Nach United Airlines Skandal: Werbefilm führt zu Shitstorm

Nach United Airlines Skandal: Werbefilm führt zu Shitstorm
Proteste gegen die schlechte Behandlung David Daos in Illinois, USA, 11. April 2017.
Der Fall eines blutüberströmt aus einem Flugzeug gezerrten Mannes machte auf das Problem der Gewalt in der Zivilluftfahrt aufmerksam. Ein Anwalt reicht Klage ein. Ein Shitstorm zwang United Airlines indes, einen Werbespot für ein Festival zurückzuziehen.

Die US-amerikanische Fluglinie United Airlines ist Sponsor des Tribeca Film Festivals und hatte geplant, jeweils vor den Wettbewerbsfilmen ihren neuen Werbespot zu präsentieren. Nach einer Welle von Hohn und Spott hat sich die Unternehmensführung nun dazu entschlossen, den Spot nicht mehr auf dem Filmfestival zu zeigen.

In dem Reklamefilm zu sehen sind die Annehmlichkeiten in der "Polaris Business-Klasse". Die Zuschauer, denen aus Nachrichten und sozialen Medien die Geschichte des Gewaltopfers David Dao einhellig bekannt ist, brachen darob in höhnisches Gelächter aus, sodass die nachfolgenden Werbeblöcke das Publikum gar nicht mehr erreichten.

Dr. David Dao, ein 69-jähriger Arzt asiatischer Herkunft, wurde am 9. April gewaltsam aus dem Flugzeug einer United-Airlines-Maschine entfernt. Der Vorfall ereignete sich auf dem O'Hare-Flughafen in Chicago. Videos über die schlechte Behandlung verbreiteten sich rasant. Darin war zu sehen, wie Sicherheitskräfte den älteren Mann blutüberströmt aus dem Flugzeug zerrten.

Das Flugzeug war überbelegt und Dao sollte deshalb Platz für Crewmitglieder machen. Der Geschädigte bereitet nun gemeinsam mit seinem Anwalt eine Klage vor. Das Video fand prompt Mock-up-Nachahmer im Netz, die auf den Hype rund um United Airlines aufsprangen. Besonders beliebt schienen Selbstverteidigungskurse gegen die Airline.

Ein Crewmitglied von United Airlines schilderte unterdessen eine andere Version des Falls. Dieser Darstellung zufolge pöbelte Herr Dao und war auch körperlich gewalttätig. Er hätte sich selbst an der Armlehne verletzt, als er mit dem Mund auf diese fiel, bevor ihn ein anderes Crewmitglied aus dem Sitz zerrte. Vier Passagiere sollten Angestellten der Fluglinie weichen. Einer von ihnen war Dao, der sich aber weigerte, das Flugzeug zu verlassen.

Später tauchte aber noch ein weiteres Video auf, welches den Moment vor der Eskalation an Bord zeigt und in dem Dao versucht, das Crewmitglied von seinem Verbleib an Bord zu überzeugen:

Dao verlor im Zuge des Tumults zwei Zähne, zog sich eine Gehirnerschütterung zu und brach sich die Nase. Zunächst bezeichnete der CEO von United Airlines Dao als streitlustig. Später fand er beschönigendere Worte:

Niemand sollte auf diese Art und Weise schlecht behandelt werden.

United Airlines hat zudem allen Angestellten der Fluglinie einen Verhaltenskodex ausgehändigt. Zwei Mitarbeiter mussten schließlich ihr Amt niederlegen. 

Der Anwalt Dr. David Daos, Thomas Demetrio, wird sich auch des Falls einer Frau annehmen, die mit einem Kleinkind auf dem Arm von einem Flugbegleiter mit einem Kinderwagen geschlagen wurde, den dieser ihr zuvor gewaltsam entrissen hatte. 

Demetrio sieht United Airlines in der Verantwortung. Aufgabe des Unternehmens sei es, Sicherheit an Bord zu gewährleisten, und dies sei nicht geschehen. In einer Pressekonferenz sagte der Rechtsanwalt: 

Für eine lange Zeit haben Fluglinien - insbesondere United - uns misshandelt. [...] wir wollen Fairness in der Art und Weise, wie uns Menschen behandeln, Respekt und Würde, das ist alles. Vergessen sie das Gesetz für einen Augenblick. [...] Dr. Dao hat verstanden, dass er derjenige ist, der auch für andere Passagiere auftritt und sich ihrer Sache annimmt.

Mädchen mit Leggings verstoßen gegen United-Airlines-Richtlinien und werden nicht an Bord gelassen

Demetrio hofft auf eine internationale Diskussion über eine bessere Behandlung von Passagieren und zieht einen Vergleich hinsichtlich der Überbuchung von Fluglinien. Diese ist ein globales Problem, wie er sagt. Das unternehmerische Amerika habe noch nicht gelernt, wie mit Menschen umzugehen sei. 

Eine Boeing 737-800 von United Airlines musste am Montag wegen eines Motorenproblems in Costa Rica eine Notlandung vollziehen.