Jungfraueninseln: Marriott evakuiert nur eigene Hotelgäste – trotz ausreichendem Platz auf der Fähre

Jungfraueninseln: Marriott evakuiert nur eigene Hotelgäste – trotz ausreichendem Platz auf der Fähre
Tortola, auf den Britische Jungfraueninseln nach dem Hurrikan Irma.
Das Hotel Marriott hat ein Evakuierungsschiff zur karibischen Insel Saint Thomas entsandt, um die eigenen Gäste vor dem nächsten Hurrikan Jose in Sicherheit zu bringen – aber auch nur die eigenen Gäste. Wer nicht im Marriott Hotel gebucht hatte, durfte nicht an Bord.

Die Urlauber, die keine Marriott-Gäste waren, sich aber dennoch auf der Insel befanden und sich ebenfalls in Sicherheit bringen wollten, konnten es kaum glauben, bei Winden mit einer Geschwindigkeit von circa 300 km/h abgewiesen zu werden, obwohl noch Platz für mehr als 200 Personen auf dem Boot war. Die 35 Zurückgelassenen standen an der Anlegestelle, woraufhin die Beleuchtung am Pier ausgeschaltet wurde – wahrscheinlich damit sie wieder gehen.

Eine derjenigen, die zurückgewiesen wurden, ist Amanda Bentley. Sie machte Urlaub auf der Insel und berichtete:

Sie haben ein Boot gechartert, das viele Menschen fasste und nahmen nur ihre Gäste mit. Sie weigerten sich, jemand anderem zu erlauben, an Bord zu gehen. Sie haben sie einfach am Pier zurückgelassen."

Nachdem die Rettungsfähre in Richtung Puerto Rico ablegte, lud Naomi Michial Ayala, eine der Gestrandeten, in ihrer Wut ein Video auf Facebook hoch, in dem sie ihre Situation erklärte:

Es war die Entscheidung von Marriott. Marriott hat uns nicht auf dieses Boot nach San Juan gelassen, um Heimflüge zu erreichen. Stattdessen müssen wir den Hurrikan Jose auf St. Thomas abwarten, nachdem wir vor ein paar Tagen den Hurrikan Irma ertragen mussten. Wir haben kein Essen, kein Wasser und können nirgendwo hin. Wir sind hier gestrandet.

Eine Gruppe von acht Touristen, darunter Staci Terry und ihr Ehemann, hatte zuvor die puerto-ricanische Küstenwache kontaktiert, um sich nach ihrer Evakuierung zu erkundigen. Sie wurden auf die Rettungsfähre aufmerksam gemacht, die zur Evakuierung des benachbarten Marriott Hotel entsandt wurde. Terry berichtete:

[Der Leutnant] sagte uns, dass diejenigen, die zuerst kommen, zuerst an Bord dürfen. Er hat nicht erwähnt, dass es nur für Marriott-Gäste galt"

So fanden sich die Gestrandeten auf der Jungfraueninsel wieder, von der ein Großteil von der Wasser-, Strom- und Gasversorgung abgeschnitten war. Einige konnten sich mit privaten Evakuierungsbooten in Sicherheit bringen. Einer der gestrandeten will den Namen der von Marriott beauftragten Fähre gegoogelt haben und behauptet, das Schiff habe eine Kapazität von 1.800 Passagieren.

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Die Entscheidung, nur eigene Gäste mitzunehmen, traf offenbar die Hoteldirektion. Marriott ließ verlauten:

In diesem Fall waren wir nicht in der Lage zu helfen und so dankbar wie wir sind, dass wir unsere Gäste transportieren konnten, sind wir traurig, dass wir nicht in der Lage waren, dasselbe für mehr Menschen zu tun.“