Trumps Chefstratege Bannon verlässt das Weiße Haus

 Trumps Chefstratege Bannon verlässt das Weiße Haus
US-Präsident Donald Trumps umstrittener Chefstratege Stephen Bannon verlässt Medienberichten zufolge das Weiße Haus. Zuletzt hatte er Kritik an der US-Politik in Bezug auf Nordkorea geübt und die rechte Bewegung nach Charlottesville als "unbedeutend" bezeichnet.

US-Präsident Trumps Chefstratege Stephen Bannon verlässt Medienberichten zufolge das Weiße Haus. Das bestätigte Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders am Freitag.

Stabschef John Kelly und Steve Bannon haben in beidseitigem Einvernehmen beschlossen, dass heute Steves letzter Tag war“, hieß es in einer Stellungnahme. „Wir danken ihm für seine Dienste und wünschen ihm das Beste.“

Stephen Bannon (63) galt lange als einer der einflussreichsten Berater in der Trump-Administration, er trug angeblich sogar den Spitznamen „Präsident Bannon“.

Differenzen bei Nordkorea und Charlottesville

Der 63-Jährige gilt als vehementer Vertreter der nationalistischen Wirtschaftspolitik des Präsidenten. In der vergangenen Woche geriet er vor allem durch seine überraschend kritischen Äußerungen in die Schlagzeilen. Dabei hatten sich starke Differenzen zu den Positionen des US- Präsidenten gezeigt.

Bannon hatte Mitte der Woche im Gespräch mit einem Journalisten die Nordkorea-Politik Trumps konterkariert, indem er eine militärische Option zur Lösung des Konflikts kategorisch ausschloss.

Der Atomkonflikt mit Pjöngjang sei "nur ein Nebenschauplatz" im Handelskonflikt mit China,

 Ich denke, wir sind fünf, höchstens zehn Jahre von einem Wendepunkt entfernt, von dem wir uns nicht mehr erholen können", erklärte Bannon in einem Gespräch mit Robert Kuttner, dem Mitgründer des Informationsportals "The American Prospect"

Der US-Generalstabschef Joe Dunford betonte am Donnerstag, dass eine militärische Option gegen Nordkorea weiter relevant bliebe. Präsident Trump

hat uns beauftragt, zuverlässige und realisierbare Militäroptionen zu entwickeln und genau das tun wir", sagte der ranghöchste US-General am Rande eines Besuchs bei Präsident Xi Jinping in China. "Wenn der US-Präsident mit der Entscheidung zu uns kommt, einen Militäreinsatz zu nutzen, werden wir ihm die Optionen präsentieren."

Jedoch schloss Dunford eine friedliche Beilegung des Konflikts nicht aus.

Auf die Ausschreitungen bei den Protesten in Charlottesville angesprochen, sagte Bannon, die rechtsradikale Bewegung sei "unbedeutend".

Er bezeichnete sie als "Verlierer" und "Ansammlung von Clowns", die zu viel mediale Aufmerksamkeit erhielten hatten. 

Die Äußerungen überraschten, hatte Bannon doch auch durch sein Internet-Portal Breitbart als Unterstützer der sogenannten "Alt Right"-Bewegung gegolten.

Bannon war zudem seit geraumer Zeit in den Verdacht geraten, vertrauliche Details aus dem Weißen Haus an Medien weitergegeben zu haben. Zu seinen internen Widersachern gehören die moderateren und wirtschaftsliberalen Kräfte im Team um Trump, wie dessen Schwiegersohn Jared Kushner, Wirtschaftsberater Gary Cohn und Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster.

Bannon gilt gemeinsam mit Stephen Miller als Architekt der „America-First“-Strategie Donald Trumps. Der Mitgründer der erzkonservativen Internet-Plattform Breitbart war vor Beginn der Endphase des Wahlkampfs 2016 zum Team-Trump gestoßen. Ihm wird ein maßgeblicher Anteil am Wahlsieg des Immobilienmilliardärs zugeschrieben.

Plant Bannon nationalistische Bewegung?

Der Abgang Bannons ist der Höhepunkt einer extrem turbulenten Woche im Weißen Haus, in der Trump vor allem wegen seines Umgangs mit gewalttätigen Rechtsextremisten in der Stadt Charlottesville ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war. Die umstrittene Haltung Trumps, die Extremisten nicht eindeutig zu verurteilen, war weltweit auf Kritik gestoßen. Auch in seiner republikanischen Partei regte sich Widerstand. Partei-Schwergewicht Mitt Romney, ein früherer Präsidentschaftsbewerber, forderte Trump zu einer Entschuldigung auf.

Bereits am Freitag gab es in Washington Spekulationen über Bannons künftige Rolle. Unter anderem wurde vermutet, Bannon könnte versuchen, mit oder ohne Unterstützung Trumps eine nationalistische Bewegung außerhalb der Regierung zu formen. Fraglich war auch, inwiefern sich die Personalie auf den politischen Kurs des US-Präsidenten auswirken wird und ob weitere Personalentscheidungen im Weißen Haus bevorstehen.