Ablehnung jüdischer Flüchtlinge 1939 – Kanada will sich entschuldigen

Ablehnung jüdischer Flüchtlinge 1939 – Kanada will sich entschuldigen
Ein orthodoxer Junge schwenkt eine USA und eine kanadische Flagge während einer Sukkot-Parade, Jerusalem, Israel, 2.Oktober 2007.
Im Jahr 1939 wies Kanada ein Boot mit deutschen Juden ab, die hofften in Kanada Asyl zu erhalten. Die Liberalen Kanadas arbeiten an einer baldigen formellen Entschuldigung der kanadischen Regierung. In Ottawa wird demnächst ein nationales Holocaust-Mahnmal eingeweiht.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau plant in seiner Rede die geplante Entschuldigung seiner Regierung mit aufzunehmen. Im Juni hatte er der New York Times mitgeteilt sein Land müsse auch daran erinnern als es Menschen nicht willkommen hieß. Insgesamt 900 jüdische Passagiere hatte das Schiff an Bord, welches von Kanada 1939 abgewiesen wurde. Zuvor hatten Kuba und die Vereinigten Staaten die Aufnahme der Flüchtlinge abgelehnt. 

Eine Gruppe Kanadier versuchte vergebens den damaligen Premierminister Mackenzie King dazu zu überreden dem Schiff zu erlauben in Halifax anzulegen. Das Schiff musste nach Europa umkehren. Die Insassen landeten in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien. 500 von ihnen wieder in Deutschland, die Hälfte überlebte den Holocaust nicht. Das neue Holocaust Monument wird gegenüber des kanadischen Kriegsmuseums eingeweiht. 

Ein Wachturm in Auschwitz-Birkenau, Polen, 26. Januar 2015.

Erst mit Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Einwanderung nach Kanada für jüdische Holocaust Überlebende erleichtert. Circa 40.000 zogen nach Kanada. Einige von ihnen kamen aus dem Shanghaier Ghetto, es folgten Juden aus Nordafrika. Heute hat Kanada die viertgrößte jüdische Gemeinde der Welt mit 386.000 Einwohnern hinter Israel, den USA und Frankreich. 

Weniger bekannt als die Affäre um das abgewiesene Schiff ist die Geschichte der "dangerous enemy aliens" (gefährliche ausländische Feinde), in Kanada internierter Juden, die als Feinde Großbritanniens galten. Kanada und Großbritannien unterhielten zu der Zeit ein Abkommen zur Übernahme Kriegsgefangener. Im Juli 1940 verschifften die Engländer 2.354 männliche jüdische Flüchtlinge aus Österreich, Deutschland und Italien nach Kanada.

Gemeinsam mit Nazis und Kriegsgefangenen verbrachten sie bis zu drei Jahre in kanadischen Lagern. Die Internierten mussten in den kanadischen Lagern die gleichen Nazilieder hören, wie in ihrer Gefangenschaft in den von Nazis besetzten Gebieten und wurden lange wie Verbrecher behandelt. Erst später kehrte Kanada der anti-jüdischen Politik den Rücken zu.