Wahlkampf in den USA: Cyberspezialistin Hillary Clinton

Wahlkampf in den USA: Cyberspezialistin Hillary Clinton
Nach dem ersten Fernsehduell will CNN die demokratische Kandidatin im Vorteil sehen. Tatsächlich fallen die landesweiten Umfragen unentschieden aus, obwohl fast alle große Medien inzwischen Hillary-Wahlkampf betreiben. Unabhängig vom Ergebnis hatte die Debatte jedoch auch Unterhaltsames zu bieten.

Am 8. November sollen die Wählerinnen und Wähler in den USA die Person bestimmen, die das Land in den kommenden vier Jahren regieren soll. Nach aktuellen Umfragen liegen beide Kandidaten, Hillary Clinton und Donald Trump, praktisch gleichauf. Laut einer Auswertung der britischen BBC, die alle landesweiten und repräsentativen Umfragen auswertet, liegt die Kandidatin der Demokraten mit 48 Prozent nur zwei Punkte vor dem republikanischen Unternehmer, der 46 Prozent Zustimmung hat.

Komplott mit Putin gegen Hillary? Der republikanische Kandidat Donald Trump soll zusammen mit dem russischen Präsidenten seine Konkurrentin Clinton vergiftet haben.

Interessant dürfte für die Wahlstrategen sein, dass Donald Trump in den letzten Wochen unter den potentiellen Wählern schnell an Zustimmung gewann, obwohl fast alle etablierten US-Medien offensichtlich Wahlkampf für Clinton betreiben. Entsprechend setzten die Wahlkämpfer große Hoffnungen in das TV-Duell. Angeblich ergaben Blitzbefragungen unter den Zuschauern, dass Hillary Clinton in der Debatte eine bessere Figur abgegeben habe.

So behauptet etwa CNN, dass 62 Prozent der Zuschauer die demokratische Kandidatin hätten „siegen“ sehen. Der Nachrichtenkanal, der für seine aggressive Parteinahme für Hillary Clinton bekannt ist, trägt unter Clinton-Kritikern auch den Spitznamen ‚Clinton´s News Network‘. Die Kandidatin konnte in der Debatte aus einem reichen Fundus an kontroversen Äußerungen ihres Gegenübers schöpfen, um nachzuweisen, dass er Vorbehalte gegen alle möglichen Gruppen der Bevölkerung habe.

Auf Clintons Versuche, sich als Vertreterin von Schwarzen, Latinos und anderen Minderheiten zu inszenieren, reagierte der Gegenkandidat mit Hinweisen darauf, dass Clinton immer wieder zu der Law-and-Order-Politik aufgerufen hatte, wegen der ein Großteil dieser Bevölkerungsgruppen im Gefängnis sitzt.

In dieser Reihe konnte Donald Trump auf zahllose Beispiele verweisen, in denen Clinton offensichtlich falsche oder widersprüchliche Angaben gemacht hatte. Insbesondere vor dem Hintergrund der E-Mail-Affäre, bei der Clinton jahrelang ihre Post über einen privaten, ungesicherten Server schickte, wurde das Cyber-Thema unterhaltsam.

Zwar ist die Kandidatin für ihr extrem unterdurchschnittliches Technikwissen bekannt. Trotzdem meinte sie zu wissen, wer dafür verantwortlich ist, dass in den letzten Monaten zahlreiche Leaks, zu Deutsch Datenlecks, stattfanden. 

Ohne irgendeinen Beweis beschuldigte Clinton in der Debatte erneut Russland. Ohne weiter darauf einzugehen, dass sie die Klarnamen von CIA-Agenten und sensible Operationen über einen ungesicherten Account abgewickelt hatte, widmete sie sich vollständig Russland und behauptete, das Land sei für zahllose Cyber-Attacken gegen US-Organisationen verantwortlich.

„Es gibt keinen Zweifel mehr, dass Russland Cyber-Attacken gegen alle Arten von Organisationen in unserem Land eingesetzt hat“, meinte Clinton. „Wladimir Putin hat seine Cyber-Angreifer losgelassen, sie können Dateien der Regierung hacken, um persönliche Daten zu hacken, sie hackten das Democratic National Committee.“

Im Anschluss daran ging die Kandidatin dazu über, mit den technischen Kapazitäten ihrer Regierung zu drohen. Die Vereinigten Staaten hätten viel größere Kapazität und würden „nicht untätig herumsitzen“. Als sie jedoch ihrem republikanischen Gegner vorwarf, er habe „Putin zum Hacken aufgefordert“, hustete der in sein Mikrofon:

„Wrong“

Nach einem Zusammenbruch am Sonntag in New York könnte der Gesundheitszustand der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu einer weiteren Hypothek in ihrem Wahlkampf werden.

Zudem schien Donald Trump von der angeblichen Urheberschaft Moskaus nicht überzeugt zu sein.

„Ich glaube nicht, dass jemand weiß, ob es Russland war, die in den DNC einbrachen“, sagte Trump. „Sie sagt immer wieder ‚Russland, Russland, Russland‘, und vielleicht war es Russland auch. Es könnte Russland gewesen sein, aber es könnte auch China sein, es könnten auch viele andere Menschen sein. Es könnte auch jemand gewesen sein, der mit 200 Kilo auf seinem Bett sitzt“, fügte er hinzu.

Anschließend lenkte Trump die Aufmerksamkeit darauf, was eigentlich in den veröffentlichten Mails stand.

„Wir haben daraus gelernt, dass Bernie Sanders um seinen Vorteil in der Bevölkerung betrogen wurde, von Debbie Wasserman Schultz“, erinnerte Trump. „Aber ob das Russland, oder ob das China war, das wissen wir nicht.“

Insbesondere der Hinweis auf mit 200 Kilo deutlich übergewichtige Hacker beschäftigte anschließend die Twitter-Gemeinde.