„Arbeiter jahrzehntelang ignoriert“ – Noam Chomsky zum Wahlsieg von Trump

„Arbeiter jahrzehntelang ignoriert“ – Noam Chomsky zum Wahlsieg von Trump
Der US-amerikanische Linguistik-Professor und Intellektuelle Noam Chomsky, Mexiko-Stadt, Mexiko, 21. September 2009.
Er ist einer der international bekanntesten politischen Denker der USA, Noam Chomsky. Der emeritierte Linguistik-Professor aus Philadelphia äußerte sich in einem Interview mit dem Online-Magazin „Truthout“ zu dem Sieg von Donald Trump.

Für Noam Chomsky spielt „Angst“ eine große Rolle beim Sieg des republikanischen Bewerbers Donald Trump. „Die Angst der weißen Nationalisten vor dem Verlust von Macht und Einfluss.“ Gleichzeitig macht er in dem Interview die Demokratische Partei mitverantwortlich für den überraschenden Sieg von Trump. Sie habe jahrzehntelang die weiße Arbeiterklasse ignoriert und sich lieber auf die Seite der neoliberalen Eliten geschlagen.

Die Wahlbefragungen und die Daten nach den Wahlen zeigten, dass die Mehrheit der Trump-Wähler "die wütenden und unzufriedenen" weißen arbeitenden Menschen seien, die "Opfer der neoliberalen Politik der vergangenen Generation" sind, sagte Chomsky. Er verglich den Wahlsieg von Trump mit dem Brexit-Votum in Großbritannien.

Auch dort habe es eine fremdenfeindliche, Anti-Flüchtlingskampagne von ganz weit Rechts gegeben, so Chomsky. Die Trump-Wähler teilten, wie viele andere im Westen, "die Wut an zentristischen Einrichtungen, wie sich am unvorhergesehenen Votum für den Brexit und dem Kollaps von zentralen Parteien in Kontinentaleuropa zeige.“

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Der prominente politische Kommentator kritisierte die Demokratische Partei dafür, "Die Arbeitnehmer und ihre Sorgen seit den 1970er Jahren aufgegeben zu haben.“ Und sie somit zu Opfern der Manipulation von Politikern wie Ronald Reagan und George W. Bush gemacht zu haben. Chomsky sagte auch, dass die weiße Vormachtstellung eine wichtige Rolle im Aufstieg von Trump gespielt habe.

Weiße Nationalisten fürchteten den Rückgang ihrer Macht aufgrund von Zahlen, die darauf hindeuten, dass Weiße bald die Minderheit in den USA sein werden. Und somit ihre Dominanz als Mehrheitsbevölkerung des Landes verlieren werden. 

Einige Menschen seien Trump gefolgt, weil er für sie "Veränderung" darstelle, während seine Gegnerin Hillary Clinton den Status quo repräsentiere und damit "die Politik, die gefürchtet und gehasst wird", fügte Chomsky hinzu. Aber die Veränderung, die der Immobilien-Milliardär versprochen hat, wurde der Öffentlichkeit nicht eindeutig dargestellt, so Chomsky.

Die Absicht von Trump, möglichst im Unklaren zu bleiben, sei von den Medien mitgetragen worden. Seine größte Sorge nach dem Wahltag sei die Zukunft des Planeten im Hinblick auf die Bedrohung durch den Klimawandel. Er nannte die Republikanische Partei "die gefährlichste Organisation in der Weltgeschichte.“

Noam Chomsky, Liguist und einer der führenden Intellektuellen in den USA. Bild: acTVism.org

Dadurch, dass die Republikaner als Verfechter der fossilen Brennstoffe jetzt die Kontrolle über alle Regierungszweige Washingtons besäßen, gehe die Welt in Richtung der "Zerstörung des organisierten menschlichen Lebens.“

Was die Außenpolitik betrifft, so hoffe er, dass die gegenseitige Bewunderung zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine "Verringerung der sehr gefährlichen und anhaltenden Spannungen an der russischen Grenze" bedeuten werde.

Chomsky ist zudem der Meinung, dass sich die europäischen Führer von Trumps Politik distanzieren könnten, um zusammen mit Moskau an einem integrierten Sicherheitssystem außerhalb der NATO zu arbeiten. In Bezug auf mögliche militärische Interventionen von Seiten der USA, sagte der Intellektuelle:

Trump ist zu unvorhersehbar. Es gibt zu viele offene Fragen. Was wir sagen können, ist, dass populäre Mobilisierung und Aktivismus, richtig organisiert und durchgeführt, einen großen Unterschied machen können.

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