US-Verteidigungsminister Mattis: Zivile Opfer unvermeidlich bei "Vernichtung des IS"

US-Verteidigungsminister Mattis: Zivile Opfer unvermeidlich bei "Vernichtung des IS"
Zivile Wohngebäude nach Bombardement durch die US-geführte Anti-IS-Koalition in Mosul, Irak.
Zivile Opfer im Krieg gegen den Terror seien "eine Gegebenheit des Lebens", sagte US-Verteidigungsminister James Mattis. Er betonte, dass die USA die "Guten" seien, die alles Menschenmögliche täten, um den IS unter minimalen Kollateralschäden zu vernichten.

Der höchste Beamte des Verteidigungswesens der USA äußerte sich in diesem Sinne jüngst gegenüber dem US-Fernsehsender CBS. In seinem Interview sprach er auch von einer "Beschleunigung des Tempos" der Anti-Terrorkampagne und über die Verwendung von "Vernichtungstaktiken" gegen den Islamischen Staat (IS).

Wir sind bereits von der Zermürbungstaktik abgerückt, bei der wir sie im Irak und in Syrien von einer Position zur anderen drängten, zu Gunsten einer Vernichtungstaktik bei der wir sie umzingeln. Unser Vorhaben ist, dass die ausländischen Kämpfer nicht nach Hause zurückkehren, den Kampf nicht überleben werden.

Symbolbild: Ein Motorrad-Fahrer zwischen zerstörten Gebäuden in der von Dschihadisten gehaltenen Stadt Deraa; 23. April 2017.

Zivile Opfer als kritischer Punkt

Auf die Frage, was mit den zivilen Opfern sei, die aus diesem erhöhten Tempo in der Bekämpfung resultieren würden, antwortete Mattis: "Zivile Opfer sind eine Gegebenheit des Lebens in dieser Situation." Jedoch insistierte er, dass das US-Militär versuche, zivile Opfer um jeden Preis zu vermeiden, sowie dass die USA dafür "alles Menschenmögliche tun im Rahmen der militärischen Notwendigkeiten".

Zu Beginn dieser Woche veröffentlichte das Pentagon die Ergebnisse seiner Untersuchung zu dem tödlichen Luftschlag, der am 17. März dieses Jahres stattfand und mehr als einhundert Zivilisten das Leben kostete.

Laut dem Bericht hatten Verantwortliche vor Ort Luftunterstützung gegen zwei Scharfschützen angefordert, die irakische Truppen von einem Dach aus beschossen. Die USA jedoch machten den IS für das Massaker verantwortlich. Den USA zufolge traf der Luftangriff ihrer Truppen ein Munitionslager und löste hierdurch eine sekundäre Explosion aus, die den Einsturz des Gebäudes zur Folge hatte, in dem sich die Zivilisten befanden. Im Zuge des Gesprächs hierüber stellte Mattis fest:

Das amerikanische Volk und das amerikanische Militär werden sich nie an zivile Opfer gewöhnen. Und wir werden – wir werden dagegen kämpfen und auf jede erdenkliche Weise unsere Geheimdienste und Taktiken einsetzen.

Anschließend wiederholte er die Erkenntnisse des US-Militärs zu "sekundären Explosionen" und beschuldigte die IS-Terroristen Zivilisten als Geiseln im Kreuzfeuer festzuhalten.

Wir sind die Guten", fügte er hinzu. "Wir sind nicht perfekt, aber wir sind die Guten. Und wir tun, was wir können."

Militärexperte Mardasow kritisiert die mediale Herangehensweise an die russische Luftkampagne in Syrien als

NGOs sind alarmiert

Die lokale Bevölkerung als Geiseln zu nehmen und als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen, ist tatsächlich eine brutale und häufig angewandte Taktik bei dschihadistischen Terrorgruppen. Allerdings berichten mehrere internationale Menschenrechtsorganisationen auch davon, dass die irakischen Truppen selbst wiederholt Bewohner Mossuls dazu aufgefordert hätten, in ihren Häusern zu bleiben, um "sicherer" zu sein.

Sie versuchten nicht, zu fliehen als die Schlacht voranschritt, da sie die wiederholt Anweisungen vonseiten der irakischen Behörden bekamen, in ihren Häusern zu bleiben", steht in einem kürzlich veröffentlichten Bericht Amnesty Internationals, der Überlebende von Luftschlägen zitiert, die Zivilisten das Leben kosteten.

Beweise, die vor Ort in Ost-Mossul gesammelt wurden, zeigen ein alarmierendes Muster von Luftangriffen der US-Koalition, welche ganze Häusern zerstörten mit ganzen Familien darin", sagte die Amnesty-International-Vertreterin Donatella Rovera.

Die offizielle Zahl von zivilen Opfern der US-geführten Kampagne zur "Vernichtung" des IS im Irak und Syrien liegt bei 352, wobei darin noch nicht die Opfer des 17. März miteinbezogen sind. Unabhängige Beobachter behaupten, diese Zahl läge um ein Vielfaches höher.

Airwars, eine britische NGO, die sich durch Spenden finanziert und ihre eigenen detaillierten Bewertungen zu den Berichten über Luftangriffe vornimmt, nennt eine Mindestzahl von 3.681 zivilen Opfern durch die Luftangriffe der US-geführten Koalition als Schätzwert. Außerdem merkte die Organisation an, dass die Zahl der zivilen Toten auf ihre höchste Zahl seit Beginn der Kampagne in den letzten Monaten angestiegen sei, korrespondierend zu der intensivierten Operation, um den westlichen Teil Mossuls zurückzuerobern.

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