"Derzeitige US-Politik wie ein Flugzeug, in dem Co-Piloten versuchen den Piloten zu übersteuern"

"Derzeitige US-Politik wie ein Flugzeug, in dem Co-Piloten versuchen den Piloten zu übersteuern"
Der politische Kommentator Martin Summers sieht einen tiefgreifenden Richtungskampf in der US-Regierung. Schriftsteller Charles Ortel spricht über Trumps Faible für konkurrierende Ratschläge. RT sprach mit beiden Experten über die politische Lage in den USA.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte jüngst, er habe keine Zweifel daran habe, dass Russland sich in die US-Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr eingemischt hätte - trotz des Mangels an offensichtlichen Beweisen.

Ich habe die Geheimdienst-Berichte gesehen, und ja, ich glaube nicht, dass es noch Zweifel an der Einmischung der Russen in unseren Wahlprozess gibt", sagte Tillerson in einem Interview mit NBC am Sonntag.

Allerdings wies der russische Außenminister Sergei Lawrow während seines Besuchs in Washington, D.C. vergangene Woche deutlich darauf hin, dass diese Behauptungen "Unsinn" seien und es keinen Beweis für die Anschuldigungen gäbe.

Herr Summers, was denken Sie über Tillerson, der jetzt sagt, dass es keinen Zweifel an der russischen Einmischung in die US-Wahlen gäbe, was im Widerspruch zu dem steht, was Trump sagt?

Es ist sehr schwierig, zu erarbeiten, was in der US-amerikanischen Politik im Augenblick vorgeht. Es gibt gewissermaßen einen eindeutigen, gigantischen Kampf um die Kontrolle des Flugzeugs: Die Co-Piloten versuchen sich über die Piloten hinwegzusetzen. Es muss für die russischen Diplomaten sehr frustrierend sein, die mit ihnen arbeiten müssen. Aber natürlich erzählen sie noch immer die Geschichte von Russlands Beeinflussung der US-Wahlen, was beim genaueren Betrachten eine lächerliche Behauptung ist. Und natürlich ist die Substanz dazu einfach nicht vorhanden.

Sie sahen Lawrow dort und er sagte im Grunde genommen, dass das eine dumme Behauptung sei. Ich fürchte, wir werden das weiter erdulden müssen. Ich denke, sie verwenden diese Art von Anschuldigungen, um ein Druckmittel gegen Trump und sein Team zu haben. Dieses wollen sie dazu einsetzen, um in den Beziehungen zu Russland eine konflikthafte Politik zu erhalten. Für die russische Seite ist es sehr schwierig, damit zurechtzukommen. Es ist nicht klar, mit wem man spricht und wie Vereinbarungen getroffen werden können, wenn die Leute ständig ihre Positionen ändern.

Wundert es Sie überhaupt, dass die westlichen Medien während des Lawrow-Besuches immer wieder die Behauptungen über die angebliche Einmischung in die US-Wahlen aufgriffen?

Das überrascht mich nicht. Es ist ein Informationsvirus, das sie auch bei den französischen Wahlen einsetzen. Es gibt sogar einige Texte darüber, dass russisches Hacking auch britische Wahlen, und zwar die Brexit-Abstimmung, beeinflusste. Und das, obwohl es viel mehr Anzeichen dafür gibt, dass US-Milliardäre die Brexit-Abstimmung in Großbritannien beeinflussten. [...] Das US-System ist ein bekanntermaßen korruptes System, in dem viel Einfluss und Einmischung passiert. Nicht zuletzt, weil Israel, Katar und Saudi-Arabien große Zahlmeister in der US-Politik sind. Die Russen versuchen zweifellos, die Dinge im eigenen Interesse zu beeinflussen, aber sie sind eher kleinere Akteure verglichen mit zum Beispiel den Israelis.

Sagten am Montag vor dem US-Senat aus: Der ehemalige Nationale Geheimdienstdirektor James Clapper und Ex-Justizministerin Sally Yates.

Der Ermittler und Autor Charles Ortel sagte, dass er die Geheimdienstberichte, auf die sich Tillerson bezieht, nicht gesehen habe, aber seiner Ansicht nach ist es Clintons "schreckliche Kampagne", die für ihre Wahlniederlage verantwortlich gemacht werden sollte.

Eins weiß ich durch meine Beobachtung des vollen Umfangs der Wahlkampagne ganz sicher, und zwar dass Hillary Clinton und ihre Berater eine grottenschlechte Kampagne geführt haben. Obwohl sie eine Menge an Vorteilen im Voraus hatten, an zusätzlichem Geld, an Präferenzen bei der journalistischen Elite, wurde sie dennoch deutlich von dem Neuling Trump geschlagen. Dieser hatte noch nie ein politisches Amt inne und gab viel weniger Geld [für seine Kampagne] aus. Sie führte eine schreckliche Kampagne", sagte er.

Anzunehmen, dass der Grund für Trumps Sieg und Hillarys Niederlage eine Einmischung [in den Wahlprozess] sei, ist zu diesem Zeitpunkt absurd. Es gibt wichtigere Dinge, die unsere Mainstream-Medien tun könnten, als wieder und wieder, und wieder dieses Thema hochzukochen. Es ist Zeit, gemeinsam zu denken. Russland und die USA. Die USA und andere Mächte in der Welt. Nachdenken darüber, was die wirklichen Probleme sind, die wir jetzt lösen können, statt ständig den Blick in den Rückspiegel zu richten sowie dieses müde und ehrlich peinliche Mem zu pflegen", fügte der Experte hinzu.

Die Angewohnheit der Trump-Regierung, sich ständig selbst zu widersprechen, meint Ortel, ist mit der Vorgeschichte des US-Präsidenten verbunden.

Ich habe gesagt bekommen, dass er konkurrierende Standpunkte zu jeder Frage hören möchte und auf diese Art und Weise sein Imperium aufbaute. So ist er daran gewöhnt, Turbulenzen und Widersprüche in seinem Team zu haben. Er hofft, dass die besten Beschlüsse aus den Widersprüchen entstehen werden. Es ist nicht unbedingt der klügste Weg, ein Land zu führen, aber es ist die Art, wie er sein Vermögen aufbaute", unterstrich Ortel.

ForumVostok
MAKS 2017