US-Abgeordneter: "Wir geben zu viel für Gewalt, Krieg und Chaos aus"

US-Abgeordneter: "Wir geben zu viel für Gewalt, Krieg und Chaos aus"
Ein Scharfschütze der US-Marines hängt die "Hundemarken" seiner in Afghanistan und im Irak gefallenen Kameraden während einer Gedenkfeier an sein Gewehr.
Für die Kriege in Afghanistan und im Irak haben die USA offiziell bislang 1,5 Billionen US-Dollar ausgegeben. Das entspricht fast 7.500 US-Dollar pro Bürger. Dabei dürfte die tatsächliche Summe noch um einiges höher liegen.

Die auf Militärfragen spezialisierte Webseite defenseone.com hat vom Pentagon veröffentlichte Daten ausgewertet, die sich bislang der öffentlichen Aufmerksamkeit entzogen haben. Aus diesen lässt sich bestimmen, wie viel ein US-Bürger durchschnittlich für die Kampfeinsätze in Afghanistan, im Irak und nun auch in Syrien zahlt.

Demnach hat der amerikanische Steuerzahler seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 (9/11) für diese Kriegseinsätze pro Kopf knapp 7.500 US-Dollar aufgebracht. Allein im laufenden Budgetjahr hat jeder Steuerzahler laut Daten des Verteidigungsministeriums für die Einsätze in Afghanistan und im Irak bzw. Syrien bereits 289 US-Dollar bezahlt. Dieser Betrag wird wahrscheinlich noch steigen, da US-Präsident Donald Trump eine Aufstockung der Truppen in Afghanistan plant.

Jahrelanger Kampf um Veröffentlichung

Am meisten zahlten die Amerikaner im Jahr 2010 für Washingtons Kriege: Pro Kopf waren es damals 767 US-Dollar. Dieser Betrag fiel bis zum Jahr 2016 auf 204 US-Dollar. Danach stieg er wieder an, da die USA ihre Luftangriffe auf den "Islamischen Staat" im Irak und in Syrien ausweiteten.

Im Oktober des kommenden Jahres wird sich die Gesamtsumme für die Kriegseinsätze in Afghanistan und im Irak sowie in Syrien auf 1,5 Billionen US-Dollar addieren. Der demokratische Abgeordnete John Lewis, der die Veröffentlichung der Daten im Rahmen des National Defense Authorization Acts nach Jahren vergeblicher Anstrengungen schließlich durchsetzen konnte, sagte dazu laut Military Times:

Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, wie viel wir für Kriege ausgeben. Ich hoffe, dass die Bürger ihre gewählten Abgeordneten kontaktieren und ihnen sagen, dass wir mehr für Frieden ausgeben sollten, und weniger für Gewalt und Krieg. Wir geben zu viel für Gewalt, Krieg und Chaos aus.

Tatsächliche Kosten weitaus höher

Doch selbst die astronomische Summe von 1,5 Billionen US-Dollar ist weit entfernt von den tatsächlichen Gesamtkosten, wie defenseone.com anmerkt. Zum einen enthält diese Summe nicht die der Geheimhaltung unterliegenden Gelder, die von der CIA und anderen US-Geheimdiensten für diese Kriege ausgegeben werden. Ebenso fehlen die Kosten, die als Folge der Einsätze anfallen, wie beispielsweise die medizinische Versorgung von verwundeten oder traumatisierten Kriegsveteranen. Alleine im laufenden Jahr geben die Bundesbehörden 175 Milliarden US-Dollar für Veteranen aus.

Laut dem Watson Institute for International and Public Affairs von der Brown Universität in Providence, Rhode Island, belaufen sich die tatsächlichen Kriegskosten seit 9/11 auf fünf Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Der Verteidigungshaushalt für das Jahr 2017 beläuft sich auf 834,2 Milliarden US-Dollar, während die Bundesbehörden im selben Zeitraum insgesamt 365,8 Milliarden US-Dollar für Sozialprogramme ausgeben.

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