Der politisch-mediale Komplex: Hillary Clinton bei CNN-Debatte bevorzugt

Der politisch-mediale Komplex: Hillary Clinton bei CNN-Debatte bevorzugt
Hillary Clinton kann sich freuen: Der US-Mainstream steht fest an der Seite der Kandidatin.
Neue WikiLeaks-Enthüllungen zeigen, dass Fragen eines TV-Duells auf CNN im Vorfeld an das Clinton-Lager weitergereicht wurden. Im Zentrum des Skandals steht ausgerechnet jene Frau, die aufgrund früherer WikiLeaks-Enthüllungen überhaupt erst Parteichefin der Demokraten wurde.

Die TV-Debatten im US-Präsidentschaftswahlkampf haben im Medienzeitalter eine herausragende Bedeutung. Millionen Fernsehzuschauer verfolgen den Schlagabtausch der Kandidaten. Schon im Vorwahlkampf um die Spitzenkandidatur der Parteien griffen die Kontrahenten auf dieses Format zurück. Bei den Demokraten setzte sich die Wall Street-Favoritin und Bellizistin Hillary Clinton gegen ihren sozialdemokratischen Widersacher Bernie Sanders durch.

Wie neueste Enthüllungen von WikiLeaks nun zeigen, scheint Clinton bei den TV-Duellen gezielt bevorteilt worden zu sein. Ausgerechnet Donna Brazile, die aufgrund der von WikiLeaks veröffentlichten DNC-Mails nach dem Rücktritt von Debbie Wasserman Schultz zur Interimsparteichefin wurde und zuvor als CNN-Kommentatorin tätig war, rückt nun in den Fokus der Vorwürfe.

Im Vorfeld einer Debatte zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders auf CNN zeigte Brazile, dass ihre früheren Kontakte zu dem Sender offenbar immernoch hilfreich sind. Sie teilte Clintons Wahlkampfmanager John Podesta mit, welche Fragen die frühere Außenministerin zu erwarten habe:

Eine der Fragen kommt von einer Frau mit einem Ausschlag. Ihre Familie hat eine Bleivergiftung und sie wird fragen, ob und was Hillary als Präsidentin tun wird, um den Menschen in Flint zu helfen.

Tatsächlich meldete sich in dem TV-Duell eine Wählerin dann zu just diesem Thema.

Gegenüber Podesta gab Brazile an, "gelegentlich die Fragen vorab" zu bekommen. CNN selbst reagierte empört auf die Insider-Kontakte der früheren Mitarbeiterin. Das Netzwerk verspüre „absolutes Unbehagen über das, was wir über ihre Kontakte mit dem Clinton-Team während ihrer Zeit als Mitarbeiterin erfahren haben". Klar ist jedoch: ganz offensichtlich haben führende CNN-Mitarbeiter, die an der Gestaltung der TV-Debatten beteiligt sind, die Informationen gezielt an Brazile durchgestochen.

Die Vorwürfe, der mediale Mainstream der USA bevorzugt gezielt Clinton, sind alles andere als neu. Auch der Journalist Glenn Greenwald hat auf der Enthüllungsplattform The Intercept bereits Dokumente veröffentlicht, die zeigen, dass die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, gezielte Unterstützung durch große US-amerikanische Medien erhält.

Konnte sich die Kandidatin, ungeachtet immer neuer Belege für interne Korruption und Vetternwirtschaft, zunächst gut im Rennen halten, verliert Clinton auf den letzten Metern des Wahlkampfes nun doch merklich an Boden.

Laut einer Umfrage des Senders ABC, die dieser zusammen mit der Washington Post in Auftrag gegeben hat, führt Clinton mit 46 Prozent der Wählerstimmen nur noch um einen Prozentpunkt vor Trump. Das komplexe Wahlsystem, in dem zunächst Wahlmänner und –frauen bestimmt werden, die dann entscheiden, wer ins Oval Office einzieht, kommt der Demokratin jedoch zu Gute.