US-Studie: Clinton hat Wahlen verloren, weil sie zu kriegstreiberisch ist

US-Studie: Clinton hat Wahlen verloren, weil sie zu kriegstreiberisch ist
Laut einer US-Studie hat Hillary Clinton ihre Niederlage bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016 ihrer kriegstreiberischen Haltung zu verdanken.
Für ihre überraschende Niederlage bei den US-Präsidentschaftswahlen hatte Hillary Clinton eiligst Russland die Schuld zugeschoben. Eine aktuelle Studie sieht das anders: Clintons Pro-Kriegshaltung habe die Demokratin die entscheidenden Stimmen gekostet.

Unmittelbar nach ihrer Niederlage bei den US-Präsidentschaftswahlen im November vergangenen Jahres hatte Hillary Clinton die Schuld bei Moskau gesucht.
Eine von Forschern der Universitäten Bostons und Minnesotas gemeinsam verfasste Studie kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass Clinton den Urnengang vielmehr aufgrund ihrer Pro-Kriegshaltung verloren hat. In dem 20-seitigen Papier heißt es:

Amerika befindet sich seit über 15 Jahren beständig im Krieg, aber nur wenige Amerikaner scheinen davon Notiz zu nehmen. Das liegt daran, dass der Großteil der Bürger keine direkte Verbindung zu den kämpfenden Soldaten hat, die bei ihrem Einsatz sterben oder verwundet zurückkommen. Zunehmend macht sich eine Spaltung zwischen jenen Gemeinden bemerkbar, deren junge Leute bei der Verteidigung des Landes ihr Leben lassen, und den Gemeinden, wo das nicht der Fall ist.

Trump habe im Wahlkampf besonders jenen "vergessenen Teil Amerikas" angesprochen, in dem der Tod von Soldaten aus der eigenen Gemeinde regelmäßig ein Thema ist. Laut der Studie gebe es einen "signifikanten und bedeutsamen" Zusammenhang zwischen der Unterstützung Trumps und den militärischen Opfern, die eine Gemeinde bringen musste.

Drei Bundestaaten waren für den Sieg Donald Trumps ausschlaggebend: Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. Denkbar knapp fiel sein Vorsprung dort aus, der ihm schließlich die Stimmen sämtlicher Wahlleute dieser Staaten einbrachte. Hätten einer dieser Staaten auch nur eine bescheiden geringere Opferrate erdulden müssen, dann wären sie nicht "von blau nach rot" geschwenkt – sie hätten also mehrheitlich für die Demokraten gestimmt und damit Hillary Clinton ins Weiße Haus befördert.

Die drei für Trumps Wahlsieg entscheidenden Bundesstaaten: Je mehr Kriegsopfer, desto höher fiel die Zustimmung für ihn aus.

Dieses Muster erkannten die Forscher nicht nur auf der Ebene der Bundesstaaten, sondern auch in den einzelnen Verwaltungsbezirken. Je mehr Kriegsopfer es in einem Bezirk gab, desto mehr Einwohner votierten für Trump. Dabei hatte der Immobilienmogul im Wahlkampf alles andere als einen grundsätzlich kriegskritischen Kurs gefahren. So drohte er, die Familienangehörigen von Terroristen töten zu lassen. Keinen Zweifel ließ er, wie er mit dem "Islamischen Staat" als Präsident verfahren würde: "I would bomb the shit out of them."

Doch im Präsidentschaftsrennen kritisierte Trump auch die Kriege gegen Irak (2003) und Libyen (2011) scharf. Seine Konkurrentin hatte hingegen für den Irak-Krieg gestimmt. Zudem war Hillary Clinton die treibende Kraft hinter der Intervention in Libyen, die das Land in Chaos und Gewalt gestürzt hat. Mit seiner Kritik an diesen Interventionen konnte der Milliardär bei Angehörigen des US-Militärs besonders stark punkten: Doppelt so viele gaben ihm im Vergleich zu Clinton bei den Präsidentschaftswahlen ihre Stimme.

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Die Studie merkt an, dass Trump kein Präzedenzfall darstellt. Schon sein Amtsvorgänger profitierte von der Kriegsmüdigkeit der US-Amerikaner: Barack Obama zog im Jahr 2008 auch deshalb ins Weiße Haus ein, weil er sich klar gegen den von seinem Vorgänger George W. Bush begonnenen Irak-Krieg positionierte. Die Forscher geben dem amtierenden Präsidenten noch eine Empfehlung mit auf dem Weg, "wenn er die Wahlen im Jahr 2020 wieder gewinnen will": "Trump sollte weiterhin äußerst sensibel mit dem Thema amerikanischer Kriegsopfer umgehen, sonst wird aus ihm nur ein weiterer Politiker, der die unsichtbare Ungleichheit bezüglich militärischer Opfer ignoriert."