Die unendliche Geschichte von In-Out-In: US-Soldaten kehren nach Afghanistan zurück

Die unendliche Geschichte von In-Out-In: US-Soldaten kehren nach Afghanistan zurück
Nach weniger als drei Jahren kehren amerikanische Soldaten zurück in die afghanische Provinz Helmand, die fast vollständig unter der Herrschaft der Taliban ist. Terraingewinne der Taliban und eine Heroinschwemme spielen dabei eine entscheidende Rolle.

von Olga Banach

Korea, Vietnam, der Golfkrieg, Syrien, Irak und immer wieder Afghanistan: Die US-Streitkräfte haben nach dem glorreichen Sieg im Zweiten Weltkrieg keinen ihrer internationalen Kriege mehr dauerhaft gewinnen können. Vor allem der Konflikt in Afghanistan scheint die Amerikaner länger zu beschäftigen, als ihnen lieb ist.

Das Land, gezeichnet von nie endenden Konflikten, steht noch immer kurz vor dem Kollaps. Nun sollen entgegen der ursprünglichen Absicht der scheidenden Regierung Obama doch wieder neue amerikanische Truppen stationiert werden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Afghanistan, 22.12.2016.

Nach dem Abzug der NATO-Truppen aus der afghanischen Provinz Helmand im Jahr 2014 fiel das Gebiet zu 85 Prozent in die Hände der Taliban. Strategisch wichtig ist es durch seine Opiumproduktion, die den Glaubenskrieg der Taliban finanziert. Der erwirtschaftete Umsatz lässt sich auf jährlich etwa vier Milliarden Dollar beziffern.

Die Provinzhauptstadt Lashkar Gah konnten die Taliban bislang nicht einnehmen. An Kämpfernachschub mangelt es den Radikal-Islamisten jedoch nicht und so strömen mehr und mehr Gotteskrieger zu Tausenden in die Provinz, um die Region abzusichern. Die schwindende Moral aufseiten der US-Soldaten und den afghanischen Streitkräften angesichts eines nie endenden Kampfes, in dem es keine Sieger gibt, stellt ein zunehmendes Problem dar. Die Vermischung von Taliban und Nicht-Taliban-Kämpfern in Bezug auf die Opiumgeschäfte machen die Befreiung von den Besatzern zusätzlich schwierig, da auch die Bewohner selbst an den Profiten aus dem Drogenhandel teilhaben.

In der Pressemitteilung der U.S. Marine Corps heißt es:

Die Marinesoldaten haben eine Einsatz-Geschichte in der Provinz Helmand. Die Unterweisung und Assistenz der afghanischen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte wird dabei helfen, gemeinsam mit den Afghanen Fortschritte zu erreichen.

US-Marines urinieren auf getötete Taliban-Kämpfer, 11. Januar 2011.

Der Schritt unterstreiche zudem die Verbundenheit der Afghanen mit den US-Streitkräften. Obama hatte 2014 verkündet, dass amerikanische Streitkräfte künftig nur noch zur Sicherung der Botschaft in Afghanistans Hauptstadt Kabul stationiert bleiben sollen. Die übrigen noch im Land verbliebenen 8.400 US-Soldaten und 983 deutschen Bundeswehrangehörigen dienen offiziell der Unterstützung der afghanischen Streitkräfte in ihren Anti-Terror-Einsätzen.

Ein US-Soldat nach dem Absprung aus einem UH-60 Blackhawk Helikopter in der Nähe von Jalalabad, Nangarhar Provinz, Afghanistan; 20 Dezember 2014.

Die deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen musste jüngst bei ihrem Besuch in Afghanistan feststellen, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan trotz der internationalen Militärpräsenz stetig verschlechtert habe. Nicht zuletzt der Angriff auf das deutsche Generalkonsulat Mazar-i-Sharif war ein Indiz hierfür.

Doch ist es nur die Sicherheitslage in der den USA so fernen Provinz Helmand, die die Amerikaner zum Eingreifen bewegt? Die USA sehen sich zunehmend mit Heroin überflutet, das aus Afghanistan stammt. Die Droge ist in ihrer Beschaffung günstig und tödlich. Der Krieg gegen den Terror ist mit dem gegen die Drogen eng verbunden. Afghanistan liefert alljährlich 6.400 Tonnen Heroin an Abnehmer in aller Welt.

Die Taliban äußerten sich in Anbetracht der Nachrichten von der Rückkehr der US-Soldaten erfreut. Es handle sich um eine willkommene Herausforderung. Ein afghanisches Sprichwort besagt: "Es ist der Frühling, der das Jahr voraussagt." Die Blüte der Mohnfelder wird in Helmand voraussagen, ob es ein gutes Jahr für die Taliban werden wird. Die Provinz war die erste Region, in der 2001 US-Soldaten stationiert wurden.