Wo ist Jesus Campos? - Rätselraten um Verbleib des Helden von Las Vegas

Wo ist Jesus Campos? - Rätselraten um Verbleib des Helden von Las Vegas
Nach dem Attentat sperrte die Polizei das Festivalgelände ab. Im Hintergrund: Das Hotel, in dem Wachmann Jesus Campos arbeitet und aus dem der Attentäter schoss.
Er gilt als Held von Las Vegas: Der Wachmann Jesus Campos soll durch sein Eingreifen weitere Morde verhindert haben. Allerdings brachte er damit die Sicherheitsbehörden in Erklärungsnot. Kurz bevor er mit Medien sprechen wollte, verschwand Campos spurlos.

In den USA herrscht Rätselraten über den Verbleib von Jesus Campos. Der Wachmann wurde vor zwei Wochen von dem mutmaßlichen Attentäter Stephen Paddock vor dessen Hotelzimmertür angeschossen. Aus den Räumen des Hotels Mandalay Bay in Las Vegas hatte Paddock bisherigen Erkenntnissen zufolge das Feuer auf tausende Besucher eines gegenüber stattfindenden Musikfestivals eröffnet – dabei starben 58 Menschen und hunderte wurden verletzt.

Mit Botschaften auf Plakatwänden beschwört die Stadt Las Vegas nach dem Massaker ihre Standhaftigkeit. Im Hintergrund das Hotel, von dem aus der Attentäter die Konzertbesucher beschoss.

Campos gilt als Held, denn mit seinem Eingreifen soll er Paddock vom weiteren Morden abgehalten haben. Doch vor einer Woche revidierten Ermittler die zeitliche Abfolge des Tathergangs. Laut der neuen Version wurde Campos von Paddock bereits sechs Minuten vor Beginn des Massakers – und nicht während desselben – angeschossen.

Das änderte zwar nichts am Heldenstatus von Campos, brachte die Sicherheitskräfte jedoch in Erklärungsnöte. Denn laut dem revidierten Tathergang wurde der Sicherheitsdienst des Hotels bereits auf Paddock aufmerksam, bevor dieser die Menschenmenge unter Beschuss nahm. Was die Frage aufwirft, warum der 64-jährige so lange ungestört morden konnte.

Tage später revidierten die Behörden allerdings auch die neue Version. Laut der Polizei von Las Vegas gab es demnach kein sechsminütiges Zeitfenster zwischen den Schüssen auf den Hotelwächter und jenen auf die Besucher des Musikfestivals.

Die Chicago Tribune merkte dazu an, dass sich die

neuen Fragen im Zusammenhang mit dem Attentat auf die Reaktion der Strafverfolgungsbehörden und die zeitliche Abfolge konzentrieren, die mehrfach geändert wurde und von MGM Resorts International, dem Hoteleigentümer, bestritten wird.

Campos verschwindet vor geplanten Medieninterviews

Zur Klärung der Widersprüche wollte Campos selbst beitragen: Für letzten Donnerstag waren mehrere Interviewtermine mit dem Wachmann anberaumt, der sich zuvor noch nicht gegenüber Medien geäußert hatte. Das gab der Präsident der Gewerkschaft SPFPA am Freitag bekannt, der auch Campos angehört. David Hickey erklärte, er habe Campos auf seine Interviews vorbereitet: 

Die letzten vier Tage hat er sich vorbereitet. [...] Donnerstag hatten wir ein Treffen mit MGM-Mitarbeitern, und nach dem Treffen sprachen wir über die Interviews, wir gingen in einen privaten Bereich und als wir rauskamen, war Herr Campos verschwunden.

Der Gewerkschaftspräsident sagte, Campos habe selbst um die Interviews ersucht, weil er seine Geschichte erzählen wollte, um damit abzuschließen.

Im Moment bin ich nur besorgt, wo unser Mitglied ist und wie es um seinen Zustand bestellt ist. Das ist höchst ungewöhnlich. Ich hoffe, dass alles mit ihm in Ordnung ist und ich bin mir sicher, dass MGM oder die Gewerkschaft es die Medien wissen lassen wird, wenn wir etwas hören", erklärte Hickey.

Seltsame SMS und Gerüchte über Redeverbot

Der Gewerkschafter gab zudem an, er habe in der Nacht zum Freitag eine Textnachricht bekommen, laut der Campos in eine "Quick Care"-Einrichtung des University Medical Center (UMC) gebracht worden sei. Wie jedoch ein UMC-Sprecher gegenüber Fox News am Montag erklärte, sei Campos in keiner der acht UMC-Einrichtungen aufgetaucht.

Das Rätselraten um den Verbleib des Wachmanns geht somit weiter. Die unabhängige Journalistin Laura Loomer hatte in einem Tweet behauptet, Campos und seine Familie seien mit einem Redeverbot belegt worden.

Wie sie bei einem Hausbesuch feststellen musste, wird das Anwesen von Campos von einer Sicherheitsfirma bewacht, die über keine gültige Lizenz verfügen soll. Loomer wirft die Frage auf, wie ein wichtiger Zeuge einfach spurlos verschwinden kann, der nach dem Attentat permanent von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht wurde.  

Jesus Campos wurde das letzte Mal am 10. Oktober in der Öffentlichkeit fotografiert, als ihm seine Gewerkschaft eine Auszeichnung für den Mut verlieh, den er während seines Dienstes unter Beweis stellte.

Mehr zum Thema: Las Vegas: Spekulationen über Motive und Verbindungen des Todesschützen gehen weiter