Die USA am Tag nach dem Massenmord von Las Vegas - keine Änderung des Waffengesetzes zu erwarten

Die USA am Tag nach dem Massenmord von Las Vegas - keine Änderung des Waffengesetzes zu erwarten
Präsident Donald Trump, neben seiner Frau Melania, dem Vizepräsidenten Mike Pence nebst Gattin Karen während einer Gedenkminute in Washington, USA, 2. Oktober 2017.
Mindestens 58 Menschen sind bei dem Blutbad in Las Vegas ums Leben gekommen und mehr als 527 wurden verletzt. 23 Waffen fand die Polizei im Hotelzimmer des Täters, 19 bei ihm zu Hause. Amerika wird dennoch der größte Waffenmarkt für den Privatgebrauch bleiben.

Den 64-jährigen Einzeltäter Stephen Paddock beschrieben seine Nachbarn als einen unauffälligen, netten Mann von nebenan. Polizeilich war er nicht bekannt. Der IS übernahm die Verantwortung für den Massenmord in Las Vegas, das FBI aber leugnete diesen Zusammenhang. Das Massaker führte Paddock von einem Hotelfenster aus durch. Vom 32. Stock des Mandalay Bay Hotels schoß er auf die Festivalbesucher. Er selbst nahm sich anschließend das Leben. Augenzeugen berichteten, dass fünf Minuten lang geschossen wurde. 

Abermals spaltet die Tat die Amerikaner. Die Aktien der US-Waffenhersteller gewannen im Zuge des Attentats an Wert. Statt eines Abrüstens in den privaten Haushalten werden die Amerikaner sich noch mehr Waffen zulegen, um sich gegen Angreifer zur Wehr setzen zu können. 

Donald Trump beschrieb die Tat als einen Akt des "absolut Bösen". Er ordnete Trauerbeflaggung an. Für Mittwoch kündigte er an, sich mit Überlebenden und Familien der Opfer zu treffen. 

Obwohl wir so eine große Wut gegen den sinnlosen Mord an unseren Mitbürgern in uns verspüren, ist es unsere Liebe, die uns heute definiert und uns für immer einen wird. Wir beten für die gesamte Nation, um Einigkeit und Frieden zu finden, und wir beten für den Tag, an welchem das Böse besiegt worden ist und die Unschuldigen sicher vor Hass und Angst sein können. 

Der US-Entertainer Jimmy Kimmel machte das Massaker zum Thema seiner Sendung "Jimmy Kimmel Live". Er reihte die Tat in die Massaker von Orlando, Newton, Connecticut etc. ein. Er sagte, dass selbst wenn Waffengesetzte zur schärferen Kontrolle von den Politikern vorgebracht werden würden, so hätte dies zur Folge, dass die amerikanische Waffenlobby diese Versuche sofort zunichtemachen würde: "(sie) werden dies mit Geld wieder glatt bügeln und nach einiger Zeit kommen wir vom Thema ab und kümmern uns um andere Dinge." Es fühle sich an, so Kimmel, als habe jemand "das Tor zur Hölle aufgemacht". 

Stimmen aus den sozialen Netzwerken zum Waffenbesitz in den USA

Diese Tragödie im Mandala Bay in Las Vegas, erinnert uns daran, dass unsere größten Feinde nicht die muslimischen Einwanderer sind, sondern nur wir selbst. 

Country Musiker John Rich sagte, er habe seine persönliche Waffe einem unbewaffneten Gesetzeshüter während der Schießerei von Las Vegas überreicht. Unglaublich. 

Organisationen zur Waffenkontrolle nutzen die Schießerei von Las Vegas, um für Spenden zu werben. Sie gaben das vor 7 Stunden bekannt, noch bevor wir die Gesamtzahl der Toten wussten. 

Pressestimmen aus Europa zum Attentat

Zum Massenmord in Las Vegas schrieb die Londoner Times am Dienstag:   

"Jedem vernünftigen Beobachter ist klar, dass die USA sinnvolle Gesetze zur Waffenkontrolle benötigen, doch die Abgeordneten des Landes haben sich als völlig unerreichbar für Ratschläge aus dem Ausland ebenso wie für Lehren aus der eigenen blutbefleckten Geschichte erwiesen. (...) Es ist eine unbeschreibliche Tragödie, dass Amerika beim Verbot oder wenigstens der Kontrolle halbautomatischer Waffen versagt. Das ist ein Versagen der Demokratie und der Grund dafür, dass in den USA jedes Jahr mehr Menschen getötet werden als in 30 Jahren des Nordirlandkonflikts. Die Erfahrung lehrt, dass die Aussichten auf ein Verbot des Verkaufs derartiger Waffen an Zivilisten gegen Null gehen. Dennoch wäre es richtig, wenn der Kongress und das Weiße Haus, dieses Ziel verfolgen würden."

Stimmen aus der spanischen Zeitung "La Vanguardia": 

"Das blutige und dramatische Massaker von Las Vegas, das den größten Massenmord in seiner Geschichte darstellt, muss den Amerikanern zu denken geben. Aber es bleibt zu befürchten, dass sich die Gesetzgebung zum Waffenbesitz nicht ändern wird. Bisher sind nicht nur alle Initiativen gescheitert, die ihre freie Zirkulation verbieten sollten, sondern es war noch nicht einmal möglich, ihren Gebrauch bei solchen Menschen einzuschränken, die ein besorgniserregendes Profil haben, wie etwa Terrorverdächtige. Die Republikaner, jetzt mit Trump im Weißen Haus, haben jeden diesbezüglichen Versuch boykottiert, da privater Waffenbesitz seit den Zeiten der Unabhängigkeit tief verwurzelt und durch den zweiten Verfassungszusatz geschützt ist." 

US-Präsident Donald Trump folgt seinen Amtsvorgängern, wenn es darum geht, mit Diktatoren wie Bahrains König Hamad bin Isa Al Chalifa anzubandeln.

Die belgische Zeitung "De Standaard" aus Brüssel:   

"Dass die Vereinigten Staaten die Freiheit von Waffenbesitzern höher werten als die Gefahr vieler Todesopfer, finden wir unerhört. Die grauenhaften Massenmorde setzen jedes Mal ein sinnloses Ritual in Gang. Die Amerikaner sind geschockt und bringen ihre Abscheu über den sinnlosen Verlust so vieler wertvoller Menschenleben zum Ausdruck. Der Präsident - welcher politischen Richtung er auch immer angehören mag - schließt sich dem an. Progressive Kräfte machen geltend, dass es nun endlich Zeit wird, die Waffengesetze zu modernisieren, um erneute Massaker zu verhindern. Doch die Waffenlobby hält dagegen, dass dies nicht die richtige Antwort sei. Und sie gewinnt den Streit. Ein paar Monate oder Jahre später beginnt es dann alles wieder von vorn."

Der Attentäter von Las Vegas führte das in der amerikanischen Geschichte bisher tödlichste Massaker mit Hilfe von Waffengewalt aus. Drei Tage lang harrte er in seinem Hotelzimmer aus, bis er in die Menge schoss. 22.000 Menschen besuchten das Country-Musikfestival in Las Vegas. Derzeit wird nach den Motiven des Täters zur Tat gesucht. 

Video: Las Vegas: Mindestens 50 Tote und 200 Verletzte bei Schießerei – Sirenen, Schüsse und Schreie

(rt deutsch/dpa)