Lebenserwartung in den USA sinkt zum ersten Mal seit 1993

Lebenserwartung in den USA sinkt zum ersten Mal seit 1993
Die obersten 0,1 Prozent der Bevölkerung besitzen so viel wie die übrigen 90 Prozent zusammen. Möglicherweise ein Faktor, der die Lebenserwartung in den USA beeinflusst.
Erstmals seit 1993 weist die Statistik zur Lebenserwartung in den USA wieder einen Knick auf. Vor allem acht der zehn häufigsten Todesursachen ereilen Menschen wieder früher. Auch die Zahl der Drogentoten erreicht einen neuen Höchststand.

Die US-amerikanische weiße Mittelschicht stirbt immer früher. Bereits im April 2016 hatte eine Studie aufgezeigt, dass die werktätige weiße Mittelschicht im ländlichen Amerika aus dem Trend einer immer höheren Lebenserwartung ausschert. Nun belegt eine neue Studie, dass zum ersten Mal seit 1993 auch die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt innerhalb der gesamten Bevölkerung der USA gesunken ist.

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Im Gegensatz zu der Studie im Frühling 2016, in der sich Drogen-, Alkoholmissbrauch und Selbstmord in ausschlaggebender Weise bemerkbar gemacht haben, kommt die neue Studie zu einem differenzierten Bild. Bei acht der zehn häufigsten Todesursachen stieg die Sterblichkeit an. Das betrifft Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen, Unfälle inklusive Überdosen, Schlaganfälle, Alzheimer, Diabetes, Lungenentzündungen, Grippe und Selbstmord.

Nur bei Krebserkrankungen ging die Sterberate zurück. Das wird auf die bessere Früherkennung zurückgeführt. Und darauf, dass weniger geraucht wird. Die "Washington Post" schlüsselte die Studie des Statistikzentrums der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) noch weiter auf und belegte, dass vor allem weiße Frauen und Männer und schwarze Männer eine höhere Sterblichkeit aufweisen. Schwarze Frauen sowie Latinos und Latinas sind von dem Trend nicht betroffen.

Unverändert blieb auch die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren. Das bedeutet, dass die gesunkene Lebenserwartung bei der Geburt vor allem die jüngeren Altersgruppen betrifft. In dem Internetmagazin "Vox" erklärt der Autor der Studie, Jiaquan Xu, dass die genauen Gründe für den Rückgang der Lebenserwartung noch unklar sind. Sollte sich der Trend fortsetzen, könne vielleicht eine spätere Studie Licht ins Dunkel bringen, so Xu.

Noch 2014 hatte ein Neugeborenes in den USA im Schnitt 78,9 Lebensjahre vor sich. Im Jahr 2015 waren es hingegen nur noch 78,8 Lebensjahre. Am schärfsten stieg die Sterberate bei den Folgen der Alzheimer-Erkrankung: von 25,4 auf 29,4 pro 100.000 Menschen. Ein immenses Problem stellt auch nach wie vor die Abhängigkeit von Opiaten dar.

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Laut den Statistiken des CDC starben in den USA erstmals mehr als 50.000 Menschen jährlich an Überdosen von Betäubungsmitteln. Damit sind in den USA mehr Menschen an einer Überdosis gestorben als bei Verkehrsunfällen (33.757). Die größte Zunahme erfolgte dabei mit fast 75 Prozent mittels synthetischer Opiate. Laut der "Washington Times" übertraf die Zahl der tödlichen Heroin-Überdosen mit
12.989 im letzten Jahr erstmals jene der Todesopfer durch Schusswaffengebrauch (12.979).

Experten gehen davon aus, dass die sinkende Lebenserwartung auch einen Zusammenhang mit den gravierenden Einkommensunterschieden und mit Arbeitslosigkeit haben könnte. Eine Studie von Ökonomen und Soziologen der Universitäten Stanford, Harvard und Berkeley zeigt, dass vor allem in der Mittelschicht die Chancen für Kinder, als Erwachsene besser leben zu können als ihre Eltern, abgenommen haben.

Das rührt stark am US-amerikanischen Mythos des "American Dream". Laut der Studie ist dieser Traum für eine Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr realistisch. In den USA konzentrieren sich die Einkommen zunehmend auf die reichsten zehn Prozent. Über 13,8 Millionen US-Amerikaner leben derzeit in Gegenden mit extremer Armut. Im Jahre 2000 waren dies erst 7,2 Millionen. Die US-Statistikbehörde meldet fast 47 Millionen arme US-Amerikaner im Jahr 2014. Dies entspricht annähernd 15 Prozent der Gesamtbevölkerung.