"Putin ist nicht in unserem Team" - Obama fordert Trump auf, US-Geheimdiensten zu vertrauen

"Putin ist nicht in unserem Team" - Obama fordert Trump auf, US-Geheimdiensten zu vertrauen
"Die Russen kommen": Wenige Tage vor seinem Ausscheiden aus dem US-Präsidentenamt schwört Barack Obama die Öffentlichkeit noch einmal auf einen verbindlichen Klassenstandpunkt ein.
Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat in einer Rede das US-amerikanische Volk und Nachfolger Donald Trump aufgefordert, Russlands Präsidenten Wladimir Putin als "Gegner" anzusehen. Den Erkenntnissen der US-Geheimdienste sei dabei zu vertrauen.

Im Gespräch mit dem US-Fernsehsender ABC sprach der scheidende US-Präsident Barack Obama über seine feste Überzeugung, dass Moskau auf die eine oder andere Art daran beteiligt gewesen wäre, Trump in das Oval Office zu verhelfen. Das Interview fand infolge der Veröffentlichung von Berichten der US-Geheimdienste über eine angebliche Einmischung Russlands in die US-Präsidentschaftswahlen statt.

Müde und grau: Präsident Barack Obama auf der letzten Pressekonferenz des Weißen Hauses im Jahr 2016. Aufnahme vom 16. Dezember 2016.

Ich denke, es ist wahr, dass sich die Russen einmischen wollten und es taten", sagte Barack Obama in der populären Fernsehshow "This Week" am Sonntag.

Der scheidende US-Präsident sprach über die Notwendigkeit, die Vereinigten Staaten inmitten einer Cyber-Hysterie wieder zu vereinen. Diese Hysterie soll von Russland ausgelöst worden sein.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Internationale Angelegenheiten im Russischen Föderationsrat, Konstantin Kosatschew, kritisierte, Obamas Bemühungen, die Wahlniederlage der Demokratischen Partei an Russland und Putin festzumachen, zeige das völlige Versagen der US-Politik beim Versuch, eine globale Hegemonialmacht zu sein.

Obamas verzweifelten Bemühungen deuten in Wirklichkeit auf das völlige Versagen der US-amerikanischen Hegemonialpolitik und wichtige systemische Verschiebungen in der globalen Politik hin. Das hat wenig mit Trumps Sieg über Clinton zu tun", führte Kosatschew in einer Erklärung auf Facebook aus.

Der gewählte Präsident Trump wies die Aussagen zurück. Er wiederholte seine Einschätzung, dass Cyberangriffe und Leaks vom Server der Demokratischen Partei "absolut keine Auswirkung auf das Wahlergebnis hatten".

Unterdessen mahnte der scheidende Präsident seinen Nachfolger, dieser möge die Einschätzungen der Nachrichtendienste doch bitte ernster nehmen. "Eines der Dinge, die ich dem neuen Präsidenten ans Herz gelegt habe, ist eine starke Zusammenarbeit mit den nationalen Geheimdiensten", sagte Obama. "Ich halte es für wichtig, dass der Kongress über die Parteigrenzen hinweg mit der nächsten Regierung zusammenarbeitet und darauf achtet, dass diese Art von Einfluss minimiert wird."

Die offenbar zunehmende Popularität des Präsidenten der Russischen Föderation auch in Teilen der US-amerikanischen Bevölkerung veranlasst den Noch-Hausherren der 1600 Pennsylvania Avenue zudem, die gesamte politische Klasse noch einmal auf das erwünschte Feindbild einzuschwören.

Wir müssen uns daran erinnern, dass wir im gleichen Team spielen. Wladimir Putin ist nicht in unserem Team", fügte Obama hinzu. "Wenn wir an einem Punkt ankommen, wo die Menschen in diesem Land mehr Affinität zu einem Führer entwickeln, der unser Gegner ist, die USA und unsere Lebensweise als Bedrohung betrachtet, dann werden wir größere Probleme haben als nur Cyber-Angriffe. Das kann nicht sein", betonte der demokratische Präsident.

Auf ungewohntes Misstrauen stoßen US-amerikanische Geheimdienste bislang beim designierten Präsidenten Donald J. Trump.

Auf die Frage, ob er den russischen Präsidenten persönlich unterschätzt hat, gab Obama zu, dass er das Ausmaß der Reaktion der US-amerikanischen Öffentlichkeit unterschätzt hat.

Ich glaube nicht, dass ich ihn unterschätze, aber ich glaube, dass ich das Ausmaß, von Fehlinformationen, Cyber-Angriffen und anderen Dingen auf unsere offene Gesellschaft und unsere Offenheit unterschätzt habe", sagte er.

Obama versuchte dann, seinen Beitrag zum Export der Anti-Russland-Hysterie des US-Establishments zu leisten, indem er Deutschland und Frankreich mahnte, die russische Hand in ihrem politischen Prozess nicht zu unterschätzen. Er warnte Paris und Berlin davor, dass die Russische Föderation sich auch in die bevorstehenden Wahlkämpfe ihrer Länder einmischen könnten.

Es geht darum, zu verstehen, was Putin seit einiger Zeit auch in Europa macht. Er begann in den ehemaligen Satellitenstaaten, wo es viele Menschen gibt, die Russisch sprechen. Zunehmend ist er auch in westlichen Demokratien aktiv", beschrieb das scheidende US-Staatsoberhaupt die angebliche Strategie der Machtprojektion aufseiten des russischen Präsidenten.

Am vergangenen Freitag veröffentlichte das Büro des Direktors der Nationalen Geheimdienste (ODNI) den Bericht unter dem Namen "Bewertung russischer Aktivitäten und Absichten bei den jüngsten US-Wahlen", auf den sich Präsident Obama stützt.

Angesichts zunehmender Skepsis gegenüber angeblichen "russischen Hacker-Angriffen" präsentierte die US-Regierung diesen Bericht unter Berufung auf die nationalen Geheimdienste. Fraglich ist, warum sich diese auch in dieser Publikation keiner harten oder technischen Beweise bedienten. Der Bericht beschränkt sich darauf, Moskau und auch RT als Nachrichtensender zu beschuldigen, die "amerikanische öffentliche Meinung zu beeinflussen".