US-Militärexperten: US-Armee verliert an Kampfbereitschaft

Während neokonservative Einpeitscher bei jeder Gelegenheit mit der unvergleichbaren Kampfkraft der US-Armee prahlen, malt der Rechnungshof des Landes ein überaus tristes Bild vom derzeitigen Zustand der Streitkräfte.
Während neokonservative Einpeitscher bei jeder Gelegenheit mit der unvergleichbaren Kampfkraft der US-Armee prahlen, malt der Rechnungshof des Landes ein überaus tristes Bild vom derzeitigen Zustand der Streitkräfte.
Ungewöhnlich tief stapelt der US-amerikanische Rechnungshof, wenn es um seine Einschätzung der Kampfkraft der Streitkräfte geht. Experten wittern darin ein Manöver des militärisch-industriellen Komplexes, um zusätzliche Finanzmittel zu akquirieren.

Für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten sind die fetten Jahre vorbei. Zu dieser Schlussfolgerung sind Vertreter des US-amerikanischen Rechnungshofs (Government Accountability Office, kurz GAO) gekommen, die jüngst auf der Internetseite der Institution einen entsprechenden Bericht veröffentlicht haben. 

In offiziellen Stellungnahme lesen sich Erklärungen der USA über das intensive Verlegen von Kriegsgerät nach Osteuropa, als gehe es vorwiegend um Beschäftigungstherapie für NATO-Verbände. Russland jedoch sieht darin eine Bedrohung.

Quelle: U.S. Army

Diesem zufolge "verliert die US-Armee an Kampfbereitschaft, weist einen niedrigen Organisationsgrad und eine eingeschränkte Manövrierfähigkeit auf".

Die Kontrollinstanz für das Finanzgebaren öffentlicher Haushalte macht dies unter anderem an den Beständen fest:

Zum Beispiel ist zwischen 1991 und 2015 die Zahl der Kampfjets und Bombenflieger um 58 Prozent gesunken. Die Seeflotte hat seit 1998 um 18 Prozent am Kampfwert verloren", heißt es im jüngsten Bericht des GAO.

Außerdem lässt sich der Auswertung entnehmen, dass "in den letzten zehn Jahren, die von zahlreichen Konflikten, Budgetlöchern und der Verschlankung von Strukturen geprägt waren, die US-amerikanischen Streitkräfte in ihrer Kampfbereitschaft stark nachgelassen haben".

Momentan hat die Revitalisierung der Streitkräfte für die US-Regierung den Vorrang", heißt es weiter im Bericht.

Prof. Alexander Konovalow, Präsident des Instituts für Analyse und strategische Bewertung bei der Hochschule für Wirtschaft (HSE) Moskau, vermutet, dass militäraffine Kreise in den USA durch derartige Mitteilungen den Kassen der Streitkräfte einen höheren Geldzufluss verschaffen wollen.

Das gilt für jede bürokratische Struktur, Militärbehörden der USA sind da keine Ausnahme", sagt der Experte. "Sie werden jetzt im Kongress Unterstützung suchen, um das Budget aufzubessern. Um die Notwendigkeit zusätzlicher Mittel zur Finanzierung zu untermauern, werden sie ein grelles Licht auf die wachsende militärische Bedrohung vonseiten Russlands richten."

Alexander Konovalow erachtet den tatsächlichen Zustand der US-Armee als "auf hohem Niveau".

Die USA haben zurzeit viele Möglichkeiten: Sie können einen konventionellen Sprengkopf innerhalb von 40 bis 45 Minuten in jede Ecke der Welt befördern, und das mit hoher Treffsicherheit. Die US-Armee kann auch in einem schnellen Tempo beliebige Ortschaften erreichen und vieles mehr."

Der Herausgeber der Zeitschrift "Arsenal Otetschestwa" (Arsenal des Vaterlandes) und Militärexperte Wiktor Murachowski meint, dass die Kampfbereitschaft der Armee insgesamt nach dem Zustand einzelner einsatzbereiter Kampfeinheiten beurteilt worden sei.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Zahl der Jagdflugzeuge oder Schiffe zurückgegangen ist. Wahrscheinlich hat man einfach nur die Modernisierung oder Wartung eines Teils der Kampfgerätschaften unterlassen", so der Militärexperte.

Dabei könnte der erst jüngst veröffentlichte Bericht auch von Kongressmitgliedern aus Staaten unterstützt werden, die über bedeutende Einrichtungen des militärisch-industriellen Komplexes der USA verfügen.

US-Vizepräsident Joe Biden in Riga, 23. August 2016

In der Regel setzen sich Kongressmitglieder für die Interessen jener Staaten ein, in denen sie gewählt wurden. Der militärisch-industrielle Komplex als eine im finanziellen Sinne große Struktur hat mehrere Möglichkeiten, seine Interessen im Kongress durchzusetzen", fügte Wiktor Murachowski hinzu.

Dieser Bericht sei nur ein Vorwand, um das US-Militärpotenzial auszubauen und die Präsenz der USA in Europa zu verstärken, teilt Oberst a.D. Alexander Zhilin mit, der Leiter des Moskauer Zentrums für angewandte Problemstudien.

Wenn die Amerikaner den Verteidigungsetat aufbessern, nimmt auch die militärische Aktivität der USA zu. Das heißt, die USA rüsten für einen Krieg auf. Vielleicht ist das eine Provokation. Alleine im letzten Jahr stationierten die USA Truppen in Polen, in Rumänien und im Baltikum. Das stellt praktisch gesehen ein potenzielles Aufmarschgebiet dar. Heute sind dort Bataillone, morgen Divisionen. Kampfgeräte sind auch schon vor Ort, aber noch "konserviert". Wenn es zu einem Konflikt mit Russland kommen sollte, werden die USA andere die Kastanien aus dem Feuer holen lassen", meint der Experte.