Don't cry for me: Goldman Sachs verabschiedet Trump-Wirtschaftsberater mit 285 Millionen US-Dollar

Don't cry for me: Goldman Sachs verabschiedet Trump-Wirtschaftsberater mit 285 Millionen US-Dollar
Ein Demonstrant protestiert gegen die engen Verbindungen zwischen Goldman Sachs und den US-Regierungen.
Goldman Sachs wird auch im Zeitalter der Regierung Trump seinem Ruf als Kaderschmiede für Regierungsposten gerecht. Der langjährige Investmentbanker Gary Cohn wird nun Chef des nationalen Wirtschaftsrates - und erhält ein großzügiges Abschiedsgeschenk.

Als künftiger Chef des nationalen Wirtschaftsrats wird Gary Cohn zu einem der wichtigsten Wirtschaftsberater des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Vor seiner Berufung arbeitete Cohn 25 Jahre für Goldman Sachs. Die Investmentbank versüßt dem ehemaligen Mitarbeiter und Vize-Chef den Abschied nun mit einem Bonuspaket über 258 Millionen US-Dollar.

Demnach erhält Cohn nach Angaben von US-Medien eine Sofortzahlung über 65 Millionen Dollar in bar. Darüber hinaus erhalten Cohn und seine Familienangehörigen 940.908 Goldman-Sachs-Aktien im Wert von umgerechnet 220 Millionen Dollar. Die New York Times spricht von einer "taktischen Ermutigung" eines weiteren früheren Vorstandsvorsitzenden dahingehend, eine einflussreiche Position in der Trump-Regierung zu übernehmen.

Die Abfindung wird damit begründet, dass es Cohn damit möglich sei, seine Aktien-Anteile noch vor Amtsantritt abzustoßen und somit nicht gegen Ethikrichtlinien zu verstoßen. Dazu der Goldman Sachs Sprecher Jake Siewert:

Wir haben diese Maßnahmen ergriffen, um es ihm zu ermöglichen, einen Interessenkonflikt zu vermeiden.

Einen Teil seiner Goldman-Sachs-Aktien muss Cohn nun aus diesem Grund verkaufen. Es ist jedoch zu bezweifeln, dass dies der Vermeidung eines Interessenkonflikts entgegenwirkt. So wäre ihm unter anderem ohne seinen Wechsel der Verkaufserlös erst im Laufe der kommenden Jahre ausbezahlt worden. Anteile Cohns in Private Equity und Hedge Fonds wurden von Goldman Sachs zurückgekauft.

Die Beschleunigung des üblichen Verfahrens der Investmentbank im Falle Cohns erregt derzeit die US-amerikanischen Gemüter. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob ehemalige Mitarbeiter, die in den Staatsdienst wechseln, eine Vorzugsbehandlung erhalten und ob dies womöglich auch umgekehrt für Mitarbeiter gilt, die Regierungsposten erhalten.

Ein Gehalt möchte Cohn in seiner neuen Position als Wirtschaftsberater Trumps nicht beziehen. Dazu Richard W. Painter, Professor an der Universität Minnesota:

Sie spielen ein Spiel, damit sich die Person auch weiterhin der Bank verpflichtet fühlt. Wenn Goldman Sachs das vertragliche Recht besitzt, die Aktienpakete einzubehalten, aber es dir von Fall zu Fall im Grunde immer erlaubt, diese zu behalten, dann wird das üblicherweise eine "außerordentliche Zahlung" genannt.

Der designierte US-Präsident Donald Trump: Trojanisches Pferd der Finanzelite?

Sollte es sich im Falle Cohns nun tatsächlich um eine "außerordentliche Zahlung" handeln, könnte eine zweijährige Sperre von der Behandlung aller Angelegenheiten, die Goldman Sachs betreffen, die Folge sein. Bislang steht für Cohn jedoch offensichtlich nicht zu befürchten, dass diese Bestimmung auf ihn Anwendung findet.

Derweil könnte der Zeitpunkt für eine Trennung aus Sicht von Cohn kaum günstiger sein, denn der Aktienkurs der Bank bewegt sich seit dem Wahlsieg Trumps aktuell in der Nähe eines Allzeithochs.

Als Vize hinter dem Vorstandsvorsitzenden Lloyd Blankfein war Cohn bislang als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft der Investment Bank zuständig. Mit Cohn besetzt Trump bereits die dritte Position mit einem Goldman-Sachs-Banker. Finanzminister Steve Mnuchin arbeitete für das Unternehmen, ebenso wie Trumps Chefstratege im Weißen Haus, Stephen Bannon. Der künftige US-Außenminister Rex Tillerson erhält von seinem bisherigen Arbeitgeber Exxon Mobil zum Abschied etwa 180 Millionen US-Dollar.

ForumVostok
MAKS 2017