Das Töten optimieren: US-Spezialeinheiten testen Neurostimulation für bessere Kampffähigkeiten

Das Töten optimieren: US-Spezialeinheiten testen Neurostimulation für bessere Kampffähigkeiten
Symbolbild - US-Spezialeinheiten bei einem Schießtraining in den Philippinen, Mai 2002
Mittels "nicht-invasiver elektrischer Stimulation" will das Pentagon die Gehirne seiner Elite-Soldaten bearbeiten, um diese entsprechend zu optimieren und so über Personal zu verfügen, „das allen anderen Streitkräfte überlegen ist“. Ein Paradebeispiel für die Auswüchse zivil-militärischer Zusammenarbeit von Pentagon, US-Elite-Unis und Silicon Valley.

Bereits im Juli 2016 hatte der damalige US-Verteidigungsminister Ash Carter in Cambridge, Massachusetts, eine Zweigstelle des zivil-militärischen Start-Ups 'Defense Innovation Unit Experimental' (DIUx) eröffnet. Ein Jahr zuvor war vom Pentagon im Sillcon Valley der Hauptsitz von DIUx ins Leben gerufen worden. Erklärtes Ziel war es, ein zuvor für Spitzensportler entwickeltes Headset des Start-Up-Unternehmens Halo Neuroscience für Elitesoldaten weiter zu entwickeln und zu testen.

Über Elektroden in einer Art Kopfhörer werden laut Angaben von Halo Neuroscience die motorische Cortex im Gehirn mit transkranieller Magnetstimulation behandelt, um so das Erlernen von Bewegungsabläufen und Muskelaufbau zu verbessern. Das soll dadurch geschehen, dass die Neuronen mit schwachem Strom versetzt schneller und leichter reagieren und weniger schnell ermüden. In Folge wird das Gehirn "hyperplastisch", Verbessert werden alle Arten von motorischen Abläufen, folglich auch Handlungen wie Schießen, Fliegen oder das Lenken von Drohnen.

Kein Ponyhof: Der

Angeblich soll es nach Angaben von Pentagon und Halo Neuroscience damit bereits gelungen sein, die Ausbildung von Piloten und Scharfschützen um 50 Prozent zu beschleunigen. Die Verbindung der Zusammenarbeit von zivilen High-Tech-Unternehmen und dem US-Militär wird in Form des Defense Innovation Board (DOD) institutionalisiert und ausgeweitet.

Der Aufsichtsrat des DOD umfasst beinahe das gesamte Who-is-Who des privaten US-amerikanischen High-Tech-Sektors: Amazon Gründer und CEO Jeff Bezos, die Gründerin von Code for America Jennifer Pahlka, Googles Vize-Präsident für Breitband- und Fibernetzwerke Milo Medin, der CEO von Instagram Marty Levine und der Vize-Präsident von United Technologies Mike McQuade sowie eine Handvoll von renommierten Professoren der US-amerikanischen Ivy-League, wie etwa der Astrophysiker Neil deGrasse Tyson, der Computer-Theoretiker und MIT-Professor Danny Hillis sowie der Organisations-Psychologe Adam Grant.

Navy SEALs im Einsatz. Foto Quelle: navyseals.com

Laut dem US-Fachportal für aktive Soldaten und Veteranen Military.com sollen US-Navy-SEALS und andere Spezialeinheiten bereits die Elektrostimulation in Kooperation mit DIUx getestet haben. Insbesondere das Navy-SEAL-Team Six soll umfangreiche Tests mit DIUx durchgeführt haben. Laut Hauptmann Jason Salata, einem Sprecher des Seals-Kommandos, habe es positive Ergebnisse gegeben:

Erste Ergebnisse zeigen vielversprechende Resultate. Auf dieser Grundlage sind wir ermutigt, weiter mit unseren Studien voranzuschreiten.

Die Neurostimulation soll derzeit an fünf Militärbasen von Eliteeinheiten getestet werden.

Nach Angaben des Mitbegründers und technischen Leiters von Halo Neuroscience, Brett Wingeier, der die Testphase der Navy-SEALs begleitete, ist die Anwendung von Neurostimulation sicher und es seien bisher keine negativen Nebenwirkungen bekannt.

Andere Neurologie-Experten verweisen allerdings auf die bisher relativ kurzen Testphasen und warnen vor einer Unterschätzung der Gefahren durch diese Art von Neurostimulation.

Mit Neurostimulation völlig von der Leine gelassen? - Navy-SEALS bei einer Übung in Fort Pierce, Florida, 11. November 2011.

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