Akustischer Anschlag? Spannungen zwischen USA und Kuba nach mysteriösen Erkrankungen von Diplomaten

Akustischer Anschlag? Spannungen zwischen USA und Kuba nach mysteriösen Erkrankungen von Diplomaten
Patienten im Warteraum eines Krankenhauses in Havanna, Kuba, 19. Oktober 2012
Am Dienstag trafen die Außenminister Kubas und der USA zusammen, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu diskutieren. US-Diplomaten in Havanna wurden zuvor von einer mysteriösen Krankheit befallen. Washington drohte mit der Schließung der Botschaft.

Vor zehn Tagen hatte Washington damit gedroht, die Botschaft in Havanna erneut zu schließen. Die ohnehin fragile Beziehung zwischen den beiden Ländern droht nun an einer ungeklärten Krankheit amerikanischer Diplomaten, die in Havanna stationiert waren, zu zerbrechen. Nach 50 Jahren hatte unter der Regierung Barack Obamas erstmals die US-amerikanische Botschaft wieder geöffnet. 

Nun kam es zum ersten Treffen seit dem Amtsantritt von Donald Trump zwischen dem kubanischen Außenminister Bruno Rodriguez und dessen US-amerikanischem Amtskollegen Rex Tillerson. Rodriguez erklärte:

Der (US-)Außenminister bestätigt, dass die Nachforschungen noch laufen, um diese Angelegenheit aufzuklären. Es wäre sehr bedauerlich, wenn eine Sache dieser Art politisiert und zu vorschnellen Handlungen führe würde, die nicht durch schlüssige Beweise gestützt werden und die Ermittlungsergebnisse vorwegnähmen.

USA werfen Kuba

Akustische Waffen erst in der Testphase

Zu Beginn des Jahres hatte Washington zwei kubanische Diplomaten im Zusammenhang mit Anschuldigungen rund um angebliche "akustische Anschläge" ausgewiesen. US-amerikanische Diplomaten und deren Familienangehörige litten aus nicht klar zuzuordnenden Gründen an Hörverlust und Übelkeit. Bisher haben die USA Kuba nicht öffentlich beschuldigt, für die Erkrankungen verantwortlich zu sein. Die kubanische Regierung weist jede Schuld an Gesundheitsschäden aufseiten der Diplomaten zurück.

Erste Vermutungen gingen jedoch von einem solchen "akustischen Anschlag" aus, einer Behelligung mit Schall, die - ohne direkt wahrgenommen zu werden - zu Gesundheitsschäden führt. Derzeit seien etwa 19 Personen betroffen. Ärzte stellten bei ihnen "dauerhaften Hörverlust" und "leichte traumatische Gehirnschäden" fest. Hinzu kamen Störungen des Gleichgewichts und Kopfschmerzen.

War es am Ende wieder einmal Putin?

Kanada meldete ebenfalls einen ähnlichen Fall bei einem seiner Diplomaten in Havanna. Experten bestreiten die Existenz einer Waffe, die einen solchen Effekt wie bei den geschädigten US-Diplomaten hervorrufen könnte. Bekannt aus Science-Fiction-Filmen und der Literatur, befindet sich der Einsatz akustischer Waffen für Militär und Polizei, auch als "akustische Kugeln", "akustische Granaten" oder "akustische Minen" bezeichnet, noch in der Testphase. Diese sollen das Gehör des Ziels schädigen, Schmerz und Orientierungsverlust herbeiführen. Während der G20-Proteste in Pittsburgh kamen "akustische Kanonen" gegen die Demonstranten zum Einsatz. 

Kuba ermittelt derweil selbst im möglichen akustischen Anschlagsfall und konnte bisher nicht die Ursache der Gesundheitsschäden bei den US-Diplomaten ausmachen. Einige Unentwegte in den US-amerikanischen Medien spekulieren auch über Russland, den Iran oder Nordkorea als denkbare Täter.