Fragiler Wissensstand bei US-Geheimdienstchef über RT: "Ich glaube, es gibt einen RT-Kanal hier"

Fragiler Wissensstand bei US-Geheimdienstchef über RT: "Ich glaube, es gibt einen RT-Kanal hier"
Geheimdienst-Direktor James Clapper bei einer Anhörung im Februar 2016
US-Geheimdienstkreise äußerten sich in Washington über eine angebliche russische Einmischung in die Wahl 2016. Dadurch machten sie Gratis-Werbung für RT. Über den Sender, dessen Reichweite und Sendungen sind sie jedoch möglicherweise nicht ganz im Bilde.

Der Direktor der nationalen Nachrichtendienste, James Clapper, CIA-Direktor John Brennan, NSA-Direktor Admiral Michael Rogers und FBI-Direktor James Comey sagten am Dienstagnachmittag vor dem Geheimdienstausschuss des Senats über einen kürzlich freigegebenen Bericht aus. Dieser hatte Vorwürfe, Russland hätte sich in die US-Präsidentschaftswahlen eingemischt, zum Gegenstand.

Die "vielschichtige" russische Kampagne vermische Propaganda, namentlich durch RT, mit verdeckten Geheimdienstoperationen, inklusive Cyberaktivitäten, offiziellen Anstrengungen der Regierung, dritten Parteien als Mittelsmännern und "bezahlten Social-Media-Nutzern und Trolls".

Erfolgreicher Hoax: Die Spaßvögel von 4chan trollten Trump, die CIA und den gesamten Mainstream.

Es wurde allerdings noch während der Anhörung klar, dass weder die Geheimdienstchefs noch die Senatoren ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Offenbar hatten sie es vollständig unterlassen, sich überhaupt über den von ihnen angeprangerten Kanal zu informieren.

Als gefragt wurde, ob es möglich sei, RT mit CNN, MSNBC oder Fox News zu vergleichen – wie Generalleutnant Michael Flynn es tat, den President-elect Donald Trump als seinen Nationalen Sicherheitsberater eingeplant hat und der bei RT auch schon Gast war – antwortete Clapper den Senatoren, dass RT seine Redaktionslinie direkt von der russischen Regierung erhalte.

Für mich ist der Hauptunterschied hier, dass die Finanzierung von RT durch die russische Regierung erfolgt und diese auch die redaktionelle Linie vorgibt, was RT zu senden hat", sagte Clapper. "Ich denke, das ist ein bisschen anders als bei CNN."

Ab dann wurde Clappers Information über RT ein bisschen ... konfus. Er meinte, der Kanal sei "sehr einflussstark in Europa", aber nicht so sehr in den USA.

"Ich glaube, es gibt einen RT-Kanal hier", mutmaßte Clapper gegenüber dem Senator Roy Blunt (Missouri), der für "einige" Leute erreichbar sei.

Ich bezweifle, dass die Zuschauerschaft sehr groß ist. Ich will RT nicht verteidigen, ich denke, es ist ein Propagandainstrument einer Regierung, die definitiv nicht auf unserer Seite steht, und wir müssen uns dessen bewusst sein.

Jedoch gab Senator Angus King (Maine) in der Anhörung auch eine andere Meinung zu Protokoll:

RT America hat Millionen von Klicks bei YouTube – 850 Millionen – BBC rund zwei Drittel davon, CNN signifikant weniger. Das gleiche bei YouTube-Subscribern: RT America hat 450 Millionen. Daher ist RT ein signifikantes Medienunternehmen.

Wird hier die US-Wahl entschieden? RT-Mitarbeiter bei der Arbeit.

Allerdings sind auch Kings Zahlen nicht korrekt. RT hat derzeit insgesamt ungefähr vier Milliarden Views. Der YouTube Channel jedoch hat nur zwei Millionen Subscriber. Allerdings war die Zahl von 450 Millionen so oder so übertrieben, da der Kanal mit den meisten Subscribern – PewDiePie – nur 52,2 Millionen hat, laut den Daten von Socialblade. In Sachen Nachrichtensender abseits von YouTube Spotlight belegt RT den 5. Platz bei den Views und den 7. bei den Subscribern.

Als Fernsehkanal ist RT für 700 Millionen Menschen in mehr als 100 Ländern auf fünf Kontinenten erreichbar. In den USA wird es von Kabelanbietern in diversen Metropolregionen angeboten, inklusive New York und New Jersey außerhalb von New York City; außerdem in Kaliforniens Metropolregionen um Los Angeles, San Diego und San Francisco; in Chicago, Philadelphia, Pennsylvania, Washington, D.C. und dessen Umgebung sowie Toledo im Staat Ohio. Der Kanal ist auch über das Dish-Netzwerk empfangbar, einen Satellitenanbieter.

Twitter-Nutzer rügten Clapper dafür, die Details zu RTs Reichweite nicht zu kennen - obwohl der Sender so häufig in dem am Freitag veröffentlichten Bericht des Amtes für Nationale Sicherheit vorkommt, dessen Direktor er ist.

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