Julian Assange vergleicht rechte Gewalt in den USA mit Neonazis in der Ukraine

Julian Assange vergleicht rechte Gewalt in den USA mit Neonazis in der Ukraine
Weiße Nationalisten demonstrieren an der Universität von Virginia, 11. August 2017.
Am Samstag eskalierte eine Kundgebung von Rechtsextremisten in Virginia. Eine Frau starb, nachdem ein Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren war. Schlägereien führten zu Verletzungen. Assange zieht Parallelen zum Rechten Sektor in der Ukraine.

Präsident Donald Trump verurteilte die "ungeheuerliche Gewalt" vom Samstag. Es gebe in Amerika "keinen Platz" für Gewaltausbrüche wie den in Charlottesville. Der Republikaner rief seine Bürger zum Zusammenhalt auf. 

Anlass für die Demonstration war ein Beschluss des Stadtrats, eine Statue des Konföderierten-Generals Robert Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg zu entfernen. Kritik musste Trump dennoch einstecken, auch aus der eigenen Partei. Trump verurteilte die gewaltsamen Demonstrationen, umschrieb die Gewalt aber als "Gewalt von vielen Seiten".

Nach Meinung der Kritiker hätte er die Gewalt der Ultrarechten explizit ansprechen müssen. Trump jedoch wollte offenbar nicht den Eindruck erwecken, die Gewalt, die von linksextremen Gegendemonstranten ausging, zu ignorieren. Zahlreiche US-amerikanische Staaten hatten insbesondere seit der Wahl Trumps zum Präsidenten zuvor eine Welle der Gewalt vorwiegend linksextremer Aktivisten erlebt.

Den Whistleblower Julian Assange veranlasste der Aufmarsch der ultranationalistischen Amerikaner zu sarkastischen Anspielungen auf extreme Rechten in der Ukraine, die in den Jahren 2013 und 2014 eine wesentliche Rolle bei der Gewalt auf dem Kiewer Maidan gespielt hatten. Diese hielt Assange aber für weitaus besser ausgestattet, denn sie trugen schusssicherere Westen und Gesichtsvermummung.

Assange: "Moderate Rebellen" nun auch im eigenen Land

Die ukrainischen Neo-Nazis wurden damals in den westlichen Medien kaum oder sogar wohlwollend behandelt und dies, obwohl sie eine demokratisch gewählte Regierung zu stürzen versuchten und beabsichtigten, ein faschistisches Regime zu errichten. Noch heute führt die Regierung in Kiew einen blutigen Krieg gegen Aufständische im Donbass, bei dem die Kiew-treuen Truppen sogar chemische Waffen gegen Zivilisten eingesetzt haben sollen.

Endlich haben wir die moderaten Rebellen gefunden, auf die wir schon so lange gewartet haben. 

Das neue Gesicht Amerikas ist auf unheimliche Weise bekannt. 

Während es in Syrien nie irgendwelche moderaten Rebellen gab, stattdessen aber umso mehr Gangs ausländisch geförderter, wahhabitischer Extremisten, sieht Assange die Rechten in den USA größtenteils als irrelevant an. Den USA riet er, die Unterstützung der Extremisten im Ausland zu beenden und stattdessen die Rechten auf heimischem Boden zu fördern.

In den USA werden doppelt so viele Anschläge von Rechtsextremisten verübt wie von Islamisten. Rechte Terrorakte endet zudem häufiger tödlich.

Zu Donald Trumps Äußerungen zur Gewalt in Charlottesville heißt es am Montag in der niederländischen Zeitung "de Volkskrant":   

In seiner Antrittsrede als Präsident hatte er sich zum Sprachrohr derjenigen gemacht, die er die "vergessenen Amerikaner" nannte. Viele von ihnen stammen aus der weißen Mittelklasse. Sie haben ihm zur Präsidentschaft verholfen, weil sie sich von der etablierten Politik, der Gesellschaft und den Medien unverstanden und benachteiligt fühlten.

Trump will sich ihrer teils berechtigten Sorgen annehmen. Das ist sein demokratisches Recht und sogar seine Pflicht. Nur, dass dem Land mit einem ideologischen Scharfmacher nicht gedient ist. Ein Präsident soll für alle Amerikaner da sein. Er muss deshalb manchmal zu Kompromissen bereit sein und kann seiner Anhängerschaft nicht immer alles geben, was sie von ihm erwartet.

Das haben schon viele Präsidenten erlebt. Trump macht sich das zu wenig klar. Er bedient sich oft einer Rhetorik der verbrannten Erde, nicht nur im Ausland, sondern auch zu Hause. Mit seinen jüngsten Äußerungen dieser Art hat er dem Ungeheuer am rechtsextremistischen Rand neues Leben eingehaucht. Aber vielleicht ist ihm Charlottesville ja auch eine Lehre.

Der 20-jährige Fahrer des Wagens, der in eine Gruppe von Gegendemonstranten raste, wurde festgenommen.

Insgesamt 35 Verletzte infolge der Ausschreitungen

Terry McAuliffe, demokratischer Gouverneur von Virginia, erklärte zu den Rechtsextremisten: 

Ihr seid hier nicht willkommen. Geht nach Hause. Nehmt euren Hass und eure Vorurteile mit. Es gibt hier keinen Platz für euch, und es gibt keinen Platz für euch in Amerika.

Insgesamt wurden 35 Menschen verletzt, einige davon schwer. Alleine 19 Personen verletzte der 20-jährige Fahrer. Dieser wird sich wegen Totschlags, Körperverletzung und Fahrerflucht verantworten müssen. 

Die Demonstrationen von Charlottesville fanden unter dem Motto "Vereinigt die Rechte" statt. Daran nahmen mehrere tausend Menschen, unter anderem auch Angehörige des Ku-Klux-Clans teil. Julian Assange betonte, dass den rechten Amerikanern ein politisches Programm fehle. 

(rt deutsch/dpa)