Ehemalige CIA-Mitarbeiter zeichnen US-Investigativjournalist Seymour Hersh für seine Recherchen aus

Ehemalige CIA-Mitarbeiter zeichnen US-Investigativjournalist Seymour Hersh für seine Recherchen aus
Deckte 2004 auch den Skandal um den Missbrauch von Gefangenen im Militärgefängnis in Abu Ghuraib auf: Seymour Hersh.
Der renommierte US-amerikanische Journalistin Seymour Hersh bekommt dieses Jahr den Sam Adams Award. Der Preis wird von ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeitern des CIA verliehen. Geehrt werden Persönlichkeiten, die sich um Integrität und Wahrheitssuche verdient gemacht haben.

Der Preis geht zurück auf den Whistleblower Samuel A. Adams. Der CIA-Mitarbeiter wurde bekannt, als er während des Vietnamkriegs den US-amerikanischen Geheimdiensten unterstellte, dass sie Erkenntnisse gemäß politischen Wünschen erbringen würden. Insbesondere, dass der damalige US-General William C. Westmoreland 1967 die Öffentlichkeit durch eine zu gering angegebene Truppenstärke des Gegners, Vietcong und Vietnamesische Volksarmee, täuschte.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Manning. Der Preis soll Hersh während einer Zeremonie an der American University am 22. September verliehen werden. Der Preis ist eine Auszeichnung für Hershs Hartnäckigkeit und Integrität als kritischer Journalist. Als Sohn jüdischer Einwanderer aus Litauen und Polen wuchs er in Chicago auf, wo er auch später Geschichte studierte.

Nach den ersten Schritten im Journalismus gründete er eine Vorstadtzeitung und arbeitete bei den Agenturen United Press International und der Associates Press, die er aber relativ bald verließ. Von 1972 bis 1978 arbeitete er für die „New York Times“, die am Ende auch seine Stammredaktion wurde. Seinen internationalen Durchbruch erlebte Hersh 1969, als er über das sogenannte My-Lai-Massaker in Vietnam berichtete.

Das Massaker von My-Lai war ein Kriegsverbrechen US-amerikanischer Soldaten in Südvietnam, das 1968 während des Vietnamkrieges in dem Gemeindeteil Mỹ Lai des Dorfs Sơn Mỹ, genannt My Lai 4, verübt wurde. Das Massaker an 504 Zivilisten wurde von der US-Armee zunächst vertuscht. Erst durch Recherchen von Hersh gelangte das Verbrechen an die Öffentlichkeit, nachdem die Veröffentlichung der Reportage zunächst für etwa ein Jahr von sämtlichen Medien abgelehnt worden war. Für die Berichterstattung erhielt Hersh 1970 den Pulitzer-Preis. Die Reportage gilt heute noch als ein Schlüsselmoment in der Wahrnehmung des Vietnamkrieges.

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Seymour_Hersh - Quelle: Institute for Policy Studies - CC BY 2.0

Auch in den folgenden Jahrzehnten gelangen Hersh immer wieder spektakuläre Veröffentlichungen. Für Aufsehen sorgte zuletzt ein Beitrag zu den vermeintlichen Giftgasangriffen am 4. April im syrischen Chan Scheichun. Unter Verweis auf Quellen aus dem US-Sicherheitsapparat schrieb Hersh, dass die syrische Luftwaffe bei ihrem Angriff auf Chan Scheichun kein Giftgas eingesetzt habe. Ein Bombentreffer auf ein Waffenlager der Rebellen habe Chemikalien freigesetzt, was dann zum Tod zahlreicher Menschen vor Ort geführt habe. Hersh bestätigt damit im Wesentlichen die Darstellung der syrischen beziehungsweise russischen Regierung.

Auch bei der sogenannten „E-Mail-Affäre“ um Hillary Clinton widersprach Hersh der offiziell geförderten Sichtweise von einem russischen Hackerangriff. Hersh hält den im Jahr 2016 bei einem Raubüberfall getöteten Seth Rich für den Insider, der die E-Mails aus dem Nationalkomitee der Demokraten kopiert und anschließend weitergegeben hat. Der 27-Jährige Rich war Mitarbeiter des Nationalkomitees der Demokraten (DNC). Mitten im US-Präsidentschaftswahlkampf wurde er am 29. Juni 2016 in der Nacht auf seinem Nachhauseweg in Washington mit zwei Schüssen niedergestreckt.

Nachdem die Polizei Richs Wohnung zur Aufklärung des Falles durchsucht hatte, wurde der darin beschlagnahmte Computer an die Cyber-Einheit des FBI zur Auswertung übergeben. Diese habe laut Hersh ergeben, dass Rich Ende Frühling beziehungsweise Anfang Sommer 2016 Kontakt zu WikiLeaks aufgenommen hatte. Demnach hatte er eine Reihe von Dokumenten und E-Mails aus dem Nationalkomitee der Plattform angeboten. 

Nach allem, was ich weiß, hat er eine umfangreiche Probe seines Materials angeboten, dutzende E-Mails, und gesagt: 'Ich will Geld'",

sagte Hersh. Er wisse nicht, wie die Verhandlungen im Weiteren verliefen. Außer, dass WikiLeaks ein Passwort zu einer gesicherten Dropbox erhalten habe und Einsicht in das angebotene Material nehmen konnte, bevor Rich getötet wurde.

Laut Hersh habe Rich den Zugang zur Dropbox auch einigen seiner Freunden ermöglicht, für den Fall, dass ihm etwas zustoße. Der Journalist weist darauf hin, dass die letzten DNC-E-Mails vom 21. Mai 2016 stammen, was mit dem Zeitpunkt der Kontaktaufnahme zu WikiLeaks Ende Frühling/Anfang Sommer übereinstimme.

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