Ehemaliger US-Botschafter Bolton: "Hackerangriffe könnten auch False Flag der US-Regierung sein"

Ehemaliger US-Botschafter Bolton: "Hackerangriffe könnten auch False Flag der US-Regierung sein"
Zweifelt an Russlands Einmischung: Der ehemalige US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton.
Der eigentlich als neokonservativ geltende US-Diplomat John Bolton vertraut den Angaben der Geheimdienste über eine angebliche russische Verwicklung in die DNC-Hacks nicht. Die Dienste seien stark politisiert worden. Er hält auch eine False Flag für möglich.

John Bolton, ehemals US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, erklärte, die Hacker-Attacken gegen die beiden großen US-amerikanischen Parteien könnten auch eine False-Flag-Operation der Obama-Regierung sein. Verschiedene westliche Geheimdienste machen derzeit erneut Russland für Cyberangriffe verantwortlich, die sich in der Zeit des US-Wahlkampfs gegen die Vorstandsetagen der Demokraten und der Republikaner gerichtet hatten.

Gegenüber Fox News erklärte Bolton am Sonntag:

Wir müssen alle Fakten kennen und für mich ist längst nicht klar, ob die Hackerangriffe auf Computer der Demokratischen Partei und der Republikaner nicht auch eine False-Flag-Operation gewesen sein können.

In Anlehnung an FBI-Direktor James Comey betonte Bolton, es wurden im Zusammenhang mit dem Angriff auf das Democratic National Committee (DNC) keine Belege für das Eindringen ausländischer Geheimdienste gefunden und "ein wirklich professioneller Dienst würde auch keine digitalen Fingerabdrücke hinterlassen", wie sie bei den Hacks auf das US-Wahlsystem gefunden wurden.

Auf Nachfrage, ob Bolton mit dem Begriff False Flag impliziere, dass die US-Regierung eine Rolle bei den digitalen Angriffe gespielt habe, erklärte der ehemalige Diplomat:

Wir wissen es schlichtweg nicht.

Darüber hinaus bezeichnete er die Geheimdienste unter der Regierung Obama als "bis zu einem hohen Maße politisiert".

Laut Bolton bestehe die Notwendigkeit für eine Untersuchung, die auch die Frage stellt, "wer noch ein Interesse haben könne, die US-Wahlen zu beeinflussen und warum diese Akteure digitale Spuren hinterlassen, die auf Russland weisen".

"Wenn sie der Meinung sind, die Russen haben dies getan, warum hinterlassen diese dann Fingerabdrücke?", fragte Bolton wiederholt.

Derweil beschuldigt die US-Regierung offiziell Russland, für die Cyberattacken auf das DNC im Oktober verantwortlich zu sein. Man sei überzeugt, Moskau habe die Hacks autorisiert. Die russische Regierung bezeichnete die Anschuldigungen als "Unfug" und hat wiederholt jede Verwicklung in den US-Wahlkampf oder die DNC-Hacks zurückgewiesen.

"Glaubt irgendjemand wirklich, dass Russland in irgendeiner Weise die Entscheidung des amerikanischen Volkes beeinflussen kann?", entgegnete Russlands Präsident Wladimir Putin entsprechenden Anschuldigungen bereits im Oktober. Im November erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow gegenüber der italienischen Zeitung Corriere della Sera, die ganze Geschichte sei "im Bereich der Mythen" angesiedelt.

Während die Hackerangriffe auf Computer der Demokratischen Partei im Vorfeld der Wahlen umfangreich in den Medien thematisiert wurden und vor allem die Veröffentlichung tausender E-Mails von Hillary Clintons Kampagnenmanager John Podesta für großes Aufsehen sorgte, finden Berichte über einen ähnlichen Einbruch bei der Republikanischen Partei – wie von Bolton angesprochen – erst in jüngster Zeit Verbreitung. Das Vorstandskomitee der Republikaner bestreitet gleichsam, dass ein solcher Hack überhaupt stattgefunden habe.