren. Die Fehlertoleranz der Umfrage beträgt laut Military Times 3 Prozent.

Rechtsextremismus größere Gefahr als kriegerische Konflikte

Jeder vierte Soldat gab demnach an, Vorfälle von „weißen Nationalismus“ innerhalb der Truppen persönlich erlebt zu haben. Unter den nicht-weißen Soldaten fiel der Anteil mit 42 Prozent noch deutlich höher aus. Nur 18 Prozent der Soldaten mit weißer Hautfarbe gaben hingegen an, mit weißen Extremisten in der Armee konfrontiert worden zu sein.

Die Frage, ob sie Vertreter solcher Ansichten als ernsthafte Gefahr für die nationale Sicherheit betrachten, bejahten 30 Prozent der Teilnehmer. Internationale Konfliktherde wurden dagegen nicht so häufig als signifikante Bedrohung genannt: Die Kriege in Syrien (27 Prozent), Afghanistan (22 Prozent) und im Irak (17 Prozent) halten demzufolge weniger US-Soldaten für eine ernsthafte Gefahr im Vergleich zu heimischen Rechtsextremisten.

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Knapp fünf Prozent der Befragten beschwerten sich allerdings, dass Organisationen wie „Black Lives Matter“ - die laut Zielsetzung auf die Diskriminierung von Schwarzen aufmerksam machen will – nicht als eine der Optionen der Bedrohung der nationalen Sicherheit aufgeführt wurden.

Eine schwer bewaffnete SWAT-Spezialeinheit am Rande einer Demonstration im Juni in Minnesota. Auch diese Spezialeinheiten zählen zu den Empfängern militärischen Geräts.

Die Umfrage umfasste allerdings weniger spezifische Antwortmöglichkeiten wie „Protestbewegungen in den USA“ oder „Ziviler Ungehorsam“. Die Befragten wählten jedoch deutlich häufiger die Option „Weiße Nationalisten“. Wie Military Times ohne Nennung konkreter Zahlen jedoch festhält, sträubte sich eine „beachtliche Anzahl“ der Befragten gegen die Behauptung, wonach die „White Power“-Ideologie eine ernsthafte Bedrohung darstelle.

Doch mehr als 60 Prozent der Truppe sagte, dass sie die Aktivierung der Nationalgarde befürwortet, um zivilen Unruhen zu begegnen, wie sie sich nach dem Aufmarsch weißer Rassisten in Charlottesville ereignet hatten. Dort hatte der Gouverneur von Virginia den Ausnahmezustand ausgerufen und die Nationalgarde aktiviert, um weitere Gewaltausbrüche zu verhindern.

Wie aus einer im Sommer angefertigten Studie hervorgeht, sind Rechtsextremisten in den USA für beinah doppelt so viele Attentate verantwortlich wie Islamisten. Erst kürzlich wurde ein Rechtsextremist festgenommen, der im dringenden Tatverdacht steht, Anfang Oktober auf einem Flughafen in North Carolina eine Splitterbombe platziert zu haben, die glücklicherweise nicht explodierte. Gegenüber Ermittlern soll der Tatverdächtige gesagt haben, dass er sich für einen „Krieg auf amerikanischen Boden“ vorbereite. 

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