Facebook-Chef Zuckerberg besucht als Avatar zerstörtes Puerto Rico – um für eine App zu werben

Facebook-Chef Zuckerberg besucht als Avatar zerstörtes Puerto Rico – um für eine App zu werben
Überschwemmte Straßen als Kulisse, um eine App zu promoten?
Eine Trickfigur-Version von Facebook-Chef Mark Zuckerberg besuchte zusammen mit einer Kollegin virtuell das vom Hurrikan „Irma“ stark zerstörte Puerto Rico. In einer bizarren Mischung aus Katastrophentourismus und Eigenwerbung für Facebook.

Der Facebook-Gründer und Vorstandsvorsitzende von Facebook, Mark Zuckerberg, leistete sich in der Nacht auf Dienstag eine virtuelle „Rundreise“ hart an der Grenze des guten Geschmacks. Zusammen mit Rachel Franklin, der Leiterin von Facebooks Social-VR-Abteilung „besuchten“ die beiden mit der Facebook-Applikation „Spaces-App“ das Hurrikan gebeutelte Puerto Rico. Das Ereignis wurde live übertragen, zehntausende Facebook-Nutzer schauten zu.

Der Zeitpunkt ist vermutlich nicht zufällig gewählt – am 11. Oktober startet die vierte Oculus Connect, die große Entwicklerkonferenz des VR-Unternehmens. Offenbar wollte Zuckerberg die Gelegenheit nutzen, um für das Tochterunternehmen und Spaces zu werben. In dem Live-Video kommt Zuckerberg ohne große Überleitung plötzlich auf Puerto Rico zu sprechen. Anschließend lädt er ein 360-Grad-Video, das ihn und Franklin virtuell ins Katastrophengebiet versetzt.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei seinem Auftritt vor dem Alumni-Kongress der Harvard University in Cambridge, Massachusetts am 25. Mai 2017.

Zuckerberg, beziehungsweise sein dauergrinsender Avatar, kommentiert die Bilder der Zerstörung in wenigen Sätzen und beginnt dann, von der “Magie der Virtual Reality” zu sprechen, die einem “das Gefühl gibt, an einem anderen Ort zu sein.” Daraufhin klatschen sich Zuckerberg und Franklin begeistert ab, während im Hintergrund überflutete Häuser und Straßenzüge in Puerto Rico zu sehen sind.

Du kannst sehen, dass wir uns wirklich wie hier fühlen, sagte Franklin. Diese Straße ist wirklich überflutet, fügte Zuckerberg hinzu.

Zuckerberg nutzte die Gelegenheit zwar auch, um über die Art und Weise zu sprechen, wie Facebook Puerto Rico nach der Naturkatastrophe geholfen hat, einschließlich der Spende von 1,5 Millionen Dollar und der Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz beim Aufbau von Bevölkerungskarten, doch die Aktion kam nicht besonders gut an. Die britische Tageszeitung The Guardian nennt den Live-Stream eine Mischung aus “Katastrophentourismus und Produktwerbung”, The Next Web spricht vom “Gipfel der Geschmacklosigkeit” und Mashable bezeichnet die Aktion als “taktlosen Fehltritt.”

Zuckerberg nutze eine Naturkatastrophe aus, um für neue Technologien seines Unternehmens zu werben, schreibt Mashable. Sich mit comichaften VR-Avataren in ein Katastrophengebiet zu versetzen, zeige trotz möglicher guter Absicht vor allem eines: Ignoranz. The Verge plichtet dem bei: “Das ist nicht die beste Art, um Hilfsaktionen zu diskutieren.”

Das Video lässt sich hier noch anschauen: