"Notfalls bis zum Tod" – Whistleblowerin Chelsea Manning tritt in Hungerstreik

Unterstützer fordern die Freilassung der Whistleblowerin.
Unterstützer fordern die Freilassung der Whistleblowerin.
Die US-Whistleblowerin Chelsea Manning ist in einen Hungerstreik getreten. Die WikiLeaks-Informantin will damit gegen die unwürdigen Haftbedingungen protestieren, denen sie sich im Militärgefängnis ausgesetzt sieht.

Zu 35 Jahren Haft verurteilt: Chelsea Manning

Ich brauche Hilfe und bekomme keine. Meine Bitte wurde immer wieder ignoriert, verschleppt oder ins Lächerliche gezogen", schrieb Chelsea Manning in einer Erklärung zu ihrem Hungerstreik. "Man hat mich bis zu einem Selbstmordversuch getrieben."

Besonders die Tatsache, dass Manning, geboren als Bradley, sich für eine Geschlechtsumwandlung entschieden hat, werde vom Militärgefängnis in Fort Leavenworth faktisch ignoriert. Schon seit Jahren fordert die Whistleblowerin eine medizinische Behandlung und die Anerkennung als Frau. Dies verweigert die Haftanstalt jedoch und führt Manning nach wie vor als männlichen Gefangenen.

Die WikiLeaks-Informantin gab an, notfalls bis zu ihrem Tod hungern zu wollen, sollte die Haftanstalt ihre Forderungen weiter ignorieren.

Bislang blieben alle Rufe ungehört, mit denen die Whistleblowerin bessere Haftbedingungen forderte. Im Juli führte der harte Umgang der Gefängnisleitung mit der weltberühmten Aktivistin gar zu einem Selbstmordversuch Mannings.

Es folgte die kurzzeitige Verlegung in ein Krankenhaus. Mannings Anwälte kritisierten scharf, dass sie keinen Zugang zu ihrer Mandantin erhielten und erst durch die Medien über den Suizidversuch erfuhren. Bereits zuvor verlegte die Leitung der Haftanstalt Manning zeitweise in Isolationshaft. Unterstützer berichteten wiederholt über Schikanen und Mobbing gegen die Aktivistin, die stets betont, aus Gewissensgründen gehandelt zu haben, um mutmaßliche Kriegsverbrechen öffentlich bekannt zu machen.

Neben 250.000 diplomatischen Telegrammen und 500.000 Armee-Reporten, die den Weg zu der Enthüllungsplattform fanden, sorgten vor allem die Videoaufnahmen aus dem Irak, die Manning geleakt hatte, für Aufsehen. WikiLeaks veröffentlichte die der Plattform von Manning zugespielten Aufzeichnungen, welche unter anderem zeigen, wie Soldaten der US-Armee bei einem Luftangriff in Bagdad im Juli 2007 irakische Zivilisten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters erschießen.

Nach der Enttarnung wurde Manning angeklagt und unter anderem des Diebstahls und der Spionage in mehreren Fällen schuldig gesprochen. Das Urteil: 35 Jahre Haft ohne Bewährung.

Ein weltweites Unterstützernetzwerk fordert seitdem die Freilassung der nach Überzeugung ihrer Fürsprecher politischen Gefangenen.