Kanadischer Premierminister Trudeau bricht Wahlversprechen und genehmigt Pipeline-Bau

Kanadischer Premierminister Trudeau bricht Wahlversprechen und genehmigt Pipeline-Bau
Der kanadische Premierminister Justin Trudeau während einer Konferenz in Ottawa. Kanada, 29. November, 2016
Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat zwei umstrittene Pipeline-Projekte gebilligt. Die Trans Mountain Pipeline und die Line 3 Pipeline. Schon im Vorfeld war es zu massiven Protesten von Ureinwohnern und Umweltaktivisten gekommen.

Nach North Dakota in den USA nun Kanada: Der Beschluss der kanadischen Regierung, zwei umstrittene Pipelineprojekte zu genehmigen, stößt bei Ureinwohnern und Umweltaktivisten auf heftige Kritik. Bei den genehmigten Pipeline-Projekten handelt es sich um die Trans Mountain Pipeline der Firma Kinder Morgan und der Line 3 Pipeline des Unternehmens Enbridge.

Die 6,8 Milliarden Kanadische Dollar (rund 4,7 Milliarden Euro) teure Trans Mountain Pipeline soll hochgiftigen Ölsand über eine Strecke von über 1.600 Kilometern transportieren. Bei der zweiten Pipeline, Line 3, die mit 7,5 Milliarden kanadischen Dollar (rund 5,2 Milliarden Euro) Baukosten veranschlagt ist, wird der Ölsand durch 4 kanadische Provinzen und den US-amerikanischen Bundesstaat Wisconsin transportiert.

Premierminister Trudeau sprach im Zusammenhang mit der Trans Mountain Pipeline davon, dass sich durch den Bau die Kapazitäten für die Ausfuhr von kanadischen Energieressourcen an internationale Märkte jenseits der USA verdreifachen würden. Zudem erfülle die Pipeline die „striktesten Umweltstandards.“ Die Trans Mountain Pipeline von den Ölsänden der Provinz Alberta zur Westküste der Nachbarprovinz British Columbia soll um eine weitere Leitung ergänzt werden.

Auf diese Weise soll die Kapazität von derzeit 300.000 Barrel Öl pro Tag auf 890.000 erhöht werden. Gegen das Projekt regt sich in British Columbia, dem Geburtsort der Greenpeace-Bewegung, jedoch vehementer Widerstand von Naturschützern und Ureinwohnern. Der Bürgermeister von Vancouver, Gregor Robertson, zeigte sich enttäuscht von Trudeaus Entscheidung. Sie bedeute, dass künftig sieben Mal mehr Öltanker in den Gewässern vor seiner Stadt auftauchen würden.

Der US-amerikanische Klimaforscher Jim Hansen spricht gar von einem „Game Over“ für den Planeten. Bei geschätzten 1,1 Millionen Barrel am Tag, würde das Projekt täglich 80.000 Tonnen Kohlendioxid produzieren. Und zusätzlich 2,64 Millionen Barrel Frischwasser pro Tag verschmutzen. Die Extraktion von Ölsand gilt als extrem wasserintensiv.

Das Oberhaupt der Hunkpapa-Lakota-Sioux, Sitting Bull, und Offizier George Armstrong Custer vom 7. US-Kavallerie-Regiment.

Während seines Wahlkampfes hatte sich Trudeau noch als sensibel gegenüber Fragen der Umwelt und der Ureinwohner präsentiert. Trudeau hatte versprochen, eine „neue Beziehung“ zu den Ureinwohnern aufzubauen. Zudem wollte er ein „global leader“ bei der Frage des Klimawandels werden. Nun ist die Enttäuschung groß.

Der Führer der Ureinwohnerorganisation „BC Indian Chiefs“ nannte Premierminister Trudeau einen „notorischen Lügner.“ Charlene Aleck, die Sprecherin des indigenen Volk der Burrard, das zwischen Nord- und West-Vancouver lebt, sagte, dass die Entscheidung ein „großer Fehler“ sei. Und dass man juristisch gegen die Entscheidung vorgehen werde. Sie betonte:

„Die Genehmigungen sind illegal. Sie werden vor Gericht nicht standhalten. Hier geht es ums Überleben und um den Schutz unserer Heimat und des Planeten. Sie machen einen großen Fehler. Wir werden nicht gestatten, dass diese Pipeline gebaut wird.“

Von Umweltaktivisten wurde die Entscheidung der kanadischen Regierung als „Kriegserklärung“ bezeichnet. Bei der Entscheidung zu einem dritten Pipeline-Projekt ging Trudeau indes auf Bedenken ein und verweigerte dem Projekt die Genehmigung. Die Enbridge Northern Gateway Pipeline hätte täglich 525.000 Barrel Öl von Bruderheim in Alberta nach Kitimat in British Columbia transportieren sollen. Das Öl sollte nach Asien geliefert werden, hauptsächlich nach China.

Die Pipeline hätte jedoch durch den an der Nordküste von British Columbia gelegenen Regenwald Great Bear geführt. Zudem kündigte Trudeau ein Gesetz an, das Rohöltankern das Befahren der Region verbieten solle. Der Great Bear Regenwald sei kein Ort für eine Pipeline, erklärte der Premierminister.